In Büetzerkluft, und mit Helm, Elektro-Scooter und Gummistiefeln ausgestattet, braust Benno Krämer an Palmen vorbei zum Rednerpult. So erlaubte sich der Messeleiter zur gestrigen Eröffnung der viertägigen «Eigenheim» eine Inszenierung dessen, was er in den letzten acht Wochen zu tun hatte. 6500 Quadratmeter Messefläche, 160 Aussteller, zwei zusätzlich aufgebaute Zelte zeugen von der Expansion: «Für meine Frau Monika und mich war es eine lehrreiche intensive Zeit», erinnerte er sich vor 150 geladenen Gästen in der «Grünen Oase» an die zurückliegenden Wochen.

Zusammenlegung dient der Region

Mit einem Rückblick schloss danach auch Gastredner Christoph Rölli an: «Noch im letzten Jahr gab es in Solothurn zwei thematisch ähnliche und fast gleichzeitig stattfindende Messen.» Der Präsident der Stadt- und Gewerbevereinigung (SGSo) ist gleichzeitig VR-Präsident der Rythalle AG, jener Unternehmung also, die bis letztes Jahr die «Eigenheim»-Konkurrentin «Socasa» betrieben hatte. «Man sagt zwar, Wettbewerb belebe das Geschäft», so Rölli: «Aber wenn der Markt nicht gross genug ist, um Potenzial für mehrere Anbieter zu bieten, dann funktioniert dieser Mechanismus nicht mehr.»

Für ihn sei die Zusammenlegung ein richtiger Entscheid, der den regionalen Ausstellern diene und auch im Sinne der SGSo sei: «So wird heute nicht die Geschichte von zwei Messen fortgeschrieben, sondern der Grundstein zu einem neuen Produkt gelegt.» Eines das, wie Rölli hofft, «seinen regionalen, solothurnischen Charakter behalten» werde.

«Grüne Oase», das «Socasa»-Erbe

Rund zehn Aussteller sind von der aufgelösten «Socasa» in die «Eigenheim» immigriert. Die Lüthy Zäune AG aus Subingen ist eine davon. Wie Geschäftsführer Erich Lüthy ausführt, sei gerade auch die Übernahme der «Grünen Oase», der Gartenbau-Sektor der «Eigenheim», ein Grund gewesen, die Messepräsenz fortzusetzen: «Hier sind wir nicht in einen regulären Stand eingepfercht.»

Vom speziellen Ambiente der Sonderhalle profitiert auch Patrik Scherzinger, Geschäftsführer der Sprudel GmbH aus Ziefen BL: «Messebesucher verlangen immer mehr eine besondere Messegestaltung. Insofern dürfte die Atmosphäre hier uns zugutekommen.» Es ist dies eine Atmosphäre, die so weit führt, dass die Besucher bei seinem Stand auch mal in ein Sprudelbad eintauchen.

Im Trend ist das Angebot von Christof Zandomeni aus Reinach BL. Er ist einer unter vielen, der an der Eigenheim-Messe mit Solartechnik vertreten ist. Doch der Geschäftsführer relativiert: «Es wollen zwar alle weg vom Atomstrom», dennoch stünden - gerade auch mit Wartelisten und drohenden Einschränkungen von Fördergeldern - für den Bauherrn einige Steine im Weg: «Die Hauptfrage, die sich ein Käufer stellt, ist schon die nach der Amortisation einer Anlage.» Die schönste, wenn auch seltene Rückmeldung seitens potenzieller Kunden sei für ihn aber diese: «Fördergelder hin oder her, es zählt der ökologische Gedanke.»

Auch Wasserstadt ist präsent

Auf einen erneuerbaren Rohstoff, nämlich Holz, setzt die Schmid & Co Holzbau in Günsberg. Das Familienunternehmen ist bei der «Eigenheim» seit der ersten Messe dabei: «Uns geht es unter anderem ums Kontaktknüpfen», verrät Peter Schmid. Im Rahmen des 100-Jahre-Jubiläums des Unternehmens gelte es aber auch, das Branding des neuen Firmenlogos in die Öffentlichkeit zu tragen.

Auf der gegenwärtigen Welle der Aufmerksamkeit reitet die Bracher und Partner AG aus Solothurn - sie präsentiert ein Modell der Wasserstadt Solothurn, auf dem sich der eine oder andere vielleicht bereits heute schon sein Eigenheim ausmalt.

Vor allen Träumen rund um die eigenen vier Wände steht die Finanzierung. «Wir haben viele Hypothekarkunden in der Region», begründet Stephan Flück, «Postfinance»-Filialleiter Olten, das Standdebüt an der «Eigenheim». Einerseits wolle man sich als Anbieter festigen, andererseits bestehende Hausbesitzer beraten.

Für die beiden Besucher Bianca Portner und Steven Herron stand das Wichtigste bereits fest, bevor sie die Tür zur «Eigenheim.2012» aufstiessen. Diesen Sommer wird gebaut - «im Landhausstil», wie Portner verrät. An der Messe holt sich das Paar noch die letzten Ideen für den Feinschliff an ihrem Eigenheim-Traum.