Aarau
An heissen Tagen eine Qual: Wird die Altstadt künftig beschattet?

Ein Aarauer FDP-Politiker fragt den Stadtrat, ob als Massnahme gegen Hitzeinseln eine temporäre Beschattung durch Sonnensegel oder Ähnliches denkbar wäre. Er bringt auch den in Zürich kürzlich installierten «Nebelring» ins Spiel.

Nadja Rohner
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In der Oltner Kirchgasse wurden 2020 erstmals 500 Schirme aufgehängt. Es handelte sich um eine gemeinsame Aktion von Gewerbe und Stadt zur Attraktivitätssteigerung der Gasse, brachte aber auch willkommenen Schatten.

In der Oltner Kirchgasse wurden 2020 erstmals 500 Schirme aufgehängt. Es handelte sich um eine gemeinsame Aktion von Gewerbe und Stadt zur Attraktivitätssteigerung der Gasse, brachte aber auch willkommenen Schatten.

Bruno Kissling

Es sei «an einigen Sommertagen eher Qual als Lust, entlang der Altstadtläden zu flanieren oder sich in den Gassen einen Drink zu genehmigen». Das schreibt der Aarauer FDP-Einwohnerrat Pascal Benz in einer Anfrage an den Stadtrat.

Benz, selber Altstadtbewohner, regt an, den Einsatz von Sonnensegeln zu prüfen. Nicht nur in der Altstadt, sondern auch bei anderen Hitzeinseln. Es sei «eine kostengünstige, temporäre Massnahme», um den Aufenthalt angenehmer zu machen.

Vorbild Spanien mit Segeltüchern oder Regenschirmen

Er führt im Vorstoss Beispiele von Städten – vornehmlich in Südspanien – auf, die solche Schattenspender bereits im Einsatz haben: von einfachen und mit Stadtwappen bedruckten Segeltüchern über von der Bevölkerung gehäkelten Stoffbahnen bis zu 1200 aufgespannten und über der Strasse arrangierten farbigen Regenschirmen, die auch optisch etwas hermachen.

Malaga – hier an einem Abend im Sommer 2018 – kennt solche Sonnensegel in der Stadt ebenfalls.

Malaga – hier an einem Abend im Sommer 2018 – kennt solche Sonnensegel in der Stadt ebenfalls.

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Benz will nun wissen, welchen Temperaturabfall man durch den Einsatz von Sonnensegeln erwarten könne und ob der Stadtrat einen Pilotversuch durchführen lassen würde. Auch fragt er, ob solche Sonnensegel mit dem Ortsbildschutz, der vor allem in der Altstadt sehr streng ausgelegt wird, vereinbar wäre. Als geeignete Strassenabschnitte schlägt Benz den Aargauerplatz (beim Regierungsgebäude), den Schlossplatz (beim Stadtmuseum) oder die Achse Pelzgasse-Metzgergasse vor.

Pascal Benz.

Pascal Benz.

zvg

Wasserverbrauch geringer als bei Trinkbrunnen

Es gäbe noch eine etwas innovativere Möglichkeit, um die Stadt abzukühlen: «Nebelringe», wie kürzlich einer über dem Turbinenplatz in Zürich in Betrieb genommen wurde. Dies als zweijähriges Pilotprojekt. Die Anlage, die 140'000 Franken kostet, besteht aus Ständern, die einen Aluminiumring mit 180 Düsen über dem Platz halten. Steigt die Temperatur über 30 Grad, wird aus diesen Düsen Wassernebel gepresst, der rasch verdunstet und dabei der Umgebung Wärme entzieht.

Die neuerrichtete Nebelwolke über dem Turbinenplatz ist im Juli 2022 in Betrieb genommen worden.

Die neuerrichtete Nebelwolke über dem Turbinenplatz ist im Juli 2022 in Betrieb genommen worden.

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Der Wasserverbrauch ist dabei laut Medienberichten deutlich geringer als bei jedem Trinkbrunnen. Auch die Stadt Basel hat schon Interesse an einem solchen Ring gezeigt. Pascal Benz will nun wissen, zu welchen Kosten und mit welchem Nutzen das auch in Aarau möglich wäre.