«Es herrscht eine riesige Betroffenheit bei uns. Das Ganze ist sehr, sehr tragisch.» Für Pipo Kofmehl, Leiter der Kulturfabrik Kofmehl, ist das eingetroffen, was er hoffte, nie erleben zu müssen: Ein schwerer Unfall in der Kulturfabrik mit zuletzt gar tödlichen Folgen für einen 28-jährigen Mann aus Solothurn.

«Es war am letzten Mittwoch. Wir hatten bei uns ein Konzert mit sieben Gitarrenbands und die Halle war ziemlich gut gefüllt.»

Schockiert: Pipo Kofmehl, Leiter Kulturfabrik Kofmehl
Quelle: Wolfgang Wagmann
Wie bei solchen Konzerten üblich, kam es im Publikum zum sogenannten «Stagediving». Ermuntert durch die jeweilige Band, entern junge Leute die Bühne und springen von dort aus ins Publikum – das normalerweise die Herabspringenden auffängt, ohne dass es zu Blessuren kommt.

«Unglücklicherweise wurde dieser Besucher von den Besuchern nicht richtig aufgefangen und ist auf den Boden gefallen. Ein Security-Mann reagierte sofort, half dem Besucher und unverzüglich wurde auch unsere Notfall-Organisation aktiv.»

Das Care-Team der Kulturfabrik habe schnell und vor allem auch richtig reagiert, betont Pipo Kofmehl.

Zuerst schien alles noch harmlos

Anfänglich sah es sogar ganz so aus, als sei der Zwischenfall noch halbwegs glimpflich abgelaufen. Denn das Sturzopfer ging umher, wusch sich die Hände und wollte anschliessend selbstständig die Heimkehr antreten. «Unser Team entschied jedoch darauf, dass er sofort in Spitalpflege gebracht wird», schildert Pipo Kofmehl den weiteren Verlauf des verhängnisvollen Abends.

Offenbar seien dann Komplikationen aufgetreten, Pipo Kofmehl erwähnt auch einen «epileptischen Anfall».

Beitrag von TeleM1
Quelle: TeleM1

Jedenfalls musste man in der Kulturfabrik am Freitag vom Tod des jungen Mannes Kenntnis nehmen – und auch die Kantonspolizei sowie die Staatsanwaltschaft besuchten nun das «Kofmehl». Das sei der normale Ablauf bei einem Todesfall «unter besonderen Umständen». «Auch unser Team wurde informiert und mit den Behörden stehen wir in sehr gutem Kontakt», versichert Pipo Kofmehl.

Für den der schwerste Moment noch bevorstand: Der Anruf an die Trauerfamilie – es sei ein sehr gutes Gespräch mit dem Vater des Verstorbenen gewesen. Schlimm sei auch gewesen, dass einige Mitglieder des Teams den Verstorbenen persönlich gekannt hatten. Und zum Thema «Stagediving» kann Pipo Kofmehl nur eines ergänzen: «Bei uns gabs dabei nie einen Zwischenfall, mir sind aber auch sonst keine bekannt.» Immerhin sei der Sprung ins Publikum bereits seit 40 Jahren vor allem an Gitarrenkonzerten weit verbreitet.

«Es handelt sich um einen Unfall»

Thalia Schweizer, Mediensprecherin der Kantonspolizei, bestätigt den tragischen Vorfall in der Kulturfabrik Kofmehl. Die Polizei selbst habe erst am Donnerstag vom Unfall erfahren. «Wir sind am Mittwoch nicht informiert worden», so Schweizer. Am Donnerstag dann habe das Spital eine Meldung an die Kapo gemacht, als der Mann nach einer Verschlechterung seines Zustandes in das Berner Inselspital überführt werden musste, wo er dann am Freitag verstorben sei.»

Es handelt sich um einen Unfall», sagt die Polizeisprecherin. Und fügt an: «Wir klären derzeit aber noch die genauen Umstände ab, um eine Dritteinwirkung ganz ausschliessen zu können.»