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Auch die Hitze hält diese Männer nicht davon ab, Pétanque zu spielen

Jeden Montag treffen sich ehemalige Tennisspieler des Tennisclubs Aarau zum gemütlichen Pétanquespiel. Bei jedem Wetter – nur wenn es schneit, spielen sie nicht.

Janine Gloor
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Es ist brütend heiss, die Tennisplätze des Tennisclubs Aarau liegen verlassen da. Doch auf dem Sandplatz vor dem Klubhäuschen tut sich etwas. Nach und nach treffen fünf ältere Männer ein.

Jeden Montag, also auch heute, treffen sie sich hier, um Pétanque zu spielen. Sie kommen mit Strohhüten und Kugeletuis, von der Hitze lassen sie sich nicht abhalten. «Wir spielen bei jedem Wetter, auch im Winter, solange es keinen Schnee hat», sagt Ingo Sulek.

Sulek war 50 Jahre lang im Tennisclub, wo er auch als Trainer aktiv war. Die Pétanquerunde hat er vor gut 20 Jahren ins Leben gerufen. Einige seiner Mitspieler haben früher ebenfalls Tennis gespielt, andere kommen vom Golf, auch mit Curling kennen sich einige aus.

Auf der Schützenmatte rollen die Kugeln

Auch in Lenzburg frönen passionierte Spieler dem Pétanque, Austragungsort ist die Schützenmatte. Die ausschliesslich männlichen Mitglieder des Pétanque Club Lenzburg und Umgebung schieben einmal pro Woche eine «ruhige» Kugel. Der Zusammenhalt im Club ist wichtig, zum Trainingslager fahren die Spieler gern zusammen ins Ausland, nach Frankreich oder Deutschland. Die Turner des Satus trainieren an einem Abend in der Woche in ihrer eigenen Anlage unter den Bäumen.

Vier Spieler braucht es, damit es ein interessantes Spiel gibt, erklärt Sulek. Jetzt sind fünf hier, es wird zwei gegen drei gespielt, jedes Team hat sechs Kugeln. Der Hund eines Spielers hat sich der Länge nach auf einen Sandhaufen im Schatten gelegt und muss ab und zu auf Lebenszeichen überprüft werden.

«Wir spielen um die Ehre»

Nachdem alle ihre Kugeln ausgepackt haben, geht es los. Als erstes wird die Zielkugel geworfen, diese heisst Cochonnet, die Männer nennen sie Cochonnettli. Die Reihenfolge der Spieler wird durch die Regeln klar bestimmt. Das Team, dessen Kugeln am weitesten vom Cochonnettli entfernt sind, ist solange dran, bis ein besserer Wurf gelingt, oder bis die Kugeln ausgehen.

Die Sonne brennt, die Männer schwitzen. Gemächlichen Schrittes bewegen sie sich über das Feld, um die Lage der Kugeln aus der Nähe zu überprüfen. Einer holt sich ein kühles Bier. Streit um den Abstand einer Kugel gibt es nie, wenn die Differenz nicht von Auge bestimmt werden kann, kommt das Messband zum Einsatz. «Wir sind zum Spass hier, uns geht es nicht um den Wettkampf. Wir spielen um die Ehre», sagt Sulek.

Die Männer bilden keinen Verein, es ist eine lose Gruppe, die gern zusammen Pétanque spielt. Es gehe auch nicht darum, zusammen an der Technik zu feilen. Jeder solle so spielen, wie er es für richtig halte. «Ich wott de Frede», fügt Sulek hinzu.

Auf dem Sandplatz merkt man, dass die Männer viel zusammen spielen. Jeder Wurf wird kommentiert, Lob und auch ein bisschen Spott kommen nicht zu kurz. «Schlecht!», ruft einer, als eine Kugel das Cochonnettli um etwa einen Meter verfehlt. Die nächste Kugel ist ein bisschen näher dran. «Weniger schlecht!», lautet das Urteil. Aber meistens verfehlen die Kugeln ihr Ziel nur um wenige Zentimeter oder landen wunschgenau. Doch bis zum letzten Spielzug kann sich alles noch ändern. Ein Spieler scheint sich auf kraftvolle Würfe spezialisiert zu haben. Seine Kugeln schnellen über das Spielfeld und können die Konstellation entscheidend verändern.

Frauen fehlen in der Pétanquegruppe, das würden die Spieler gern ändern. «Ich habe schon oft Frauen angefragt, sie sagen jeweils zu, kommen dann aber doch nicht», meint Sulek. Auch die Zuschauer, die sich regelmässig zu den Spielenden gesellen, sind Männer. Bis sich doch mal eine Frau getraut, bleiben die Männer unter sich.