Aarau
Bau der Alten Reithalle blockiert – Eröffnungstermin in Gefahr

Eine Submissionsbeschwerde verursacht in Aarau überraschend Verzögerungen. Es wird schwierig, das Kulturhaus wie geplant im Oktober 2020 in Betrieb zu nehmen.

Urs Helbling
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Nach den Politikern kamen keine Bauarbeiter: Offizieller Spatenstich für den Reithalle-Umbau am 25. Juni.

Nach den Politikern kamen keine Bauarbeiter: Offizieller Spatenstich für den Reithalle-Umbau am 25. Juni.

Urs Helbling

Wenn endlich eine rechtsgültige Baubewilligung vorliegt, ist der Weg frei für die Realisierung eines Projektes. Das war in der Vergangenheit so. Jetzt erweisen sich bei öffentlichen Bauten in zunehmendem Ausmass nachgelagerte Submissionsbeschwerden als zusätzliches Hindernis. Ganz speziell in Zeiten mit sich abkühlender Baukonjunktur wird mit Haken und Ösen um jeden Auftrag gekämpft. Das erlebt aktuell die Stadt Aarau: Der Beginn der 20,45 Millionen Franken teuren Totalsanierung der Alten Reithalle ist durch eine Subventionsbeschwerde blockiert, die Inbetriebnahme des neuen kantonalen Kulturhauses am 10. Oktober 2020 gefährdet, wenn nicht sogar bereits unmöglich.

Vor einem Monat war der Stadtrat voller Optimismus

Vor einem Monat, am 25. Juni, schien die Welt noch in Ordnung. Mit dem offiziellen Spatenstich wurde der Start des Reithalle-Umbaus gefeiert (AZ vom 26. 6.). Doch seither ist dort nichts mehr passiert, das Areal in Tiefschlaf verfallen, kein Bauarbeiter aufgetaucht. Am Spatenstich war zwar kurz darauf hingewiesen worden, dass es im Bereich der Baumeisterarbeiten eine Beschwerde gebe. Doch diese sei aus Sicht der Baudelegation aussichtslos. «Wir gehen davon aus, dass sie keine aufschiebende Wirkung bekommt», erklärte Stadtrat Daniel Siegenthaler damals.

Die Baumeisterarbeiten machen einen guten Drittel der Gesamtsumme aus. Sie sind an die Firma Erne (Laufenburg) vergeben worden (AZ vom 15. 6.). Doch damit ist ein Konkurrent, der aus seiner Sicht eine günstigere Offerte eingereicht hat, gar nicht einverstanden. Mittels einer Beschwerde hofft er, doch noch zum Zug zu kommen. Bemerkenswert daran ist, dass es sich um eines der grössten Bauunternehmen der Schweiz (ein ausserkantonales) handelt.

Die Gerichtsferien wirken zeitverzögernd

Weil ein Monat nach dem Spatenstich bei der Alten Reithalle noch nichts läuft, ist offensichtlich, dass es ein Problem gibt. Das wird auf Anfrage von der Stadt bestätigt. «Im laufenden Submissionsbeschwerdeverfahren hat das Verwaltungsgericht das Gesuch des Beschwerdeführers um Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde gutgeheissen», erklärt Vize-Stadtschreiber Stefan Berner. Für die Replik auf die Beschwerdeantwort der Stadt sei dem Beschwerdeführer eine kurze Frist gewährt worden.

Ob das allerdings etwas nützt, ist wegen der Gerichtsferien (bis Mitte August) fraglich. «Über den weiteren zeitlichen Verlauf der Submissionsbeschwerde können wir – insbesondere auch aufgrund der Sommerferien – keine Angaben machen», sagt Berner. Der Beschwerdeführer könnte einen allenfalls negativen Entscheid des Verwaltungsgerichts anfechten, Fristen müssen abgewartet werden. All das wirkt zeitverzögernd. Darum sagt Berner vorsichtig: «Es ist heute nicht möglich zu beurteilen, ob die in Aussicht gestellte Inbetriebnahme im Oktober 2020 gefährdet ist.»

Die Schattenseite des Vergabeerfolgs

Die Freude darüber, dass bei der Alten Reithalle das Einspracheverfahren zeitgerecht hatte beendet werden können, ist verflogen. Ebenso die Freude darüber, dass die ersten Aufträge unter Budget hatten vergeben werden können. Der Vergabeerfolg hat seinen Preis, der starke Konkurrenzkampf wirkt projektverzögernd.