OL-Weltcup in Aarau
Ast im Oberschenkel: Läufer Daniel Hubmann wurde von Anwohnern gerettet

Nach der Ast-Verletzung wurde Läufer Daniel Hubmann von Anwohnern gerettet. Doch auch ohne diesen Zwischenfall hätte es am Weltcup-Event genug Spannung gegeben: Selbst nach der Hälfte blieb lange ungewiss, wer das Rennen machen würde.

Deborah Onnis
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Schweizer Martin Hubmann.
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Aarau Orientierungslauf OL 2016
Schweizer Florian Howald.
Schweizerin Judith Wyder.
Jubel für Judith Wyder.
Bundespräsident Johann Schneider-Ammann bei der Rangverkündigung.
Die Gewinner des Worldcups: Schwedin Tove Alexandersson und Schweizer Matthias Kyburz.

Schweizer Martin Hubmann.

Keystone

Wenn Brigitte Grüniger Huber, OK-Präsidentin des OL-Weltcups 2016, etwas Negatives an der Veranstaltung nennen muss, dann ist es die Verletzung von Läufer Daniel Hubmann. Am Samstag bei der Königsdisziplin Langdistanz bohrte sich kurz nach dem Start ein Ast durch Hubmanns Oberschenkel. Sein Trainer merkte, dass etwas nicht stimmte, als sich der GPS-Punkt von Hubmann auf der Karte lange nicht bewegte. Auf einmal begann der Punkt aus dem Wald Richtung Gretzenbach zu wandern. Als Hubmann ins Dorf kam, ging er zufällig an einem Haus vorbei, in dem eine OL-Läufer-Familie wohnt, die den Lauf online gerade mitverfolgte. Als der eine Punkt vor ihrem Haus stand, zögerten sie nicht, dem Verletzten Hilfe anzubieten und fuhren ihn gleich mit dem Auto nach Aarau. Glück im Unglück also.

Top-Stimmung und Spannung

Auch ohne den Zwischenfall mit Hubmann hätte es am Weltcup-Event generell Spannung zu genüge gegeben. «Es war bei jedem Lauf auch nach der Hälfte nie klar, wer das Rennen machen würde», sagt Brigitte Grüniger, die am Telefon mehr als zufrieden und strahlend klingt, obwohl sie immer noch Material vom Grossevent wegräumen muss. «Ich denke, wir haben die Erwartungen der Zuschauer erfüllt – besonders was die gute Stimmung betrifft.» Das habe man zum Beispiel am Zuschauerzulauf in den Zielarenen gesehen, die auch am Freitag bei schlechtem Wetter voll gewesen seien. Auf einer Grossleinwand konnte man dort den ganzen Lauf mitverfolgen. Viele schauten den Läufern aber auch entlang der ganzen Strecke zu. Ein besonders beliebter Zuschauerort: Vor der Stadtkirche, wo die Läufer die steile Treppe hinaufrannten.

Laut Grüniger ist Aarau wegen ihrer ringförmigen Architektur spannend und sehr attraktiv für Orientierungsläufe. «Immer wieder gibt es Durchgänge, die man nicht erwartet.»
Stargast war am Grossevent sicher Bundespräsident Johann Schneider-Ammann. Als ehemaliger OL-Läufer liegt ihm diese Sportart besonders am Herzen. «Als wir ihn Anfang Jahr anfragten, sagte er gleich zu», verrät Brigitte Grüniger. Bereits im Sommer eröffnete er die OL-Junioren-WM in Scuol. In Aarau verfolgte Schneider-Ammann am Sonntag den Männerlauf im VIP-Bereich mit und war auch bei der Preisverleihung dabei.

Hilfe von Stadt und Kanton

Unterstützt wurde der Grossanlass von den städtischen Behörden. «Die Stadt Aarau war ein super Partner», schwärmt Brigitte Grüniger. «Man merkte, dass die Abläufe sehr eingespielt sind.» Für den Event sperrte die Polizei die Kantonsstrasse und den Aargauerplatz. «Und das ist absolut nicht selbstverständlich.» Die Stadt übernahm mit dem Werkhof auch die Abfallbewirtschaftung. Neben der Sachhilfe steuerte die Stadt laut Grüniger auch einen fünfstelligen Betrag an den Event bei. Dazu kam «ein sehr grosszügiger Betrag» aus dem kantonalen Sportfond.

Nächstes Jahr in Grindelwald

Was würde Grüniger nächstes Mal bei der Organisation anders machen? Die genaue Auswertung der Eventleistungen wurde zwar noch nicht gemacht, laut Grüniger werde man aber bei der Organisation wohl nicht viel ändern müssen. «Der Auftritt nach aussen ist uns gemäss den ersten Feedbacks sehr gut gelungen.»

Da nächstes Jahr der Weltcup in Grindelwand stattfindet, wird das Programm etwas anders sein. Da sich die Sprintdisziplin in der Waldregion nicht gut eignet, wird es laut Grüniger eine Mittel-, eine Langdistanz und eine Sprintstaffel geben.