So schnell dreht der Wind im Weltcup. Noch vor einer Woche scheinbar im freien Fall, sitzen Österreichs Skisportler seit diesem Wochenende wieder solid im Sattel. 24 Stunden nach dem Triumph von Max Franz im Val Gardena doppelt Marcel Hirscher im Riesenslalom von Alta Badia nach.

Zuvor hatte er in dieser Disziplin in neun Rennen achtmal das Nachsehen – immer gegen Franzosen. Nun führt «Austria Ski» wieder mit 200 Punkten Vorsprung die Nationenwertung an und liegt bei den Männern gar 300 Zähler voraus. Die Schweiz belegt in dieser Rangliste aktuell nur den 5. Platz.

Aber Individualisten kümmern sich primär um ihre eigenen Geschäfte. So fand Hirscher seinen Sieg «einen der grössten» und sprach von einem «speziellen Tag». An diesem hatte er mit Italiens Superstar Alberto Tomba in dessen Hoheitsgebiet gleichgezogen. Hirscher weist nun ebenfalls vier Siege auf, im Gegensatz zu Tomba in Serie. Und wenn man den Slalom dazuzählt, sind es sogar fünf. Der neue König von Alta Badia heisst Marcel Hirscher. Einen Tag vor seinem 50. Geburtstag ist «Tomba, la Bomba» entthront worden.

Der Respekt von Hirscher gegenüber seinem Vorgänger hält sich im Grenzen: «Alberto war nicht der Held meiner Träume. Mein Vorbild hiess Thomas Stangassinger. Von Tomba wusste ich nur, was mir mein Vater erzählte – und das waren vor allem Frauengeschichten ...» Überdies stellte Hirscher eine nationale Bestmarke auf: Mit seinem 97. Podestplatz übertraf er seinen Landsmann Hermann Maier. International liegen noch Marc Girardelli (100) Ingemar Stenmark (155) vor ihm.

Überraschung auf dem Podest

Zur Abwechslung strahlte die Sonne auch einmal für eine «graue Maus». Just in seinem 100. Weltcuprennen holte Florian Eisath, ein 32-jähriger Italiener, erstmals einen Podestplatz. Bisher war er über einen 6. Platz nie hinausgekommen und musste deshalb das Training zeitweise aus dem eigenen Sack berappen.

Zu den Verlierern des Tages zählten, trotz des 2. Platzes von Mathieu Faivre, die Franzosen. Seriensieger Alexis Pinturault stürzte und blieb förmlich in der Abschrankung stecken – zum Glück unverletzt. Auch die Schweizer zogen einen schwachen Tag ein – trotz Lichtblicken von Justin Murisier (10.) und vor allem Marco Odermatt (23.). Ein grober Fehler kostete Murisier ein möglicher 5. oder 6. Platz.

Ein Forfait von Loïc Meillard überschattete die Schweizer Bilanz. Der Hoffnungsträger aus dem Val d’Hérémence, 22. nach dem 1. Lauf, trat wegen Knieschmerzen, die vom Sturz in Val d’Isère herrühren, nicht mehr an. Während der Woche hatte er noch zwei Europacuprennen bestritten und war – ohne Einfahren – Erster und Dritter geworden. Nun verschlimmerten sich die Beschwerden. Er reist für weitere Untersuchungen in die Schweiz zurück.

Als legitimer Stellvertreter profilierte sich der Nidwaldner Marco Odermatt, der in seinem 4. Riesenslalom schon zum zweiten Mal punktete. In Sölden kam er mit der Nr. 53 auf den 17. Platz, in Alta Badia mit der Nr. 46 auf den 23. «Mit einer solchen Nummer musst du Risiken eingehen», meinte Odermatt, «aber im 2. Lauf hatte ich schon auch die Taktik im Hinterkopf».

Didier Cuche hatte von Odermatt geschwärmt, als er ein paar Mal mit ihm Ski fahren ging: «Marco macht mir einen sehr ‹gesunden› Eindruck, auf und neben der Piste.» Das freue ihn, wenn einer wie Cuche ein solches Kompliment mache, dankt Odermatt: «Didier war in der Kindheit mein Vorbild. Wenn er fuhr, war ich nervöser, als ich jetzt bei meinen eigenen Rennen bin.»

Die drei Abfahrer mussten sich in diesem Rennen wie Exoten vorkommen: Carlo Janka und Alex Kilde schieden aus, Kjetil Jansrud wurde 44. Janka: «Ich hätte es auch sonst schwer gehabt. So überlege ich mir, auf den Riesenslalom von Adelboden zu verzichten.»
Ihre Chance könnte in der nächsten Saison wieder steigen, wenn die Taillierung der Ski wieder engere Radien (30 statt 35 Meter) erlaubt.

Völkl-Pilot Justin Murisier macht am Dienstag mit dem Italiener Roberto Nani Tests mit solchen Brettern: «Als kleine Firma können wir nicht bis Ende Saison zuwarten und müssen jetzt schon mit der Entwicklung der Ski beginnen, auch wenn das mit Risiken verbunden ist.» Längst kämpfen nicht alle mit gleich langen Spiessen.

Alta Badia (ITA). Weltcup-Riesenslalom der Männer. Das Schlussklassement: 1. Marcel Hirscher (AUT) 2:32,89. 2. Mathieu Faivre (FRA) 0,71 zurück. 3. Florian Eisath (ITA) 1,10. 4. Zan Kranjec (SLO) 1,90. 5. Manuel Feller (AUT) 1,91. 6. Felix Neureuther (GER) 2,13. 7. Luca De Aliprandini (ITA) 2,15. 8. Henrik Kristoffersen (NOR) 2,25. Ferner: 10. Justin Murisier (SUI) 3,05. 23. Marco Odermatt (SUI) 4,35. 24. Gino Caviezel (SUI) 4,76. 26. Manuel Pleisch (SUI) 6,84. - Nicht gestartet im 2. Lauf: Loïc Meillard (SUI/Knieprobleme)- Ausgeschieden im 2. Lauf: Alexis Pinturault (FRA).