Aarau
Biologen suchen im Auenschutzpark nach der Maus im Heuhaufen

Der Bachverein sucht im Auenschutzpark die Wasserspitzmaus, das «Tier des Jahres». Laut Biologen hat der Aargauer Park grosses Potenzial als Lebensraum der Wasserspitzmaus.

Deborah Onnis
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Über die Verbreitung uns Lebensweise der Wasserspitzmaus ist in der Schweiz wenig bekannt.

Über die Verbreitung uns Lebensweise der Wasserspitzmaus ist in der Schweiz wenig bekannt.

Kathi Märki / swild.ch.

Sie ist klein, gefährdet und wurde dieses Jahr von Pro Natura zum Tier des Jahres ernannt: die Wasserspitzmaus. Aber gibt es sie im Gebiet Aarau-Wildegg des Auenschutzparks?

Laut Biologen der unabhängigen Forschungs- und Beratungsgemeinschaft Swild hat der Auenschutzpark des Kantons Aargaus grosses Potenzial als Lebensraum der Wasserspitzmaus. Aus diesem Grund führten sie ihr Pilotprojekt Ende September sechs Wochen dort durch. Für die zeitintensive Feldarbeit waren sie angewiesen auf ehrenamtliche Mitarbeiter. In diesem Fall vom Aarauer Bachverein.

Entlang des Suhreufers, des Aareufers auf der Zurlindeninsel, am Sengelbach und Frey-Kanal und bei den Giessen platzierten der Teamleiter des Aarauer Bachvereins, Peter Jean-Richard, und sieben andere Freiwilligen sowie ein Biologe an jedem Bachabschnitt zehn zirka 20 Zentimeter lange Plastikröhren im potenziellen Wasserspitzmauslebensraum und versahen sie mit einem Köder.

Da Spitzmäuse allgemein neugierig sind und die Kotröhren einen attraktiven Ruheplatz bieten, würden die Wasserspitzmäuse diese aufsuchen. Wegen ihres hohen Stoffwechsels geben sie in kurzen Abständen Kot ab. Die Wahrscheinlichkeit ist somit hoch, dass man in der Röhre Kotreste findet.

Genau diese, beziehungsweise die am Kot haftenden Darmzellen, benötigen die Biologen, um festzustellen, ob eine Wasserspitzmaus da war. Dazu wurde in den Röhren eine Rolle mit doppelseitigem Klebeband angebracht, damit auch Haare der Maus haften bleiben. Etwa einmal in der Woche wurden die Röhren kontrolliert.

Keine Lebendfallen eingesetzt

Die Kotröhren entwickelte Peter Jean-Richard zusammen mit einem Biologen der Swild. Laut Jean-Richard hätte das Projekt ohne die – auch finanzielle– Unterstützung des Bachvereins nicht realisiert werden können. «Das ist eigentlich schade, dass die Idee nur so durchgeführt werden konnte.»

Ursprünglich schlug die Swild auch Lebendfallen vor. «Das wollten wir aber nicht», sagt er. Zu heikel seien die Fallen, bei denen das Tier gefangen bleibt. «Die Tiere sterben dann oft durch die Aufregung.»

Die ganze Feldarbeit war herausfordernd, erzählt Jean-Richard. Einmal trat die Suhre über und spülte gleich ein paar Fallen mit. Ein anderes Mal gab es Probleme mit dem Klebstoff in der Röhre. «Rote Ameisen hatten den Klebestoff wohl gerne.»

Wasserspitzmaus: So klein wie ein Finger

Die Wasserspitzmaus (Neomys fodiens) ist ohne Schwanz sechs bis zehn Zentimeter lang und wiegt 10 bis 20 Gramm. Sie lebt an Bächen, Flussläufen und Teichen mit
unverbauten und bewachsenen Ufern. Während ihres Lebensjahrs zieht das Weibchen in zwei bis drei Würfen etwa 15 Junge auf. Bei ihrer Nahrungsjagd nach Bachflohkrebsen, Wasserasseln und Köcherfliegenlarven macht sie kurze Tauchgänge ins Wasser. Ergänzend frisst sie auch Landinsekten, Spinnen und Schnecken.

Die Röhren waren auf einmal voll mit den Insekten. Einige der Röhren gingen trotz Fixieren mit Stöckchen verloren. «Wahrscheinlich hat ein anderes Tier daran geschnüffelt und die Fixierung gelöst. «Da konnten die Röhren auch schnell ins Wasser rollen.» Deshalb mussten einige Röhren ersetzt werden.

«Das nagt an der Motivation»

Dazu kam, dass sich die Funde in den Röhren sehr in Grenzen hielten. «Das nagt halt schon an der Motivation.» Deshalb bat der Teamleiter seine Helfer, keine zu hohen Erwartungen zu haben. «Ich sagte ihnen gleich: Seid nicht enttäuscht, wenn wir keine Spuren finden.» Es gehe auch darum, die Erhebungsmethode zu testen.

Schliesslich fand das Team insgesamt fünf mögliche Kotproben und zwei Haarproben. «Wir wissen aber noch nicht, ob diese wirklich von einer Wasserspitzmaus sind oder von einem anderen Tier.»

Peter Jean-Richard zeigt sich pessimistisch: Würden Wasserspitzmäuse wirklich hier leben, hätten sie in diesen Wochen viel mehr Spuren hinterlassen müssen. «Ich bin ja auch oft in diesem Gebiet unterwegs, ich glaube, ich hätte sie schon einmal antreffen sollen.» Habe er aber nicht. Die Ergebnisse der Erhebung erwartet er auf Ende Jahr.

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