Der Granatapfelbaum hält sich mitunter nicht an den Zeitplan des Maienzugs, blüht zu früh, zu spät oder gar nicht. Auch Wetterpannen können der Ernte zuwiderlaufen.

Die AZ hat bei Floristen in Aarau nachgefragt, wie es dieses Jahr an der Granaten-Front aussieht. Die gute Nachricht: Ungeschmückt muss niemand ans Fest. Die schlechte Nachricht für Traditionalisten: Man muss vielleicht auf nicht-granatige Anstecker umsteigen. Denn es sieht nicht so aus, als könnte der Bedarf (das wären gegen 1000 Granatapfelblüten jedes Jahr) vollends gedeckt werden.

Wegen des Klimawandels sei es von Jahr zu Jahr schwieriger, die Blüten zu besorgen, sagt etwa Mathias Baumberger, der mit seiner Frau Antoinette das Geschäft Linder Blumen am Bahnhofplatz führt. «Unser Lieferant im Tessin konnte keine liefern: Seine waren zwei Wochen zu früh.» Ein italienischer Lieferant habe ausgeholfen, aber sehr viele Granaten hat Linder Blumen nicht an Lager: Es gelte deshalb «first come, first served». Alternativ biete man kleine Röschen kombiniert mit Granatapfelbaum-Grün an. «Die Aarauer werden sich früher oder später an eine andere Blüte gewöhnen müssen», prognostiziert Baumberger.

«Blattform Aarau» im Aarepark erwartet heute Mittwoch eine Lieferung Granaten aus dem Tessin. Über die Qualität wisse man noch nichts, sagt Heidi Majoleth. Aber man biete gerne auch orange Polyanta-Rosen an. «Die sehen genauso hübsch aus und halten garantiert den ganzen Maienzug.»

Das Rohrer Blumengeschäft «Blumen am Meter» ist zwar wegen Krankheit der Chefin bis September zu, macht aber extra für den Maienzug am Vorabend (17 bis 19 Uhr) auf**. "Wir haben schöne Granaten", sagt Inhaberin Manuela Eifler. Diese stammen aus der Region.

Positive Nachrichten gibt es auch aus der Hohlgasse: «Ja, wir werden Granatenanstecker für unsere Kunden haben», sagt Luzia Fahrni von «von Arx Blumen & Garten». «Natürlich bieten wir auch diverse tolle Alternativen an.»

Definitiv auf kleine orange Röseli als Alternative umstellen muss das Blumenhaus Frei im Bahnhofgebäude. «Wir haben leider für dieses Jahr wieder einmal witterungsbedingt keine Granaten», so Inhaber Jörg D. Frei. Mehrere Versuche in den letzten Jahren, schöne Granaten aus Italien und über das Lieferantennetzwerk in Holland zu bekommen, seien fehlgeschlagen. Aber für das nächste Jahr gebe es gute Nachrichten: «Wir haben in Zusammenarbeit mit der Baumschule Haller in Oftringen spezielle Granatenbüsche organisiert, die wir dann für den Maienzug 2020 selberziehen können. Somit sollten dann genügend schöne Granatenblüten für Anstecker zur Verfügung stehen.»

Einige Aarauerinnen und Aarauer setzen schon eine Weile auf Selbstversorgung. Gestern verkündete etwa FDP-Kantonalparteipräsident und alt Stadtrat Lukas Pfisterer auf Twitter, dass der Granatenbaum in seinem Garten pünktlich zum Maienzug seine Blüten geöffnet habe – «und das gleich im Dutzend. Die Pflege hat sich gelohnt.»

** In einer früheren Version dieses Artikels hiess es, "Blumen am Meter" habe wegen Krankheit bis September ganz geschlossen. Das wird auf der Website des Geschäfts so kommuniziert; der Laden macht aber am Maienzug-Vorabend extra auf.