Aarau
Die «Stadtwächter»-Brauerei plant einen Neubau in der Telli – und sucht Aktionäre

Auf dem Areal des abgebrannten Restaurants Go West wollen die Initianten des «Stadtwächter»-Biers eine neue Brauerei einrichten. Dafür braucht es eine Erhöhung des Aktienkapitals.

Nadja Rohner
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Das Gebäude soll in der Telli auf dem Areal entstehen, wo vor einem Jahr das «Go West» abgebrannt ist.

Das Gebäude soll in der Telli auf dem Areal entstehen, wo vor einem Jahr das «Go West» abgebrannt ist.

ZVG

1918 schloss die damals letzte Aarauer Brauerei ihre Tore. 100 Jahre später entschieden neun Aarauer, dass es Zeit wird, der Kantonshauptstadt wieder zu ihrem eigenen Bier zu verhelfen: Sie lancierten die «Stadtwächter»-Brauerei. Seither werden auf dem Areal der Glockengiesserei Rüetschi am Rain wöchentlich 350 bis 400 Liter Bier gebraut, das entspricht rund 1100 Flaschen.

So sehen die Flaschen und Etiketten des «Stadtwächter»-Biers aus.

So sehen die Flaschen und Etiketten des «Stadtwächter»-Biers aus.

Katja Schlegel

Doch die Initianten wollen mehr – und die Kunden offenbar auch: «Trotz Coronakrise kam die Produktion diesen Sommer bereits an die Kapazitätsgrenze», schreiben sie in einer Mitteilung. «Um in Zukunft die Nachfrage nach dem regionalen Bier zu decken und die Kostenstruktur zu optimieren, planen die Stadtwächter mit der Entwicklungsstrategie 2020 einen grossen Ausbauschritt.» Die Produktionsmenge soll verfünffacht werden.

Neubau in der Telli

Dafür braucht es mehr Platz. Und einen neuen Standort. Die «Stadtwächter»-Initianten planen deshalb den Umzug in die Telli. Auf dem Areal des im September 2019 abgebrannten Restaurants Go West an der Weihermattstrasse in Aarau wollen sie bestehende Räume sowie einen Neubau beziehen, der durch den Grundeigentümer (Immobilieninvestor Martin Ammann) zuerst noch erstellt werden muss.

Die Brauerei will sich dort einmieten. «Wir planen, im 1. Halbjahr 2022 die Produktion am neuen Ort zu starten», sagt Brauerei-Verwaltungsrat Oliver Bachmann. Das Telli-Quartier befinde sich in einer grossen Umbruchphase; es werde durch weitere Entwicklungsprojekte wie den Kiff-Neubau und das Hangaar-Areal belebt. Und: Der Verbleib der «Stadtwächter» in Aarau sei auch ein Bekenntnis zum Standort.

Das alles kostet jedoch viel Geld. Die Rede ist von einem zusätzlichen Finanzierungsbedarf von 1,5 Mio. Franken. «Den grössten Teil davon brauchen wir für die neue Anlage und den Innenausbau», sagt Oliver Bachmann. Ausserdem werde man einige Zeit brauchen, um den Betrieb auf volle Leistung hochzufahren und die Strukturen zu professionalisieren – auch diese Zeit soll mit einem Teil der 1,5 Mio. Franken überbrückt werden.

Das Team der «Stadtwächter»-Brauerei mit Oliver Bachmann (Dritter von rechts, mit Harasse).

Das Team der «Stadtwächter»-Brauerei mit Oliver Bachmann (Dritter von rechts, mit Harasse).

Ueli Wild

Eine Aktie kostet 1200 Franken

Zur Finanzierung setzen die «Stadtwächter» auf eine Aktienkapitalerhöhung (bisher: 100'000 Franken) der Brauerei Aarau AG. Der Ausgabepreis pro Aktie beträgt 1200 Franken (Nominalwert: 1000 Franken). Es gibt eine Beschränkung pro Person.

Bis Ende Jahr können sich Interessenten für die Aktien melden; so soll das Potenzial geprüft werden. Im 2021 wird die tatsächliche Erhöhung beschlossen, anschliessend werden die Aktien ausgegeben.

Ziel sei es, so viel wie möglich via Aktienkapitalerhöhung einzunehmen, sagt Oliver Bachmann. Und wenn es nicht reicht? «Wir gehen erstens davon aus, dass uns eine Bank Fremdkapital zur Verfügung stellen würde, wenn wir bereits einen Grossteil der Finanzierung gesichert haben. Und zweitens sind die 1,5 Mio. Franken das Maximum – wenn wir sparen und nicht alles ganz so realisieren, wie wir uns das vorstellen, schaffen wir es auch mit weniger.»

Mit dem Ausbau soll auch die Kostenstruktur verbessert werden. Diese sei heute wegen der kleinen und entsprechend aufwändigen Produktion nur dank viel Fronarbeit tragbar. Die Gründungsmitglieder arbeiten derzeit ehrenamtlich in der Brauerei; ein paar wenige Stundenlöhner sind eingestellt. Bachmann sagt:

Mittel- bis langfristig wollen wir alle Leistungen bezahlen können und Stellen schaffen – in der Brauerei und in der Geschäftsleitung.

Es sei dem Verwaltungsrat bewusst, dass die Zeit nicht ideal sei, um Geld aufzutreiben. Bachmann ergänzt: «Aber wir sehen auch, dass es nun wirklich nötig ist, eine Vergrösserung in Angriff zu nehmen. Ausserdem sind wir vom Projekt in der Telli überzeugt – es lohnt sich, dafür zu kämpfen.»

Wer steckt hinter der Brauerei?

Dem Verwaltungsrat gehören an: Gregor Boner (Präsident, Möriken-Wildegg), Oliver Bachmann (Aarau), Andreas Hochuli (Aarau) und Daniel Richner (Oberentfelden).

In der Geschäftsleitung, die im Rahmen der Strategie 2022 verkleinert und professionalisiert werden soll, sitzen zusätzlich Dominik Brändli (Aarau), Alois Debrunner (Aarau), Leander Isenring (Aarau), Mark Klemm (Aarau) und Dominic Zimmerli (Aarau).