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Es ist kalt in Fribourg. Weit unter null Grad. Australiens Tennisspielerinnen kommen aus dem Hochsommer, 30 Grad hatte es noch während der Nacht am Sonntag, als sich Rafael Nadal und Novak Djokovic fast sechs Stunden lang die Bälle beim Final des Australian Open um die Ohren schlugen.
«Die Umstellung ist nicht einfach, aber Teil des Spiels», sagt Samantha Stosur, die Nummer eins im Fed-Cup-Team, das am Wochenende auf die Schweizerinnen trifft. Erst zum zweiten Mal in ihrem Leben sieht sie Schnee.
Zum ersten Mal Schnee gefühlt
Ihre Kollegin Casey Dellacqua liess gar das Auto auf dem Weg von Flughafen Genf nach Fribourg anhalten. In einer Woche wird sie 27 Jahre alt und wollte erstmals in ihrem Leben die weisse Pracht berühren.
Mehr Erfahrung hat da schon Jelena Dokic. «Ich mag Schnee», erzählt die 28-Jährige. Doch mit Wintersport habe sie nichts am Hut: «Zu gefährlich.» Sportlich ist Dokic nur die Nummer drei im Team, doch sie, beziehungsweise ihr Vater, sorgte schon für mehr Schlagzeilen als alle anderen zusammen.
Dokic (WTA 67): Einsatz noch nicht definitiv
Geboren wurde sie 1983 in Osijek, im heutigen Kroatien. Aber nach der Teilung Jugoslawiens spielte sie für Serbien. 1994 emigrierte Dokic mit ihrer Familie nach Australien. Und inzwischen hat sie ihren Wohnsitz in Monte Carlo.
Noch ist offen, ob Dokic in Fribourg überhaupt zum Einsatz kommt. «Sicher spielt Samantha Stosur», sagt Captain David Taylor. Die Nummer fünf der Welt ist gesetzt.
Fürs zweite Einzel kommen neben Dokic, der Nummer 67, auch die gebürtige Slowakin Jarmila Gajdosova, Nummer 40, und Dellacqua, die 103, infrage. Auch für ein Doppel hat sich Taylor noch nicht entschieden. Die Spezialistin Rennae Stubbs trat vor einem Jahr als 40-Jährige zurück.
Zwischen Juli 1998 und April 2000 gewann Dokic neun von elf Einzeln im Fed-Cup für Australien. Mit Mark Philippoussis triumphierte sie 1999 beim Hopman-Cup, der inoffiziellen Mixed-WM. «Ich liebe diese Teamwettbewerbe», betont sie. Wohl deshalb sei ihre Bilanz so gut.
«Es hat nichts damit zu tun, dass ich keine gebürtige Australierin bin und mich darum besonders anstrenge», sagt sie und wird ziemlich laut, weil sie jemand aufgrund ihrer Biografie nicht als «richtige Australierin» bezeichnet.
Die beherrschende Figur in ihrem Leben war ihr Vater Damir. Der fiel als Rüpel oft aus der Rolle, stritt mit Veranstaltern, Trainern und Funktionären. Der einstige Boxer und Lastwagenfahrer beschimpfte 2001 die Organisatoren des Australian Open, sprach von Manipulation, als seine Tochter gegen Titelverteidigerin Lindsay Davenport aus den USA antreten musste.
Anschliessend zwang er seine Familie zur Rückkehr nach Serbien. In der Weltrangliste rückte Dokic im August 2002 bis auf Platz vier vor.
2003 drohte Damir seiner Tochter nach dem Erstrunden-Aus in Melbourne körperliche Gewalt an. Beim US Open soll er einem jungen Imbiss-Verkäufer ein Fisch-Menü an den Kopf geworfen haben, weil es ihm überteuert erschien.
«Ich musste so viel aushalten, als mein Vater noch auf der Tour dabei war, all seine Ausbrüche. Ich war so jung und hatte keine Ahnung, was los war», erklärte Jelena Dokic einmal. «Ich habe mit einem riesigen Gewicht auf den Schultern gespielt und bin daran mit 19 irgendwie zerbrochen.»
2004 spielte sie zwei Matchs für Serbien-Montenegro im Fed-Cup. Ein Jahr später kam es zum Bruch mit dem Vater. Dokic kehrte nach Australien zurück, entschuldigte sich und segelt seit 2006 wieder unter australischer Flagge.
Die Australier verziehen ihr. Sie nahm eine Auszeit, kämpfte gegen Gewichtsprobleme und rappelte sich wieder auf. Mit dem Vater redet sie nicht mehr. Erst 2008 kehrte sie auf die Profitour zurück, begann ohne Ranking und schloss das Jahr als Nummer 178 der Welt ab.
Im Jahr darauf stürmte sie beim Australian Open bis in den Viertelfinal. «Ich bin durch die Hölle gegangen», sagte sie damals. «Ich habe zwei Jahre lang gegen schwere Depressionen gekämpft, monatelang nicht gespielt und daran gedacht, es überhaupt nicht mehr zu tun.» Sie kehrte ins australische Fed-Cup-Team zurück, alle vier Einzel gewann sie, unter anderem gegen Stefanie Vögele.
Vor gut einem Jahr gewann sie nach neun Jahren ohne Titel ihr in Kuala Lumpur ihr sechstes Turnier. «Tennis macht mir wieder Spass», behauptet sie. Allerdings sieht es nicht immer so aus.