Aarau
Ausstellung im Stadtmuseum gewährt dem Thema «Flucht» Gastrecht

Im Stadtmuseum soll eine Wanderausstellung die emotionsgeladene Thematik «Flucht» auf die Faktenebene bringen. Die Stärke der Ausstellung sei laut der Leiterin des Stadtmuseums, Kaba Rössler, die saubere Trennung zwischen Fakten und Emotionen.

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Kaba Rössler: «Saubere Trennung zwischen Fakten und Emotionen.»Chris Iseli

Kaba Rössler: «Saubere Trennung zwischen Fakten und Emotionen.»Chris Iseli

Chris Iseli

Zuerst war sie im Landesmuseum zu sehen. Gleich nach Zürich ist aber schon die Aargauer Kantonshauptstadt an der Reihe: Die Ausstellung «Flucht» macht im Aarauer Stadtmuseum Station – ab der heutigen Vernissage bis zum 17. September. Ein relativ langer Aufenthalt für eine Wechselausstellung, liess Kaba Rössler, Leiterin des Stadtmuseums, gestern bei der Medienkonferenz durchblicken.

Die Ausstellung beleuchtet das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln und nimmt die Besucher anhand fiktiver, aber typischer Biografien mit auf den steinigen Weg von Flüchtlingen und Flüchtlingsfamilien. «Flucht» ist ein Gemeinschaftsprojekt der Eidgenössischen Migrationskommission EKM, des Staatssekretariats für Migration SEM, des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen UNHCR sowie der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit Deza.

Im Stadtmuseum wird nicht nur die komplette Ausstellung gezeigt – ab 18. Mai wird diese ergänzt mit zehn individuellen Fluchtgeschichten von Menschen, die sich derzeit in Aarau aufhalten. Alles unter der Affiche «10 x angekommen» – dies, laut Kaba Rössler, in Anlehnung an die Dauerausstellung mit dem Titel «100 x Aarau». Dazu kommen diverse Veranstaltungen und ein Schulprogramm. «Wir wollen bewusst Schulen ansprechen und ihnen auch Material mitgeben. Ziel sei es, «das emotionsgeladene Thema auf die Faktenebene zu bringen». Es sei eine Stärke der Ausstellung, so Rössler, weiter, dass sie sauber zwischen Fakten und Emotionen trenne.

Das Museum als Ort der Entschleunigung sei nicht der Ort, wo man ein so aktuelles Thema erwarte, sagte Rössler. Wie sich Entschleunigung und Aktualität verbinden lassen, zeigt der Einstieg in die Ausstellung – ein emotionaler Einstieg, notabene: Während 15 Minuten gleiten Filmaufnahmen des vor Jahren aus Syrien geflohenen Kurden Mano Khalil über die drei Projektionsflächen. In dieser Zeit kommt man zur Ruhe, während die Beunruhigung wächst. Die Bilder zeigen Aleppo, am Anfang eine bunte, lebendige Stadt, dann wird alles grau: Strassenschlachten, Rauchwolken, die aus zerbombten Quartieren aufsteigen, Menschenmassen sind auf der Flucht. Aufnahmen, welche Kollegen Mano Khalil zukommen liessen. So weit, sagt im Film ein Mann, sei es gekommen wegen der Sehnsucht nach Freiheit. «Diese Freiheit hat uns entzweit.»

In der Ausstellung können die Besucher die Stationen einer Flucht kennenlernen. Sie erfahren, wer in der Schweiz Schutz erhält und wer nicht. Und dass es nur etwa sechs Prozent aller Vertriebenen über ihr Heimatland und die umliegenden Staaten hinaus schaffen.(uw)

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