Wildes Parkieren, Lärm, Abfall und Dreck am Aareufer: Klagen über Missstände häufen sich, wenn längere Schönwetterperioden Freizeitgäste aus dem Niederamt selber, aber auch aus der aargauischen Nachbarschaft in grosser Zahl ans Wasser locken. Im Sommer treffen arglose Spaziergänger da und dort auf Blüttler. Auch die Sicherheit ist ein Thema: Campieren und Übernachten allzu nahe am Fluss, besonders auf den Inseln, ist bei steigendem Wasserstand lebensgefährlich. Letztes Jahr fand die Solothurner Kantonspolizei auf Erlinsbacher Boden sogar ein Zelt, das bei hohem Wasserstand hart an der zügig vorbeifliessenden Aare platziert worden war.

Solche Probleme kennen alle Niederämter Aaregemeinden von Winznau bis Erlinsbach. Darum suchen sie gemeinsam nach Lösungen. 2016 hat die Gemeindepräsidentenkonferenz Niederamt (GPN) eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der betroffenen Gemeinden eingesetzt. Erstes Ergebnis: Anfang Juli wurden unter dem Label «Öisi Aare/Solothurner Niederamt» Sofortmassnahmen ergriffen.

Hohe Hürden waren vorgesehen

Darüber hinaus machte die Arbeitsgruppe einen Vorschlag für ein gemeinsames «Reglement über das Campieren und die Durchführung von Anlässen im Uferbereich der Aare im Niederamt». Ein Entwurf liegt seit letztem Herbst vor. Er sieht vor, dass für das Campieren – auch für das blosse Aufstellen von Zelten – und für die Durchführung von Anlässen mit mehr als 30 Teilnehmern eine Bewilligung der zuständigen Gemeinde einzuholen ist.

Die Voraussetzungen dafür wären hoch: Ein Abfall-, Bodenschutz-, Beschallungs- und Jugendschutzkonzept müsste her, ein Sicherheitskonzept, der Nachweis sanitärer Anlagen und ein Verkehrskonzept, ferner eine Haftpflichtversicherung. Grossanlässe ab 100 Personen wären grundsätzlich nicht erlaubt. Und: «Die Überwachung des Campingwesens obliegt dem Gemeinderat.»

Front bröckelt

Jetzt zeichnet sich ab, dass die Gemeinden davor zurückschrecken, das Freiluft-Treiben im Aareraum stärker zu reglementieren. Als erster hat der Gemeinderat von Däniken Anfang Dezember den Verzicht auf das gemeinsame Reglement beschlossen. «Die Gemeinde könnte die Einhaltung der Vorschriften kaum überwachen», sagt Gemeindepräsident Gery Meier. «Die Leute kennen das Reglement ja nicht und würden uns nicht zuerst fragen, wenn sie an die Aare gehen wollen.» Der Däniker Gemeinderat vertrete die Meinung, es müsse nicht alles reglementiert werden. Gleich hat im Januar der Gemeinderat von Niedergösgen entschieden.

Was die Nutzer des Aareraums aus der Aargauer Nachbarschaft besonders interessiert: Diese Woche hat auch in Erlinsbach SO der Gemeinderat das Reglement abgelehnt: «Eine unnötige Regulierung, wer soll die Einhaltung prüfen?», fasste Gemeindepräsident Markus von Arx die Haltung seiner Ratskollegen zusammen.

Auf Erlinsbacher Boden befindet sich das Haupttummelfeld der Nutzer der Flusslandschaft aus dem Raum Aarau – mit vielen schönen Plätzen am Ufer, den Sandbänken unterhalb des Schönenwerder Wehrs sowie dem Blüttler-Eldorado im Wald- und Kiesgebiet zwischen dem Hauptlauf der Aare und dem alten Seitenarm, der im Zuge der Uferschutzmassnahmen des Kantons Solothurn 2015/2016 reaktiviert wurde.

"Nichts tun ist gefährlich"

Erstaunt über das negative Echo zeigt sich Daniel Gubler, Gemeindepräsident von Winznau. In der Arbeitsgruppe, in der alle Anrainergemeinden vertreten waren, habe es keine Opposition gegen das Reglement gegeben. «Das Ziel war eine flächendeckende Regelung, damit auch für die Polizei überall klar ist, was gilt», erklär Gubler. Ihm gehe es vor allem um die Sicherheit und um die Auswirkungen des tage- oder wochenlangen Zeltens an der Aare. «Ohne Reglement können wir diese Situation nicht verbessern», meint Gubler. Und: «Nichts tun ist gefährlich.» – Im unteren linksufrigen Niederamt setzt man nun aber, wie bisher, auf liberale Ansätze und damit auf die Eigenverantwortlichkeit.