Aarau
Beim Grafen in Aarau wurde ein kleiner Silberschatz gefunden

Eine Altliegenschaft wird zum B&B umgebaut – dabei kam ein französischer Silberecu ans Tageslicht. Die Münze klemmte in einem Holzstamm und hatte damals einen enormen Wert: Rund eine Woche konnte man dafür in einem Gasthof übernachten.

Barbara Vogt
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Alte Münze bei Sanierung entdeckt
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Der Silberecu stammt aus dem Jahre 1727.
Während der Sanierung des Hauses an der Pelzgasse 29 in Aarau kam die Münze zum Vorschein.

Alte Münze bei Sanierung entdeckt

Chris Iseli

Bauschutt wirbelt auf, während die Besucher durch einen Raum im Altstadthaus an der Pelzgasse schlendern. Kürzlich sah ein Handwerker zwischen all dem Beton, den Backsteinen und Mörtelresten etwas aufblitzen und schaute genauer hin. Es war eine Silbermünze, die er wenig später den Hausbesitzern Tobias und Cécile Graf aus Thalheim in die Hände drückte.

Das Ehepaar lässt die Liegenschaft zu einem Bed and Breakfast umbauen. Deshalb wird das Haus momentan von Kopf bis Fuss, das heisst vom Erd- bis Obergeschoss umgebaut.

Während die Arbeiter eine neue Treppe einbauten, mussten alte Holzbalken abgetrennt werden. Dabei kam die Münze zum Vorschein. Tobias Graf vermutet: «Sie klemmte wohl in einer Balkenritze und fiel zu Boden.»

Eine Woche in der Schenke

Die Silbermünze ist ein Fundstück aus dem Jahre 1727. Was den damaligen Besitzer wohl bewogen hatte, diese in den Balken das Hauses mitten in der Altstadt zu stecken oder gar zu verstecken? Dies bleibt der Nachwelt für immer ein Geheimnis.

Ein kleiner Teil des Rätsels hat Tobias Graf jedoch auf eigene Faust gelöst, indem er im Internet recherchierte: Das Silberstück ist ein französischer Silberecu, das damalige Zahlungsmittel in Aarau. «Ein Gast hätte sich damit etwa einen einwöchigen Aufenthalt mit Mahlzeiten in einer Schenke leisten können.»

Der Silberecu stammt aus dem Jahre 1727.

Der Silberecu stammt aus dem Jahre 1727.

Chris Iseli

Für Graf ein schöner Gedanke, kann man sich bei ihm künftig auch als Gast niederlassen. Nur mit dem Unterschied, dass die B&B-Betreiber keine Silberecus mehr entgegennehmen werden und der Gast mit dieser Münze nicht mehr weit käme.

Der gefundene Silberecu bleibt dem Haus erhalten: Er wird im Schaufenster des Bed & Breakfast ausgestellt. Allerdings gehört das Silberstück – mit dem Kopf des Königs Louis XV. und einem lateinischen Spruch geprägt – jetzt der Kantonsarchäologie.

Sie sammelt Bauteile oder eben auch Artikel wie Silbermünzen. Solche Fundstücke würden Hinweise auf die frühere Lebens- oder Bauweise liefern, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Cecilie Gut. «Sie haben für uns kulturellen und wissenschaftlichen Wert.»

Balken von 1324

Wäre das Archiv der Kantonsarchäologie unbeschränkt gross, wäre der französische Silberecu vielleicht in den Tiefen ihres Archivs entschwunden. So aber findet die Münze ein Ehrenplätzchen im B&B «zum graf». Dafür mussten die Grafs einen Dauerleihvertrag mit der Kantonsarchäologie abschliessen.

Die Haussanierung in der Pelzgasse ist für die Kantonsarchäologie nicht nur silber-, sondern auch goldwert: Sie führte bauarchäologische Untersuchungen durch, die Alter und Bauweise der Gemäuer aufzeigen. Letzteres verschaffe der Kantonsarchäologie Einblicke in die Frühgeschichte, sagt Cecilie Gut.

Während der Sanierung des Hauses an der Pelzgasse 29 in Aarau kam die Münze zum Vorschein.

Während der Sanierung des Hauses an der Pelzgasse 29 in Aarau kam die Münze zum Vorschein.

Chris Iseli

«Details wie die Beschaffenheit eines Mauerwerks helfen uns, die städtebauliche Entwicklung in Aarau seit dem 14. Jahrhundert zu verstehen.» Das Haus habe einen spätmittelalterlichen Kernbau, der in den folgenden Jahrhunderten immer wieder vergrössert wurde, so Gut.

Die Datierung der Holzbalken im Erdgeschoss anhand der Jahrringe zeige, dass die Bäume für den Hausbau um 1324 gefällt wurden. Tobias und Cécile Graf werden diese alten Balken erhalten und sichtbar einbauen.

Dachgiebel wird bemalt

Weil das Gebäude sowieso schon eingerüstet ist, wird das Ehepaar Graf den Dachgiebel mit einem Dachhimmel, einer in Aarau traditionellen Bemalung, verschönern. Darin werden verspielte Muster und Kringel vorkommen, die wunderbar zum neuen Aushängeschild des Bed and Breakfast passen: Das schwere schmiedeiserne Schild, das dereinst am Haus hängen wird, ist mit einer geschwungenen Krone versehen.

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