Aarau
Die Grabstätte für früh verlorene Kinder wurde auf dem Friedhof eingeweiht

Gestern wurde auf dem Friedhof Rosengarten zu Aarau die überkonfessionelle Grabstätte für früh verstorbene Kinder eingeweiht. Der Stadtrat hatte dazu eingeladen.

Marianne Wydler
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Friedhof

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Aargauer Zeitung

Eine grosse, geöffnete Muschel aus rosa Marmor, in deren Schoss eine marmorne Perle liegt, befindet sich neu beim Grabfeld Kinder und dient früh verstorbenen Kindern als Ruhestätte und deren Angehörigen als Ort der Trauer. Neu können in Aarau auch die nicht meldepflichtigen, vor der 22. Schwangerschaftswoche verlorenen, Kinder bestattet werden.

Es war der ehemalige Friedhofsverwalter Kurt Wernli, der sich für eine Grabstelle für früh verstorbene Kinder einsetzte, ein Konzept zur Errichtung erstellte und dem Stadtrat vorgelegte. Dieser lud drei Bildhauer der Umgebung zu einem Wettbewerb ein.

Das Projekt «Verlorene Geborgenheit» des in Lenzburg wohnenden Bildhauers Jean-Louis Ruffieux wurde ausgewählt. In sein Werk ist die bestehende Figur der Rosenstreuerin auf dem Grabfeld Kinder gemäss Vorgabe integriert.

«Dieser Entwurf brauchte sehr viel Einfühlvermögen», sagte Ruffieux und enthüllte an der Feier eine zur Grabstätte gehörende Steintafel, worauf geschrieben steht: «Zum Gedenken an unsere früh verlorenen Kinder, die gleich Perlen in unseren Herzen bleiben.»

Liebevoll verabschieden

Spitalseelsorgerin Valeria Hengartner und Regina Scherer Buscher von der katholischen Kirche sprachen an der Einweihung davon, dass früh verstorbene Kinder heute willkommen geheissen und liebevoll verabschiedet werden. Sie sind kein Tabu mehr, die Trauer um die Kinder darf gesehen werden. «In den letzten 15 Jahren hat sich das Bewusstsein in der Gesellschaft verändert», sagte Valeria Hengartner, «ein Kind ist ein Kind, unabhängig von seiner Lebenswoche. Nur weil sie noch unbekannt sind, werden sie nicht weniger geliebt. Es braucht einen Ort der Trauer um das Kind, das gestorben ist, bevor es überhaupt auf die Welt gekommen ist.»

In ihrem Abschiedsschmerz litten viele Eltern einsam: «Ihre Trauer ist ohne Gemeinschaft, die mittrauert. Darum brauchen wir Gedenkstätten wie diese, damit die Öffentlichkeit zur Kenntnis nimmt:

Viele Kinder gehen früh verloren.» Die Seelsorgerinnen betonten: «Alle Trauernde sind an diesen Ort eingeladen; um zu protestieren, zu weinen, einzuwilligen.» Sie baten in einer Fürbitte für Eltern, Grosseltern, Hebammen, Ärzte und Ärztinnen, Zivilstandsbeamte und Bestattungsbeauftragte. Valeria Hengartner segnete die Grabstätte. Trompetenklänge des Musikers Christian Bruder umrahmten die ergreifende Feier.

Stadträtin Regina Jäggi bedankte sich bei allen, die dazu beigetragen haben, diesen Ort zu ermöglichen, insbesondere dem Kantonsspital Aarau, der stellvertretenden leitenden Hebamme Lea Flückiger, der Spitalseelsorgerin Valeria Hengartner und Werner Moor, Leiter Technik, Pathologie des Kantonsspitals Aarau.

Am Freitag, 24. Februar 2012 um 16 Uhr findet die erste gemeinschaftliche Bestattungsfeier für die früh verlorenen Kinder statt.