Aarau
Wiedersehensfreude bei Gastronomen — Mahnfeuer mit Lagerfeuerstimmung

Am Dienstagnachmittag kamen vor der katholischen Kirche in Aarau Gastronomen aus dem ganzen Kanton zusammen. Eingeladen hatten Gastroseelsorgerin Corinne Dobler und Zirkuspfarrer Adrian Bolzern.

Katja Schlegel
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Gastroseelsorgerin Corinne Dobler und Zirkuspfarrer Adrian Bolzern im Gespräch mit Heiner Kuster (im grünen Shirt), Gastgeber im Hotel Restaurant Stalden in Berikon.

Gastroseelsorgerin Corinne Dobler und Zirkuspfarrer Adrian Bolzern im Gespräch mit Heiner Kuster (im grünen Shirt), Gastgeber im Hotel Restaurant Stalden in Berikon.

Katja Schlegel / Aargauer Zeitung

Mitten auf dem Platz züngelt das Feuer in seiner Schale, vom Kasernenareal her schwappt das Trommeln der Tambouren über die Strasse. Das hat etwas Kämpferisches, Entschlossenes an sich.

Genau das Richtige für dieses ökumenische Mahnfeuer, zu dem Gastroseelsorgerin Corinne Dobler aus Bremgarten und Zirkuspfarrer Adrian Bolzern aus Aarau die Aargauer Gastronomen am Dienstagnachmittag geladen haben. Ein Feuer zum Ermahnen, zum Gedenken, zur Stärkung. Ein Zeichen der Aufmerksamkeit.

«Heute geht es ihnen gut, weil sie hier sein dürfen»

Doch der schwierigen Situation zum Trotz; das Mahnfeuer hat viel von einem Lagerfeuer. Und das ist gut so. Aus allen Ecken des Kantons sind sie zusammengekommen, Wirtinnen und Wirte, es ist ein freudiges Hallo.

Vergessen sind für diesen einen Moment die Sorgen um Geld, um Personal, um die Zukunft, vergessen der Ärger, das Existenzbedrohende. «Heute geht es ihnen gut, weil sie hier sein dürfen», sagt Corinne Dobler. Das Gesellige, das ihnen seit Monaten fehle, sei hier und jetzt möglich. «Die Wiedersehensfreude ist enorm.»

Viele sagen, sie hätten sich mit der Situation arrangiert

Das ist es auch, was man von den anwesenden Gastronomen zu hören bekommt: Was ihnen am meisten fehlt, ist das Gastgeber-Sein. Der Kontakt mit den Gästen, die Arbeit. Viele sagen, sie hätten sich mit der Situation an und für sich arrangiert; im Aargau gehe es einem als Wirt verhältnismässig gut, das sei kein Vergleich mit den Nachbarkantonen.

Viele sagen auch, dass sie der Situation Gutes abgewinnen können. Die gelebte Solidarität, beispielsweise.

«Wir sitzen alle im gleichen Boot und helfen einander»,

sagt Heiner Kuster vom «Stalden» in Berikon und Vorstandsmitglied von Gastro Aargau.

Gross ist die Freude über die Zeit, die man nun hat: «Wir haben ein Leben lang so viele Überstunden gemacht; jetzt bleibt Zeit, sich um Dinge zu kümmern, die sonst immer zu kurz gekommen sind», sagt Beatrice Cathrein vom «Trolerhof» in Menziken. Und Marcel Huber vom «Litzi» in Jonen hat das gute Wetter diese Woche spontan für eine mehrtägige Velotour genutzt. Etwas, was sonst nicht einfach so möglich wäre.

Natürlich gibt es auch andere Stimmen

Natürlich: Die gute Laune hat etwas Trügerisches, keiner will die Situation schönreden, jeder kämpft, jeder wünscht es sich anders. Und es gibt an diesem Nachmittag auch andere Stimmen. Thomas Rudolf Schmid vom «Lohren» in Fischbach-Göslikon beispielsweise geht alles zu langsam, er ärgert sich über die Bürokratie, fühlt sich ungehört. «Eigentlich müssten hier heute alle Aargauer Gastronomen stehen», sagt er. Aber dann, nach dem Frust, kommt das Lachen zurück. Schmid blinzelt in die Sonne, nimmt einen Schluck und meint: «Wir können diese Zeit schon auch geniessen.»