Zuvor hatte der Vorsitzende der dreiköpfigen Jury mit Beat Mazenauer und Christine Tresch, Hans Ulrich Probst, auf sieben Seiten die Laudatio auf den Preisträger gehalten.

Probst würdigte Bärfuss’ Schaffen als ein facettenreiches Werk, in dem sich der Autor aus persönlicher Dringlichkeit den existenziellen Fragen dieser Zeit widmet. Er verglich Bärfuss mit einem anderen grossen Schweizer Schriftsteller, der sich den Fragen seiner Lebens-Zeit mit ähnlicher Intensität widmete: Max Frisch.

«In intensiven Szenen und packenden Geschichten untersucht Bärfuss Entwicklung und Widersprüche im Verhältnis von Individuum und Gesellschaft. Leidenschaftlich engagiert, dabei in einer suggestiven, so bestechend schönen wie unerbittlich klaren Sprache, lotet der Autor die Untiefen unserer Selbstverständlichkeiten aus», resümierte der Laudator, nachdem er näher auf Bärfuss’ jüngsten Roman «Koala» und auf seinen Roman aus dem Jahr 2008, «Hundert Tage», einging. Probst: «Der 1971 in Thun geborene Lukas Bärfuss war nach eigener Aussage ein Schulversager, doch früh ein manischer Leser.» Nach verschiedenen Tätigkeiten bezeichnete er sich ab 1998 als «Schriftsteller», jedoch ohne bis dahin etwas publiziert zu haben. Erst durch ein Stipendium der Lydia-Eymann-Stiftung Langenthal und dank der Zusammenarbeit mit dem Berner Regisseur Samuel Schwarz konnte Bärfuss den Beweis antreten: Texte zu schreiben für Leser und fürs Theater.

Das Solothurner Klima

Die Zeit dieser frühen schriftstellerischen Versuche nahm Bärfuss in seiner Dankesrede wieder auf. «Solothurn ist eine erstaunliche Stadt. Sie muss ein Reizklima haben, das mich immer wieder herausfordert und provoziert. Solothurn hat mir Mut zum Risiko gemacht, indem ich es in den frühen Neunzigerjahren wagte, an den Literaturtagen im ‹offenen Block› einen meiner damals zusammengestiefelten Texte zu lesen. Auch meine erste öffentliche Lesung als Schriftsteller hatte ich hier. Allerdings bin ich damals ohne Text, nur mit einer «‹Hermes Baby-Schreibmaschine› angereist. So romantisch war ich damals.» Einen Text konnte Bärfuss dank Nachtarbeit im Hotel dann dennoch vorlesen. «Vielleicht liegt es auch an der Aare. Sie fliesst stetig dahin und trägt alles mit sich fort.»

Bärfuss nahm den Vergleich mit Max Frisch auf und erinnerte an dessen Rede zum 75. Geburtstag ebenfalls an den Solothurner Literaturtagen 1986. «Ein alter Mann mit schlechter Laune», sei Frisch da gewesen und er habe in seiner Rede auf damals gesellschaftlich relevante Umstände hingewiesen. «Doch wir leben heute in einer anderen Welt. Viele der damaligen Probleme hätten sich erledigt und neue seien entstanden.

Bärfuss bemängelte in erster Linie den heutigen Verlust der Empfindsamkeit. «Gefühle werden heute nur noch beansprucht oder zitiert. Und wenn Gefühle vorhanden sein dürfen, sollen sie eindeutig ausfallen. Dabei sei das schwierig. Der heutige Mensch gebe ungern «sowohl/als auch» zu. Oder begehren und verabscheuen zugleich. «Was uns heute bedroht, ist der Populismus. Doch wer weiss», so Bärfuss zum Schluss, «vielleicht haben sich meine Fragen in den nächsten 26 Jahren auch erledigt und alles ist besser. Ich fände es auf jeden Fall schön, wenn wir uns alle besser kennen lernen würden und plädiere zu einem Zurück zur Empfindsamkeit.»