Buchs
Dicke Überraschung: Gemeinderat will Funda Yilmaz nun doch einbürgern

Der Gemeinderat Buchs beantragt beim Einwohnerrat nun doch, Funda Yilmaz einzubürgern. Dieser hatte die Einbürgerung der jungen Türkin abgelehnt, was ein weltweites Echo auslöste.

Nadja Rohner
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Bildmontage: Funda Yilmaz und Schweizer Pass

Bildmontage: Funda Yilmaz und Schweizer Pass

Fotos: zvg/key; Montage: edi

Das hat es wohl noch nie gegeben: Obwohl der Einwohnerrat die Einbürgerung von Funda Yilmaz abgelehnt und die junge Türkin daraufhin Beschwerde beim Aargauer Regierungsrat eingelegt hat, bringt der Gemeinderat den Fall nun nochmals vor den Einwohnerrat. Noch bevor der Regierungsrat einen Entscheid fällen konnte.

Rückblick: Funda Yilmaz (25) ist in Aarau in eine türkische Familie geboren worden. Sie hat immer in der Region gewohnt und ging hier zur Schule. Heute arbeitet sie noch immer in der Aarauer Firma, in der sie schon ihre Lehre als Bauzeichnerin gemacht hat. Sie ist mit einem Schweizer verlobt, die Hochzeit findet nächstes Jahr statt. Vor rund einem Jahr stellte Yilmaz in ihrer Wohngemeinde Buchs einen Einbürgerungsantrag.

Den Staatskundestest schafft sie ohne Fehler. Es liegen keine Einbürgerungshindernisse wie etwa Vorstrafen vor. Aber Funda Yilmaz schneidet bei zwei Gesprächen mit der Einbürgerungskommission nicht besonders gut ab. Der Gemeinderat beantragt beim Einwohnerrat, das Einbürgerungsgesuch abzulehnen – es fehle Yilmaz an genügend Wissen über die Schweiz und die Region, sie sei zu wenig integriert. Nach längerer Diskussion folgt der Einwohnerrat dem Antrag.

Doch Funda Yilmaz wehrt sich. Sie sucht den Kontakt zu den Medien nicht, die Medien finden sie. Und Yilmaz gibt Auskunft. Legt die Protokolle ihres Einbürgerungsgesprächs offen. Gibt Interviews. Verteidigt sich im Fernsehen. Legt beim Regierungsrat Beschwerde gegen den Einwohnerratsentscheid ein. Währenddessen braust ein Sturm der Entrüstung über die Gemeinde Buchs her. Der Fall macht Schlagzeilen – sogar in Übersee berichtet man darüber.

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Betroffene Funda Yilmaz (25) Buchs «Ich kann es nicht verstehen.»
Nationalrat Cédric Wermuth (SP) «Behördliche Willkür im Quadrat. Empörend, was sich der ER Buchs leistet. Wir sind ein Rechtsstaat, kein Sandkasten!»
Nationalrat Andreas Glarner (SVP) «Das ist das demokratische Recht des Einwohnerrats. Wenn wir das beschneiden, können wir den Pass schon an der Grenze überreichen.»
Buchser Einwohnerrat Beat Spiess (FDP) «Es geht nicht an, dass man hier an einer unschuldigen Einbürgerungskandidatin seine Unzufriedenheit über unsere Migrationspolitik abreagieren will.»
Buchser Einwohnerrat Andreas Burgherr (EVP) «So sind die Regeln – die Autoprüfung muss man auch bestehen, wenn man fahren will.»
Buchser Einwohnerrätin Ineke Irniger (SP) «Ich habe eine aufgestellte, interessierte Frau kennen gelernt, die nicht dem Bild entspricht, das die Kommission von ihr zeichnet.»

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AZ

Und nun das: Für die Einwohnerratssitzung vom 18. Oktober ist die Einbürgerung von "Yilmaz, Fulden Funda" erneut traktandiert. Der Gemeinderat empfiehlt dieses Mal die Einbürgerung. "Seit dem Beschluss des Einwohnerrats entstand der Eindruck, dass Frau Yilmaz besser in der Schweiz integriert ist, als dass sie anlässlich der beiden Gespräche mit der Einbürgerungskommission aufzuzeigen vermochte", schreibt der Gemeinderat. Diese weiteren Informationen hätten "zu einem anderen Ausgang des Verfahrens führen können", so der Gemeinderat.

Er beauftragte deshalb die Einbürgerungskommission, diese neuen Informationen zu überprüfen. "Die Einbürgerungskommission weigerte sich jedoch, dieses Gespräch zu führen", heisst es weiter in der Einwohnerratsbotschaft.

Also übernahmen Gemeindeammann Urs Affolter und Gemeinderat Anton Kleiber. Letzterer ist ebenfalls Mitglied der Einbürgerungskommission. Die beiden führten ein erneutes Gespräch mit Yilmaz, in dem diese offenbar ihre Standpunkte besser darlegen konnte als bei den beiden früheren Gesprächen, bei denen sie nach eigenen Angaben äusserst nervös war. Jedenfalls kommt der Gemeinderat jetzt zum Schluss: "Zusammenfassend ist festzustellen, dass Frau Yilmaz genügend in der Schweiz integriert ist."