Bitte suchen Sie sich ihre Lieblings-Playoff-Plattitüde aus: «Es beginnt alles bei null.» Oder: «Die Karten werden neu gemischt.» Wies wär’s mit: «Alles, was war, zählt ab sofort nicht mehr.» Beliebt auch: «Es beginnt eine neue Saison.» Und so weiter, und so fort.

Klar ist: Im Fall des EHC Olten können die Playoffs nicht schnell genug beginnen. Und noch selten zuvor war man in der Dreitannenstadt heisser darauf, dass die schönste und aufregendste Phase der Meisterschaft beginnt.

Fest steht: Die Oltner Eishockey-Cracks haben eine ganze Menge gutzumachen. Die Qualifikation glich für die Zuschauer eher einer Fahrt durch eine schlechte Geisterbahn denn einer prickelnden und rasanten Fahrt auf der Achterbahn.

Die Höhepunkte waren selten, umso häufiger musste man sich mit Grausen abwenden vom Gezeigten auf dem Eis. In den Playoffs bietet sich für den EHCO nun die grosse Chance, seine Fans noch einmal auf eine aufregende Reise durch den Eishockey-Vergnügungspark mitzunehmen.

Was braucht es dafür? Optimal ist, wenn man als Aussenseiter gleich einmal das erste Spiel auswärts gewinnt. Die Oltner erlebten den positiven Effekt, den ein solcher Erfolg zu Beginn der Playoffs haben kann, vor zwei Jahren am eigenen Leib.

Auch damals starteten sie als Quali-Fünfte in die entscheidende Meisterschaftsphase und gewannen gleich die allererste Partie in Visp – nach Verlängerung. Mit diesem Auswärtssieg im Rücken spielten sich die Powermäuse in einen Rausch, welcher erst im siebten Spiel der Finalserie gegen die SCL Tigers und den B-Meistertitel vor Augen endete.

Der SC Bern der letzten Saison als Vorbild

Es genügt auch ein Blick zurück in die letzte NLA-Saison. Der grosse SC Bern erlebte eine desaströse Qualifikation und rettete sich erst kurz vor Torschluss in die Playoffs. Gegen den überlegenen Quali-Sieger ZSC Lions waren die Berner krasse Aussenseiter, gewannen das erste Spiel im Hallenstadion (nach Penaltyschiessen) und blickten nicht mehr zurück, bis sie sechs Wochen und 11 weitere Siege später Meister waren.

Es wäre vermessen, vom EHC Olten in den kommenden Tagen und Wochen einen ähnlichen Husarenritt zu erwarten. Das Beispiel Bern soll aber zeigen, was möglich ist mit Mannschaften, die sich lange Zeit unter ihrem Wert schlagen und dann plötzlich ihr Potenzial ausschöpfen. Dass die Oltner das Talent und die spielerische Klasse haben, zumindest den Halbfinal zu erreichen, steht ausser Frage.

Sind die Oltner Spieler mental und körperlich hart genug?

Das grosse Fragezeichen betrifft eher die mentale und körperliche Härte der Equipe. Gegen Kontrahenten, die eine eher physische Spielweise pflegen, tut sich der EHCO schwer. Auf die beeindruckende, körperliche Präsenz von Quali-Sieger Langenthal fand man zuletzt kaum Antworten.

In der letzten Saison zerbrach man im Halbfinal an der zermürbenden Maschinerie des späteren B-Meisters Ajoie. Wollen die Oltner in den Playoffs markante Spuren hinterlassen, dann müssen sie diesbezüglich den nächsten Gang finden. Auch und vor allem die «Finesse-Spieler» wie Marco Truttmann, Martin Ulmer oder Diego Schwarzenbach. Dass sie das können, haben sie in der Vergangenheit bereits bewiesen.

Es wird eine der Hauptaufgaben von Bengt-Ake Gustafsson sein, seine Schäfchen zum idealen Zeitpunkt an die Leistungsgrenze zu führen. Der routinierte Schwede hat versucht, seine Mannschaft in den letzten Tagen nach und nach auf Playoff-Betriebstemperatur zu bringen.

Setzt sich der Aufwärtstrend fort, der sich seit der Amtsübernahme von Gustafsson eingestellt hat, dann darf man beim EHC Olten den Playoffs mit einigem Optimismus entgegenblicken. Gleichzeitig muss man sich aber auch bewusst sein, dass die Enttäuschung – also das frühzeitige Saisonende – gleich hinter der nächsten Hausecke lauert.

Sollte dies geschehen, dann haben sich die Oltner das selber zuzuschreiben. Wer einen Grossteil der Saison in der Geisterbahn fährt, der muss sich nicht wundern, wenn die Achterbahn geschlossen ist. Da nützen dann auch alle Playoff-Plattitüden nichts.