«Ich bin der Sportchef und dazu da, etwas zu tun, wenn es nicht läuft», sagt Renato Brun. Mangelnde Entscheidungsfreudigkeit kann man dem Sportchef des FC Grenchen wahrlich nicht unterstellen. Nach dem neuerlichen Debakel gegen Luzerns Nachwuchsmannschaft am vergangenen Samstag (0:10) hat Brun, der erst seit September im Amt ist, eine Liste mit elf Spielern veröffentlicht, die ab sofort nicht mehr erwünscht sind.

«Glauben Sie denn wirklich, dass wir mit dieser Equipe den Ligaerhalt geschafft hätten», fragt Brun. 66 Gegentore und null Punkte sind die verheerende Bilanz aus den letzten neun Spielen. «Ich bin einer, der weniger redet und mehr handelt.» Gesagt, getan.

Vollkommen lächerlich

Die betroffenen Spieler reagierten über ihre Freistellung fassungslos. Weniger die Tatsache, dass es zu einer Trennung gekommen ist, sondern die Art und Weise, wie kommuniziert worden sei, stösst ihnen sauer auf. «Wir wurden auf einer Liste öffentlich blossgestellt», beklagt sich Dedaj Dugagjin. Der Verteidiger wehrt sich vehement gegen den Vorwurf, sich für den Verein nicht eingesetzt zu haben. «Das ist vollkommen lächerlich und grenzt an Rufmord. Ich habe gewusst, auf was ich mich hier einlasse, deshalb bin ich ja nach Grenchen gekommen», erklärt Dugagjin. «Wenn man 0:10 verliert, sind sicher nicht nur die Spieler schuld», deponiert er Kritik an Renato Brun und Trainer Patrick Bösch.

Der Sportchef hält seinerseits an seinem Vorgehen fest. Nebst fehlenden fussballerischen Qualitäten seien bei Diversen der elf «Ausgemusterten» vorab charakterliche Eigenschaften der Grund der «Entlassung». Beispielsweise beim Goalgetter des Tabellenletzten, Fitim Sadriji. «Er ist ein guter Spieler.» Was indes nicht gehe, sei, den Trainer anzuschnauzen, wenn dieser darauf hinweise, dass man den Ball auch mal abspielen könne.

Die andere Seite der Geschichte

Stänkern im Training, dem Coach gar nicht erst zuhören und stattdessen den Clown spielen oder ihm schnippisch mit einem «hey, wer bist Du eigentlich» übers Maul fahren, oder den Coach im Spiel lautstark auffordern «hey, wechsle den und den sofort aus …» seien nur ein paar weitere, inakzeptable Verhaltens-Misstritte, die sich FCG-Spieler jüngst leisteten und die so zur Ausmistaktion geführt haben.

Fitim Sadriji, der treffsicherste Grenchner Schütze in der Vorrunde (sieben von zehn Toren), bringt für diese Vorwürfe wenig Verständnis auf. «Geschichten haben immer zwei Seiten. Ich habe mich erst zu Wehr gesetzt, als der Trainer einzelne Spieler vor der versammelten Mannschaft vorgeführt hat.»

Man dürfe von 1.-Liga-Spielern eine gewisse charakterliche Klasse erwarten, entgegnet Brun. Schliesslich hätte man den Spielern auch eine Chance gegeben, sich zu zeigen und sie bezahlt. Das wiederum bestreitet Sadriji. Die September-Entschädigung habe er bis heute nicht erhalten.

Wie reagieren die Mitglieder?

Wie der Kahlschlag bei den Vereinsmitgliedern ankommt, wird sich nächste Woche an der ausserordentlichen Generalversammlung, der vierten innerhalb eines Jahres, weisen. Rückendeckung erhalten Renato Brun und Patrick Bösch von Sponsorenseite. «Die Vereinsleitung macht einen Superjob», lobt Rolf Probst vom Donatoren-Club 200 die Arbeit des fünfköpfigen Gremiums. Und die Massenentlassungen vom Wochenende? «In sportliche Entscheide mischen wir uns nicht ein», so Probst.