Diese uralte Solothurnerin hat schon viel Wasser die Aare runterfliessen sehen: Seit 1686 steht das als «Gressly-Haus» bekannte Gebäude überschattet von mächtigen Platanen am Kreuzackerquai. Nun braucht das Schmuckstück aber einen neuen Namen: Die Ära Gressly ist zu Ende, wie Fabian Gressly, bisheriger Mitbesitzer und Mitglied der Erbengemeinschaft, auf Anfrage mitteilt.

Aufs Jahr genau vor 200 Jahren hatten es Theresia Gressly-Münch aus Bärschwil, ihre Tochter Rosa und Schwiegersohn Franz Scherer erstanden. Zweimal wurde es seither grösseren baulichen Veränderungen unterzogen, 1906 und 1928. Seit Ende November sind nun andere «Schwarzbuben» im Besitz der Liegenschaft. Bernadette und Reto Antener eröffnen dort Anfang Januar ihr Treuhandbüro für kleinere und mittlere Unternehmen sowie Spitexbetriebe.

Denkwürdige Geschichte

«Wir haben für das Haus keinen Nutzen mehr in unserem Sinne», begründet Gressly den Verkaufsentscheid. Zudem bringe eine Liegenschaft mit baugeschichtlicher Bedeutung eine grosse Verpflichtung mit sich. «Deshalb sind wir nun auch froh, dass das Gebäude eine Zukunft hat.» So sicher wie die Zukunft des Hauses, so bedeutsam seine Vergangenheit: Stuckaturdecken, Wandmalereien mit Motiven – unter anderem aus der griechischen Mythologie – sowie eine hauseigene Kapelle mit Altar und Bänken zeichnen das Interieur aus – unter anderem.

Die kantonale Denkmalpflege stand Gresslys stets zur Seite, war bei der Handänderung dabei und begleitet nun auch die neuen Besitzer bei der Sanierung. «Zudem haben wir Erfahrungen mit solchen Gebäuden», erklärt Reto Antener, neuer Mitbesitzer: «Bereits sehr früh haben wir mit der Denkmalpflege Kontakt aufgenommen.» So förderten die bisherigen Abklärungen bemerkenswerte Erkenntnisse zutage. Was Antener bislang sagen kann: «Es sind bei der Renovation unerwartet Wandmalereien zum Vorschein gekommen. Die Baugeschichte des Hauses muss wohl umgeschrieben werden.» So sei auch die Raumaufteilung ursprünglich anders gewesen, und unter den Stuckaturdecken seien ältere Fassungen hervorgekommen.

Dienstleistung vor Ort

Den Plänen des Treuhandunternehmers Finanz-Treuhand A-Z GmbH kommen diese Erkenntnisse nicht in die Quere. Zudem werden die Mietverträge der drei bisherigen Wohnparteien übernommen. Für sich selbst beanspruchen Reto und Bernadette Antener lediglich eine eigene Privatwohnung im Ostteil des ersten Stocks – die so genannte Beletage – und das Treuhandbüro im Parterre.

Doch warum das «Gressly-Haus»? – «Wir haben es nicht bewusst gesucht. Aber da wir viele Kunden in der Region Solothurn haben, lag diese Geschäftseröffnung nahe.» Ausserdem dränge es sich für Treuhand-Dienstleister für Spitex-Betriebe auf, bei den Kunden vor Ort zu sein – so wie es die Spitex selbst eben auch tut: «Der Kunde braucht die Dienstleistung vor Ort. Nähe ist uns sehr wichtig.»

Neben der Administration von der Buchhaltung bis zur Arbeitskraftbeschaffung bieten Anteners auch Beratungen, Schulungen oder Projektbegleitungen an. «Gerade der Verwaltungsbereich ist für Spitex-Leute zuweilen ein Buch mit sieben Siegeln», verdeutlicht Antener den Bedarf. Bereits Anfang Januar soll das Büro in Betrieb genommen werden, die Sanierung wird im März beendet sein.