Bernhart Matter
Car-Theater: Verdächtig ist, wer mit Matter tanzt oder Wein trinkt

Carfahrten mit Theater – Autor Markus Kirchhofer, Regie Mike Zeller – führen zu den letzten Stationen des Müheler Erzgauners. Der Reiseleiter und seine Gäste erleben Verrat, Improvisationstalent und Landschaftstheater.

Peter weingartner
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Bernhart Matter stösst mit den Richners in der «Herberge» in Teufenthal an. WPO

Bernhart Matter stösst mit den Richners in der «Herberge» in Teufenthal an. WPO

Die beiden Polizisten beim Eingang zum Innenhof des «Bären» in Muhen wollen es wissen: Matterfreund oder Gesetzestreuer? Beim «Bären», jenem Haus, das der Vater des Spitzbuben in den Konkurs verdummt hat, beginnt die mehrstündige Reise zu Schauplätzen der letzten Tage des Bernhart Matter. Am 24. Mai 1854 hat ihn Scharfrichter Mengis aus Rheinfelden geköpft.

Die Sympathien liegen mehrheitlich bei Matter. Ein Weiberheld als Volksheld, weil er die Redensart von den grossen Gaunern, die man laufen lässt, und den kleinen, die man hängt (oder eben köpft), trefflich illustriert. Zumal die Deliktsumme von 10500 Franken (heutiger Wert 230000 Franken) verglichen mit Banker-Boni ja nichts sei. Das erzählt Reiseleiter Heiner Halder an der Premierenfahrt.

Verrat in der Herberge

Der Car führt die 40 Reisenden über den Böhler zunächst nach Teufenthal in die «Herberge», wo ein Fest im Gange ist. Da wird getanzt und gezecht. Unter dem Volk sitzt auch Matter. Die ausgesetzte Belohnung von 500 Franken auf seine Festnahme führt zum Verrat und zur Festnahme: die Wirtsleute Karrer! Und die Gäste werden verhört. Pech hat, wer eben noch mit Matter getanzt hat oder sich zu einem Glas Wein hat einladen lassen. Beim Aufnehmen der Personalien zeigen die trotteligen Polizisten Frei und Kümmerli Improvisationstalent.

Landschaftstheater

«Es ging schon damals immer ums Geld», sagt jemand auf der Fahrt ins Gränicher Refental. In der Tat: Der Teufentaler Lehrer Gauch und Jakob Leu aus Gränichen wollen auch etwas von der Belohnung. Refental? Die Strasse wird eng, sehr eng. «Wenn ein Bschüttiwagen entgegenkommt, wirds kritisch», meint ein Passagier. Am Waldrand begegnen sich Barbara, die mit Matter eine Tochter hat, und ihre Freundin Monika Richner, bei der diese Tochter aufwächst. Landschaftstheater. Dramatische Wolken, Wald und Hügellandschaft als Kulisse.

Matters Tochter kommt aus der Höhle und fällt ihrer Mutter um den Hals. «Mami, nümme im Chefi!», freut sich das Mädchen. Das Publikum applaudiert spontan, und Heiner Halder verdrückt eine Träne der Rührung. Barbara ist wieder schwanger. «De Matter isch de Vatter», sagt sie, doch es wird wohl der Lenzburger Herr gewesen sein, bei dem sie arbeitet.

Was Heiner Halder während der Carfahrt – nun gehts nach Aarau ins Rathaus – erzählt, lässt zuweilen schmunzeln. So hat Matter sich im Elsass als Caspar Richner ausgegeben und als solcher Liebesbriefe geschrieben, die später beim richtigen Kaspar Richner und seiner Frau für Dissonanzen gesorgt haben.

«Stressfreier Nachmittag»

In Aarau wird Matters Schicksal besiegelt. Der Aargau will sich nicht länger zum Gespött der Miteidgenossen machen lassen ob Matters Katz- und-Maus-Spiel. Man denke an seine Gefängnisausbrüche über Plumpsklo oder Kamin. Bei den Fünflinden in Lenzburg fällt sein Kopf. Der Besuch der Justizvollzugsanstalt Lenzburg führt in die Gegenwart zurück. Beklemmung, wenn man in der 7,6 Quadratmeter grossen Zelle steht. Im «Bären» rundet ein währschaftes Mahl den Theaterhalbtag für Geniesser ab. «Ein stressfreier, beschaulicher Nachmittag; mir gefällt dieser Mix aus stimmigen Szenen an verschiedenen Schauplätzen und Carfahrt», sagt Jürg Meier aus Obfelden. «Am liebsten hätte ich ihn gerettet», meint Ruedi Stutz aus Othmarsingen. Kunststück: Beim Mattertheater vor zwei Jahren auf dem Staufberg spielte er Bernharts Vater.

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