Kurden im Aargau
«Die Schweizer Demokratie ist uns ein Vorbild»

Die Kurden feiern jedes Jahr ihren Befreiungstag Newroz – dieses Jahr im Zwinglihaus in Aarau. Dabei loben gegenüber der az die Schweiz und dessen Demokratie.

Solange Reimann
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Newroz – dies der Name des kurdischen Feiertags. Er steht symbolisch für den Kampf der Kurden um ihre Freiheit, ihre Kultur und gegen ihre jahrhundertlange Unterdrückung. Die Kurden sind das grösste Volk, das ohne Staat lebt. Ihre Identität wird in der Türkei und den umliegenden Ländern noch immer nicht anerkannt.

In Kurdistan viele Kinder vaterlos

Aufgrund dieser Thematik fand vergangenen Freitag die kurdische Veranstaltung Newroz – an welcher auch zahlreiche Schweizer teilnahmen – im Zwinglihaus in Aarau statt. Organisiert wurde der Anlass durch den seit drei Jahren bestehenden kurdischen Kulturverein, der seinen Standort in Oberentfelden hat. Der Verein mit Eylem Denirdögen als Präsidentin läuft unter der Dachorganisation Fekar und veranstaltet regelmässig verschiedene Kulturfeste. Auch steht er in Kontakt mit Organisationen aus der Heimat. Unter anderem mit dem Roten Kreuz in Iran, im Irak und in der Türkei, auf Kurdisch Hesya Sore Kurdistan genannt. Denn in Kurdistan leben viele Kinder vaterlos, da ihre Väter von der türkischen Regierung verschleppt wurden und bis heute nicht aufgetaucht sind oder im Gefängnis sitzen.

Kurden ist Integration wichtig

In der Schweiz leben rund 6000 Kurden. Viele mussten aus politischen Gründen in andere Länder auswandern. Gerade für Frauen ist es schwierig, den Einstieg ins Leben in der neuen Heimat zu finden. Deswegen werden vom kurdischen Verein Sitzungen für die Frauen organisiert, wo sie sich austauschen und ihre Probleme mitteilen können.

Der Verein leitet verschiedene Kommissionen, so auch die Integrationskommission. «Die Integration der Kurden ist uns ein grosses Anliegen, denn das Schweizer System und seine Demokratie ist uns ein grosses Vorbild», betont Soziologin Ilkay Kinali, tätig im Komitee des Vereins. «Wir wünschen uns, in Harmonie mit den Schweizern zu leben, wir respektieren ihre Sitten, möchten aber auch unsere Kultur nicht vergessen und sie leben dürfen, deswegen möchten wir diese dem Schweizervolk näherbringen.»

Verein lanciert Projekte

Ilkay Kinali arbeitet als «Brückenbauerin» mit vielen Schweizern zusammen. So werden die Kurden beispielsweise über das Schweizer Schulsystem informiert, oder bei Treffen mit Firmen lernen sie die Funktionen von Versicherungen kennen. Der kurdische Kulturverein initiiert verschiedenste Projekte für kurdische Jugendliche und Frauen. So etwa ein Jugendprojekt, in welchem Berufswahl und Gewalt thematisiert werden. Für kurdische Frauen werden Sprachkurse angeboten, da Analphabetismus bei ihnen verbreitet ist.

Das eigentliche kurdische Neujahr Newroz findet jedes Jahr am 21. März statt. Der Mythos erzählt eine Geschichte des Widerstandes und der Befreiung, die vor 2623 Jahren ihren Anfang nahm. Damals bereiteten sich die Kurden in den Bergen auf den Kampf gegen den Tyrannen und assyrischen Kaiser Dehak und dessen Ermordung vor. In der Nacht vom 20. auf den 21. März entfachten die Kurden Feuer in den Bergen, als Zeichen zur Bereitschaft des Kampfes: Der Tyrann Dehak wurde mit einem Hammer erschlagen. Seither feiern die Kurden jährlich am 21. März Newroz, den Neubeginn, bei welchem noch immer grosse Feuer entflammen.

Türkei verbietet Newroz

Die Regierung verbot Newroz, als 1923 die türkische Republik gegründet wurde. Seither gab es an den Feiern von Newroz unzählige Gewaltanschläge und Massaker gegen die Kurden.

In den 60er-Jahren hat eine Gruppe Studenten eine Organisation gegründet, die in der späteren Geschichte als PKK ihren Platz einnahm. Diese Bewegung hat den politischen und bewaffneten Kampf unter der kurdischen Identität organisiert und führt diesen noch immer weiter. Der Anführer Abdullah Öcalan wurde 1999 nach einem Komplott entführt und der Türkei überliefert. Bis heute sitzt der Mann, der sich unerbittlich für die Rechte der Kurden einsetzte, auf der Insel Imrali im Gefängnis.

Die Kurden fordern, dass ihre Identität als Volk anerkannt wird und das Bestehen der kurdischen Identität in den Grundgesetzen verankert ist. Obwohl Newroz für die Kurden ein Tag der Befreiung darstellt, ist dieser Tag stark geprägt von bedrückender Wahrheit, ihre Heimat betreffend.

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