David: Was bleibt von dieser Fussball-WM?

François: Alles ist ein bisschen doppelt. Doppelter Adler, doppelter Pass, doppelter Messi . . .

Pius: Wieso Messi?

François: Trainer und Spieler.

David: Was sonst noch?

Tobias: Doppelter Schiedsrichter, auf dem Feld und vor dem Bildschirm.

Pius: Der doppelt breite Diego Maradona, im doppelten Sinn versteht sich.

François: Der doppelte Doppel-Neymar. Mal Künstler, mal Schwalbe, mal Spaghettikopf, aber immer Diva.

David: Der doppelte Akanji. Mal im Schweizer-, mal im Nigeria-Shirt.

Flavio: Der doppelte Özil, sichtbar mit Erdogan, unsichtbar auf dem Platz.

Tobias: Das doppelte Wunder. England gewinnt ein Penaltyschiessen und es hat einen Goalie, der Bälle fängt.

François: Nochmals das doppelte Wunder. Belgiens Trainer Martinez, der selbstbewusst behauptet, nie ein Spiel wegen der Taktik verloren zu haben. Der dann aber doch den Halbfinal verliert, weil er a) kein taktisches Mittel findet gegen die Franzosen und b) mit seinen Rochaden während der Partie seine Spieler verunsichert.

David: Der doppelte Doppel-Weltmeister Didier Deschamps. 1998 als Spieler, 2018 als Trainer. Ein Held, aber trotzdem immer im Schatten von Zinédine Zidane.

Pius: Gemach. Vielleicht sehen wir am Sonntag auch einen anderen doppelten Weltmeister. Ich sehe ihn schon: Ivan Rakitic, wie er mit einer kroatischen und einer Schweizer Flagge um die Schultern den WM-Titel feiert.

Tobias: Ob dieser Doppel-Flaggen-Jubel Konsequenzen nach sich ziehen würde?

Pius: Was meinst du damit?

Tobias: Nun, vielleicht missfällt es dem kroatischen Fussballverband, wenn einer ihrer Spieler Schweizer Flagge zeigt. Daraufhin fordert er ein Verbot der Doppelbürgerschaft.

David: Oder Alex Miescher ist ob der Geste derart gerührt, dass er sich beim Anblick von Weltmeister Rakitic vom Sofa erhebt und die Hymne singt.

Tobias: Und er kommt zum Schluss, dass sein Vorschlag tatsächlich eine Schnapsidee ist.

Pius: Oder der jubelnde Weltmeister Rakitic mit der Schweizer Fahne bestärkt ihn darin, das Recht auf Doppelbürgerschaft abzuschaffen.

Flavio: Womit wir beim doppelten Doppelversagen des Schweizerischen Fussballverbandes sind.

David: Wie meinst du das?

Flavio: Ganz einfach. Kommunikations-GAU nach der Spuckaffäre an der EM 2004. Kommunikations-GAU nach der WM 2018. Und: Wie eben erst gegen Schweden ist die Schweiz auch an der WM 2006 im Achtelfinal gegen den schwächestmöglichen Gegner ausgeschieden.

Tobias: Für mich ist klar, dass das Konsequenzen haben muss. Der Fussballverband braucht eine neue Führung. Ich weiss auch, wer der ideale Präsident wäre, weil er maximale Strahlkraft, Kompetenz und Autorität vereint: Ottmar Hitzfeld.

Pius: Aber Hitzfeld hat keinen Schweizer Pass. Wenn schon die Spieler alle einen Schweizer Pass – und nur diesen einen – haben, kann doch der Präsident nicht aus der Reihe tanzen.

Tobias: Das ist der Punkt der Doppelpass-Debatte. Es geht einzig darum, Hitzfeld als Präsidenten zu verhindern. Schöne Ferien wünsch ich euch.