Aarau
Was tun, wenn Abkühlung fehlt? Ein Klimaspaziergang bei Bruthitze

Mit dem Naturama auf Tour durch das aufgeheizte Aarau. Hier lernen Laien, wie sie sich und ihre Häuser kühl halten können.

Nadja Rohner
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Klimaspaziergang durch die Aarauer Innenstadt mit Jacqueline von Arx (Naturama)

Klimaspaziergang durch die Aarauer Innenstadt mit Jacqueline von Arx (Naturama)

Nadja Rohner / Aargauer Zeitung

29 Grad Lufttemperatur. Gefühlt viel mehr – es ist Freitagabend, 17 Uhr, die Stadt glüht. «Perfektes Wetter», konstatiert Jacqueline von Arx. Sie ist Projektleiterin Naturförderung beim «Naturama», und sie führt an diesem Abend eine fast ausschliesslich weibliche Gruppe auf dem «Klimaspaziergang» durch die Innenstadt. Erklärt, wo und wieso es Hitzeinseln gibt, was man beim Grundstückkauf diesbezüglich berücksichtigen sollte und was man im eigenen Zuhause machen kann, um heisse Sommer möglichst gut zu überstehen.

Die Klimaanalysekarte verrät, wo es besonders heiss ist.

Die Klimaanalysekarte verrät, wo es besonders heiss ist.

Nadja Rohner / Aargauer Zeitung

Denn obschon 2021 nicht gerade zu den Hitzesommern gehört: Während es vor 2010 noch maximal zehn Hitzetage (über 30°C) pro Sommer gab, sind es aktuell schon 15. «Für Aarau werden für 2035 zwischen 18 und 28 Hitzetage prognostiziert», erklärt von Arx. Sie hat für den rund zweistündigen Spaziergang Hilfsmittel mitgebracht. Etwa Klimaanalysekarten (siehe Bild). Oder ein Oberflächentemperaturmessgerät; sowie eine Wärmebildkamera, die die Hitzeabstrahlung von Objekten auf einem Display grafisch darstellt. Von Arx erklärt: «Sie sollen ein Gefühl für Oberflächentemperaturen entwickeln, um zu sehen, weshalb es sich lohnt, Klimaanpassungsmassnahmen zu ergreifen.»

Ruderalflächen (Kies) wie hier bei der Kanti sind zwar gut fürs Klima, das Berufskraut in den Händen von Jacqueline von Arx (links) ist allerdings ein Neophyt und unerwünscht.

Ruderalflächen (Kies) wie hier bei der Kanti sind zwar gut fürs Klima, das Berufskraut in den Händen von Jacqueline von Arx (links) ist allerdings ein Neophyt und unerwünscht.

Nadja Rohner / Aargauer Zeitung

Zuerst lässt von Arx die Teilnehmerinnen aber die Schuhe ausziehen – ob sie den Tempe­- ra­turunterschied zwischen dem Mergelplatz vor dem Naturama und dem Asphalt auf der Strasse spüren? Es sind nur fünf Grad (Mergel, Asphalt 45), «aber gefühlsmässig extrem», sagt eine Teilnehmerin. 62 Grad weist die Naturama-Fassade in der Sonne auf, 38 im Schatten.

Das "Aquarium" der alten Kanti in der Wärmebildkamera.

Das "Aquarium" der alten Kanti in der Wärmebildkamera.

Nadja Rohner / Aargauer Zeitung

Eine moderne, dunkle Holzfassade an der Mühlemattstrasse: 56 Grad. Eine alte, weisse Steinfassade gleich daneben: 38. Der Grasboden im Kantipark: nur 23 Grad. Das Wasser im Pfarrhausbrunnen: 16 Grad. Nur schon anhand der nackten Zahlen wird auf dem Klimaspaziergang schnell ersichtlich, was sowohl die öffentliche Hand als auch Private tun können: versiegelte Flächen öffnen (Mergel oder Rasengittersteine statt Asphalt), Wasserflächen, schattenspendende Elemente – und viel Grünzeug.

Nächster Klimaspaziergang (durch das Gönhardquartier): Donnerstag, 2. September, 11.30 bis 14 Uhr. Teilnahme kostenlos. Anmeldung bis 26. August: www.naturama.ch

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