Aarau
Das Krematorium hat Kamin-Problem – Auslöser ist ein Dilemma zwischen Umweltschutz und Denkmalschutz

Der Bau der zweiten, 3,6 Millionen Franken teuren Ofenlinie muss neu projektiert werden. Der Grund ist ein Problem zwischen Luftreinhalteverordnung und Denkmalschutz.

Nadja Rohner
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Das Krematorium (Kamin links) befindet sich hinter der kleinen Abdankungshalle im städtischen Friedhof.

Das Krematorium (Kamin links) befindet sich hinter der kleinen Abdankungshalle im städtischen Friedhof.

Nadja Rohner

Mitte 2016 bewilligte der Aarauer Einwohnerrat einen Kredit von 3,586 Mio. Franken für eine neue Ofenlinie II im Krematorium Rosengarten. Die bisherige Ofenlinie II, eine elektrisch betriebene Anlage aus dem Jahr 1978, soll abgebrochen und ersetzt werden.

Im Normalbetrieb wird derzeit nur die mit Gas betriebene Ofenlinie I eingesetzt. Sie stammt aus dem Jahr 2001 und funktioniert meist einwandfrei. Aber bei Revisionen oder Betriebsstörungen muss sie abgeschaltet werden. Während dieses Betriebsunterbruches konnte die Stadt früher – mit kantonaler Ausnahmebewilligung – ein paar wenige Kremationen auf der alten Ofenlinie durchführen. Diese verfügt aber über keine Rauchgasreinigung. Alternativ mussten Kremationen extern durchgeführt werden, was für die Stadt mit höheren Kosten verbunden ist. Es braucht also eine neue Ofenlinie II, die dereinst die Linie I ablöst. Letztere würde dann als jederzeit einsetzbare Ersatzanlage gebraucht.

Umwelt- vs. Denkmalschutz

Der Einwohnerrat hat den Baukredit zwar einstimmig durchgewunken. Aber jetzt, noch bevor die sehr aufwendigen Bauarbeiten starten können, gibt es eine Planänderung, welche die Realisierung um mindestens einige Monate verzögert. Unter anderem wegen eines Dilemmas zwischen Luftreinhalteverordnung und Denkmalschutz.

Krematorien müssen strenge Emissionsgrenzwerte einhalten. Bei der Verbrennung werden Schadstoffe wie Quecksilber freigesetzt, zum Beispiel aus Amalgam-Zahnfüllungen. Diese Schadstoffe müssen mit einer Rauchgasreinigungsanlage zurückbehalten werden.

Im Fall des Krematoriums Rosengarten hat sich nun im Rahmen des Submissionsverfahrens für den Ersatzofen herausgestellt, dass bei der Planung die Emissionen der gesamten Anlage zu berücksichtigen sind, nicht nur einzelner Teile davon.

Diese Abklärungen führten zur Erkenntnis, dass bei beiden Ofenlinien 16 Meter hohe Kamine nötig wären, was auch die Ofenlinie I noch nicht hat. Aber: Das Aarauer Krematorium ist in einem denkmalgeschützten Gebäude untergebracht (von Albert Froelich, Baujahr 1912). Und die Denkmalpflege hat keine Freude an zwei neuen, hohen Kaminen – sie intervenierte.

Die Stadt hat nun mit dem Kanton zusammen eine Lösung gefunden. Die neuen Kamine, exakt 16 Meter hoch, kommen etwas versteckt zwischen dem alten und dem neuen Gebäude (Krematorium und grosse Abdankungshalle) zu liegen. Dafür braucht es aber nicht nur eine Planänderung bei der neuen Ofenlinie II; auch die Abluftleitungen der bestehenden Ofenlinie I müssen umgelegt werden. «Wir müssen das Projekt nochmals von vorne aufgleisen», sagt die zuständige Stadträtin Regina Jäggi. Es brauche eine erneute Bauauflage, ein neues Submissionsverfahren und allenfalls einen Zusatzkredit vom Einwohnerrat. Über die genauen Mehrkosten könne man noch nichts sagen, und auch nicht, wann die neue Ofenlinie in Betrieb gehen kann. «Die Verzögerung hat keine unmittelbaren betrieblichen Folgen, solange die Ofenline I problemlos läuft», betont Jäggi. Falle diese aus, müsse man auf externe Anbieter ausweichen. Und das kostet.

Mit diesen Problemen wird sich Regina Jäggi nicht mehr herumschlagen müssen – sie hört Ende Jahr auf. Suzanne Marclay-Merz wird das Dossier erben.