Aarau
Wie Musikschulen trotz Corona ihre Angebote ans Kind bringen

Zum Ausprobieren in die Querflöte pusten? Aktuell unmöglich. Das Beispiel der Kreisschule Aarau-Buchs zeigt, wie kreativ Musiklehrpersonen in dieser Pandemiezeit sein müssen.

Nadja Rohner
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Frühlingskonzert der Musikschule Buchs-Rohr (heute Kreisschule Aarau-Buchs), 2019

Frühlingskonzert der Musikschule Buchs-Rohr (heute Kreisschule Aarau-Buchs), 2019

Zvg/Patrick Widmer / Aargauer Zeitung

Corona beschäftigt die Schulen nicht nur im laufenden Betrieb, sondern auch in der Vorbereitung fürs nächste Schuljahr. Vor besonderen Herausforderungen stehen die Musikschulen. Sie gleisen in diesen Wochen den Unterricht für die Zeit ab August 2021 auf – und müssen dafür neue Wege gehen.

An der Kreisschule Aarau-Buchs sind die Musikschulen zwar seit letztem Sommer vereinigt, sie pflegen aber ihre individuellen Traditionen weiter. Daniel Willi betreut das Einzugsgebiet der ehemaligen Kreisschule Buchs-Rohr. Dort findet normalerweise im März im Buchser Gemeindesaal ein grosses Frühlingskonzert mit verschiedenen Formationen der Musikschule statt – Streicherformation, Gitarrenensemble, Jugendspiel beispielsweise –, welches unter anderem dazu dient, künftigen Musikschülerinnen die Instrumente zu demonstrieren.

Instrumentenvorstellung im Video

«Leider können wir das Konzert auch dieses Jahr nicht live durchführen», sagt Willi. «Bei neun Formationen mit je etwa fünf bis 20 Kindern pro Formation geht das nicht coronakonform.»

Stattdessen nehmen nun die Formationen am Vortag ihren Beitrag auf, jede Gruppe individuell und mit Sicherheitsvorkehrungen. Das wird dann zu einem einstündigen Film zusammengeschnitten, der am Konzerttag, dem 20. März, um 17 Uhr auf Youtube übertragen wird. Danach wird er aus Datenschutzgründen wieder gelöscht. Ausserdem bieten die Musiklehrpersonen individuelle Schnupperbesuche an, bei denen Kindern einzeln mit ihren Eltern vorbeigehen können.

Die ehemalige Musikschule Aarau setzt auch auf Film, aber anders: «Für jedes Instrument, das bei uns gelernt werden kann, wird ein professionelles Vorstellungsvideo gedreht», sagt Daniel Willi. Ab Mitte März seien diese verfügbar.

Cello, Horn & Co. werden noch weniger nachgefragt

Dieses Jahr können die Alternativprogramme geplant werden. 2020, als die Coronapandemie überraschend zuschlug, nicht. «Wir konnten fast nicht mehr reagieren», sagt Willi. Die Instrumentenvorstellungen fielen mehr oder weniger komplett weg, alles musste abgesagt werden.

Dennoch – es habe nicht weniger Anmeldungen für den Musikschulunterricht gegeben als im langjährigen Schnitt. «Aber es war noch einseitiger als sonst», sagt Willi. Das heisst: Die Instrumente Klavier, Gitarre und Schlagzeug, die ohnehin beliebt sind, wurden noch stärker nachgefragt.

«Uns blieb ­keine Gelegenheit, den Schülerinnen und Schülern unge­wöhnlichere Alternativen vorzustellen – so hatten wir beispielsweise bei den Bläsern noch weniger Anmeldungen als sonst.» Geige, Cello, Querflöte, Klarinette, Saxofon, Trompete, Waldhorn – das seien alles Instrumente, die seit Jahren weniger nachgefragt würden als früher. Willi bedauert das – auch weil es so schwieriger wird, Schüler­orchester zusammenzustellen.

Anmeldeschluss ist am 1. April

Der Anmeldeschluss für den Musikunterricht im kommenden Schuljahr ist am 1. April. Daniel Willi hofft auf zahlreiche neue Schülerinnen und Schüler. «Der Musikunterricht ist eine wahnsinnig tolle soziale Errungenschaft – weil er dank der Beiträge der öffentlichen Hand, dank welcher die Eltern nur 30 Prozent der Vollkosten tragen, für alle Schichten erschwinglich ist.»