Aarau
Bari: «Ich habe fünf Dirigenten erlebt»

Rolf Häusler musiziert seit 60 Jahren bei der Stadtmusik – diese wird 160 Jahre alt. Rolf Häusler (75), «Bari» bläst nicht nur den Marsch. Er engagiert sich auch, damit die Geschichte des 160 Jahre alten Vereins nicht in Vergessenheit gerät.

Rolf Strebel*
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Rolf Häusler «Bari» bläst mit seinem Baritonsax den Marsch. zvg

Rolf Häusler «Bari» bläst mit seinem Baritonsax den Marsch. zvg

Bruno Kuhn

Herr Häusler, wie begann Ihre Karriere bei der Stadtmusik Aarau?

Rolf Häusler: Nach Abschluss der KV-Lehre trat ich der Stadtmusik bei. Im damaligen «Herrenverein» musste man(n) sich erst über einen gewissen Zeitraum beweisen. Die Verantwortlichen waren jedoch nach kurzer Zeit von meinem Können überzeugt und ich wurde an einer ausserordentlichen Versammlung definitiv aufgenommen. Wenig später folgte bereits der erste grosse Auftritt. Wir nahmen in der Höchstklasse «Blech» am «Eidgenössischen» 1957 in Zürich teil. Ich weiss noch, dass wir «Gyges und sein Ring» aufführten.

Was hat sich in der Stadtmusik seither am stärksten verändert?

Als Jüngling musizierte ich neben dem Herrn Prokuristen oder dem Herrn Baumeister. Heute sind Beruf und Titel Nebensache, das Du selbstverständlich. Geprobt wurde früher das ganze Jahr über zweimal pro Woche. Mit den Anlässen zusammen ergab das weit über 100 Zusammenkünfte pro Jahr. Ich habe oft null Absenzen gehabt und dafür eine Auszeichnung erhalten. Bis heute bin ich stolz darauf, Stadtmusikant zu sein.

Das Baritonsaxofon hat Ihnen zum Übernamen «Bari» verholfen. Spielen Sie noch andere Instrumente?

Meine ersten musikalischen Erfahrungen machte ich am Klavier. In der Kadettenmusik begann meine Blasmusik-Karriere mit dem Tenorhorn. In der Stadtmusik wechselte ich für kurze Zeit auf die Metallklarinette, spielte auch Waldhorn und zeitweise bei der Marschmusik Lyra (Glockenspiel). Im Zuge der Umstellung auf Harmonieformation (Blasmusik mit Holzblasinstrumenten) lernte ich bei Mario Gerodetti und Pepe Lienhard Tenorsax blasen, später konnte ich auf das Baritonsax zu wechseln.

Das Baritonsax ist gross, schwer und braucht viel Luft. Haben Sie mit 75 Jahren noch genug Puste?

Das Baritonsax lässt sich dank «Gschtältli» auch bei der Marschmusik bequem tragen. Mit einer guten Blastechnik lassen sich zudem die Kräfte gut einteilen.

Was für Musik mögen Sie speziell?

In der klassischen Literatur sind es «Tannhäuser» und «1812», in der Unterhaltungsmusik schwärme ich für die «Moonligth Serenade» von Glenn Miller. Leider hatten wir diese noch nie im Programm. Ich mag aber Musik allgemein und «querbeet».

Ist Ihnen nach so vielen Jahren die Stadtmusik noch nie verleidet?

Nein! Es ist ein lebhafter Verein, in dem es nie langweilig wird. Ich habe acht Präsidenten und fünf Dirigenten erlebt, vier verschiedene Uniformen getragen und war auch in der Administration als Aktuar, Passivmitgliederkassier (über 500 Mitglieder) und Mitglied des Fasnachtskomitees aktiv. Seit 20 Jahren bin ich Chronist der Stadtmusik. Ich habe mit diesem Verein viel Unvergessliches erlebt.

Was bringt die Zukunft?

Ich freue mich auf das bevorstehende Galakonzert und natürlich auf die CISM-Medaille. Das ist die Auszeichnung für 60 Jahre aktives Musizieren in einer Blasmusik. Ich darf sie im Juni am Kantonalen Musikfest in Aarburg in Empfang nehmen. Das erleben zu dürfen erachte ich als einen schönen persönlichen Erfolg.

* Autor Rolf Strebel ist Tambour bei der Stadtmusik Aarau.