Eishockey
Aktualisiert am 22.02.12, um 07:49 von Achim Günter
 

Sie will die Männer verzweifeln lassen

Larissa Fraint auf der Bank des SC Altstadt Olten
Torhüterin Larissa Friant zieht die Oltner Junioren Top den ZSC-Frauen vor. Bei den Männern fühlt sie sich bestens aufgehoben: «Das Niveau ist viel höher. Bei den Frauen bin ich nicht so gefordert wie bei den Männern», sagt sie. von Achim Günter
 

Das Training der Junioren Top des EHCO neigt sich dem Ende zu. Nach dem Torschusstraining folgt ein kurzes «Mätschli». Einer der zehn Akteure fällt des Äusseren wegen auf. Unter dem Helm lugt ein langer blonder Zopf hervor.

Die bald 19-jährige Larissa Friant hütet seit dieser Saison – zusammen mit Andrin Kunz – das Tor der ältesten EHCO-Junioren. Zum Eishockey gefunden hatte die Muttenzerin einst als Sechsjährige durch ihren Bruder Patrick, heute ihr Teamkollege beim Team von André Rötheli. Zuvor hatte sie sich während zweier Jahre als Eiskunstläuferin versucht. «Doch das war überhaupt nichts für mich.»

Ihre bisherige Karriere verbrachte die Baselbieterin beim EHC Basel, während dreier Jahre gehörte sie bis 2011 zudem dem Frauenteam der ZSC Lions an. Im vergangenen Frühling konnte Friant als Stammkeeperin der Zürcherinnen gar den Schweizer-Meister-Titel feiern. Darauf orientierte sie sich in Richtung Olten – und in Richtung Männereishockey.

Bei den Männern fühlt sie sich bestens aufgehoben: «Das Niveau ist viel höher. Bei den Frauen bin ich nicht so gefordert wie bei den Männern.» Dürfen Frauen als Feldspieler nur bis 21 Jahre bei den Männern mitspielen, gibt es für Torhüterinnen keine Alterslimite. «Ich will so lange wie möglich bei den Männern spielen», sagt Friant. Das Männerhockey macht ihr ganz einfach mehr Spass. Das Tempo sei höher, die Schüsse härter, der Einsatz grösser.

Ihre Ausrüstung ist bis auf die andere Form des Tiefschutzes dieselbe wie bei den Männern. Bei den Teambesprechungen sind Friant und Teamkollegin Sandra Thalmann stets dabei. Und wie geht das mit dem Duschen? Das sei kein Problem. Bei Heimspielen benutzten sie dafür eine andere Garderobe, bei Auswärtsspielen stellten sie sich jeweils unter die Dusche, während die Männer auf dem Eis ausliefen.

«Unsere Goalies sind gleichgestellt»

Manuel Schaer, Teamkollege bei den Junioren Top, meint, dass es eigentlich keine Rolle spiele, dass dem Team auch Frauen angehörten. Auf die Torhüterin werde keine Rücksicht genommen. «Bei uns sind beide Goalies gleichgestellt, beide sind in etwa gleich gut.»

Werden die Frauen denn häufig mit Sprüchen eingedeckt? Schaer winkt ab: «Es ist eher so, dass wir bei jenen Männern Sprüche machen, die sich wie Frauen benehmen.» Da hat Friant freilich eine ganz andere Wahrnehmung. «Ich werde oft hochgenommen», sagt sie schmunzelnd. Sie könne jedoch bestens damit leben, nehme die Sprüche jeweils sogar als Motivationsspritze. Beim Zweitligisten SC Altstadt hingegen, bei dem sie als dritter Goalie an der Bande aushalf, «behandeln sie mich überhaupt nicht anders».

Mit den Frauen zu Olympia?

Die ehemalige U18-Nationalspielerin glaubt, dass sie als Frau mehr leisten müsse als ein Mann, um die Vorurteile ihr gegenüber widerlegen zu können. Allerdings sei dies auch ein Vorteil für sie, profitiere sie doch davon, von Gegnern unterschätzt zu werden. Nach der LAP will Friant neue Ziele festlegen. Gerne würde sie dereinst als Stammgoalie im Kasten eines Zweitligisten stehen. Und auch eine Rückkehr ins Frauenhockey schliesst sie nicht aus. Mit dem Frauennationalteam könnte ihr eines Tages ja gar eine Olympiateilnahme winken. «Das wäre schon ein Ziel», sagt sie, «aber das steht noch in den Sternen.»

(az)