Oberentfelden
Börm pöm pöm-Betreiber: «Das Publikum ist mit uns alt geworden»

Erst kamen Kollegen ins Cliquen-Räumchen, dann Kollegen von Kollegen und dann die Polizei – die Entstehungsgeschichte des Musikklubs «Böröm pöm pöm»

Katja Schlegel
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«Das Publikum ist mit uns alt geworden», sagen Philipp Wehrli und Philipp Hirschel 20 Jahre nach der ersten Party im Böröm pöm pöm.Emanuel Freudiger

«Das Publikum ist mit uns alt geworden», sagen Philipp Wehrli und Philipp Hirschel 20 Jahre nach der ersten Party im Böröm pöm pöm.Emanuel Freudiger

Eigentlich suchten sie bloss einen Raum, um einen Billardtisch reinzustellen. Als sie den Raum hatten, fehlte es am günstigen Billardtisch. Also schleppten sie ein paar Sofas und eine Stereoanlage an und zimmerten eine Bar. Zu Silvester lud die junge Herrenrunde zur ersten grossen Party und unterzeichnete die Einladung aus einer Laune heraus statt mit «liebe Grüsse» oder Ähnlichem mit «Böröm pöm pöm, das Organisationskomitee».

Das war 1994. Heute feiert das «Böröm pöm pöm» im Oberentfelder Fabrikareal «alte Bürsti» den Auftakt zu seinem 20-Jahr-Jubiläums-Monat. Viel hat sich in diesen Jahren getan und eigentlich doch wieder nicht.

So sah das Böröm pöm pöm noch vor 20 Jahren aus.zvg

So sah das Böröm pöm pöm noch vor 20 Jahren aus.zvg

Und plötzlich klopfte die Polizei

«Eigentlich haben wir einfach einen Ort gesucht, an dem die Musik läuft, die uns passt, und wo es was zu trinken gibt und alles nicht viel kostet», sagt Philipp Wehrli, genannt «Flügi». Diesen Ort gab es, für läppische 36 Franken und 25 Rappen im Monat – den Mietanteil für jedes der zwölf Cliquenmitglieder. Mit ein paar Flaschen Bier und Rock aus den Boxen wurde die Fabrikhalle der Himmel auf Erden.

Und dann nahm die ganze Geschichte ihren Lauf: Man lud Kollegen ein, dann kamen die Kollegen der Kollegen und irgendwann standen wildfremde Leute vor der Tür und wollten auch ein Bier. Mal war offen, mal war zu, manchmal warteten die Leute schon vor der Tür, wenn jemand von der Clique eintraf. Und irgendwann klopfte die Polizei an. Die hatte ihre liebe Mühe damit, dass die Clique das Bier nicht einfach gratis verteilte, sondern dafür einen Batzen heuschte. «Uns war damals im jugendlichen Übermut nicht bewusst, dass wir damit den Schritt aus dem Privaten herausgemacht hatten», sagt Vereinspräsident Philipp Hirschel, Spitzname «Hirsch».

Die Clique musste über die Bücher. Aber der Fall war schnell klar. «Wir hatten das alles nicht geplant, aber es war gut. Und wir hatten schon zu grossen Erfolg, um es einfach aufzugeben», sagt Flügi. Also machten sie einfach weiter und kamen zwischenzeitlich gehörig auf die Welt. Zwar hatten sie auch schon am Jugendfest eine Bar geschmissen, aber richtig Ahnung vom Wirten oder vom Organisieren von Events hatte keiner von ihnen. Den ersten Partys folgten die ersten Live-Konzerte, das Programm wurde strukturiert und der Kulturverein Böröm pöm pöm gegründet, um dem Ganzen eine Rechtsform zu geben.

1997 übernahm sich der Verein, indem er in der Turnhalle ein Konzert mit der Lausanner Hip-Hop-Band Sens Unik organisierte. «Da haben wir viel gelernt», sagen Flügi und Hirsch noch heute und grinsen. Sie wurden nicht nur von den Sonderwünschen des Managements überrascht, das das Abendessen aus dem Restaurant bitteschön in die Turnhallengarderobe serviert bekommen wollte, sondern auch vom Fan-Ansturm: Denn statt der erwarteten 400 Leute kamen weit über 1000, gut 200 mussten heimgeschickt werden. Auf diese Menge waren die Jungs vom Böröm nicht vorbereitet. «Wir hatten Schwein, dass nichts passiert ist», sagt Flügi.

Existenzängste erlebte die Clique schliesslich 2010, als die Gemeinde das Fabrikareal an einen Investor verkaufen wollte. Das hätte das Aus für den Club bedeutet. Gemeinsam mit den anderen rund 50 Mietern gründete man aber eine Genossenschaft, die das Gebäude schliesslich im Baurecht für die Dauer von 30 Jahren übernahm.

Noch immer alles ehrenamtlich

Heute ist das «Böröm» eine der Schweizer Adressen für Rock- und Metal-Freunde. Jeden Donnerstag ist Barabend, am Freitag oder Samstag finden Konzerte oder Partys statt. Und noch immer stehen Leute von der Clique von damals an vorderster Front, noch immer arbeitet hier jeder ehrenamtlich. Mit den Eintrittsgeldern werden die Gagen der Bands bezahlt, mit den Einnahmen aus dem Barbetrieb die laufenden Kosten. «Würden wir gewinnorientiert arbeiten, wäre es nicht mehr das Gleiche», sagt Hirsch. «Hierher kommt man nicht zum Arbeiten oder Geldverdienen.»

Aber Hand aufs Herz: Ist nach 20 Jahren nicht die Luft draussen? Warum tut man sich das als 40-Jähriger noch jedes Wochenende an? «Das fragen wir uns manchmal auch», sagen die beiden wie aus einem Mund und lachen. «Aber dann läuft hier eine gute Session und du triffst all die Leute, und dann weisst du wieder warum», sagt Hirsch. Und Flügi meint: «Wir sind von Saison zu Saison weitergerutscht. Im Frühling ist man müde, dann kommt die Sommerpause und im Herbst geht es jedes Mal mit frischem Elan weiter.»

Heute startet der Jubiläumsmonat mit einem vollen Konzertprogramm:

1.11. Bluesaholics; 7.11. Treekillaz;
8.11. Sexy und Gloria Volt; 14.11. Back to the Roots, die grosse Geburtstagsparty

15.11. Bill Bounz Deluxe; 21.11. Madball

22.11. Stiller Has; 29.11. Rams und Tortilla Flat.

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