Die Schülerverpflegung am Berufsbildungszentrum (BBZ) Solothurn-Grenchen findet nun nicht mehr im dunklen, kleinen und spärlich eingerichteten Keller statt. Nach einer langen Umbauzeit wurde am 9. Februar das neue Bistro eröffnet, gestern fand die offizielle Betriebsübergabe statt.

Bernhard Mäusli, Kantonsbaumeister, übergab das Eröffnungstablett an Rolf Schütz, Direktor des BBZ; dieser händigte es anschliessend an Jolanda Mathys aus, sie ist Ressortleiterin Schülerverpflegung des Gemeinnützigen Frauenvereins Solothurn. Dort, wo einst die Mediathek war, befindet sich jetzt das Bistro der Schule.

Das Kantonsgebäude wurde unter der Projektleitung von Beat Steinmann des Solothurner Hochbauamtes umgestaltet. «Wir hatten eine relativ enge Bauzeit, konnten aber alles rechtzeitig beenden und im festgelegten Kreditbereich bleiben», erklärt Steinmann.

Ein bunter Retro-Mix

Man merkt es kaum, aber hauptsächlich beim Mobiliar wurde das Budget eher tief angesetzt – es entstand ein Retro-Mix aus verschiedenen Stühlen und massiven Tischen, die runden und dunklen Lampenschirme komplettieren das Bild. «Die Einrichtung sollte für die Lernenden ansprechend sein», teilt Steinmann mit. Der Retro-Einrichtungsstil sei zurzeit ein Trend. Man habe für die Einrichtung auch in Brocante-Märkten eingekauft und möglichst viel Holz benutzt, das komme gut an und sei nachhaltig.

Ein ästhetischer, stilvoller und einladender Begegnungsraum für die Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen – anders als die sonst gewöhnlichen, sterilen Kantinen. «Das Bistro ist öffentlich, aber es wird wahrscheinlich nur von Lernenden und Lehrpersonen genutzt», sagt Schütz. Schliesslich wolle eine berufstätige, erwachsene Person wohl kaum in einem Raum voll mit Jugendlichen essen. Auch die Öffnungszeiten richten sich nach dem Schulbetrieb, so schliesst das Bistro um 16 Uhr, und während der Ferien wird nicht gekocht.

«Kein Konsumzwang»

Eine direkte Konkurrenz für die umliegenden Geschäfte sei das Bistro nur bedingt, unterstreicht Mathys. Früher wurde in der Cafeteria auch Essen angeboten, hauptsächlich Sandwiches, und es waren auch 80 Sitzplätze vorhanden, wie im neuen Bistro. Fastfood im traditionellen Sinne werde nicht offeriert, erklärt Mathys, «natürlich verkaufen wir noch Schnitzelbrote», dafür aber auch gesunde Kost, «dieses Angebot werden wir ausbauen».

Preislich werden die umliegenden Take-away-Angebote nicht unterboten: Mit neun Franken kostet eine Mittagsverpflegung ähnlich viel wie eine Mahlzeit in umliegenden Take-away-Lokalen. Zudem «besteht kein Konsumzwang», teilt Mathys mit, man könne das mitgebrachte Essen konsumieren oder die Mikrowellen benutzen.

Geleitet wird das Bistro vom Gemeinnützigen Frauenverein Solothurn, der auch die Mensa der Kantonsschule betreibt. Vom Frauenverein wurde ein Koch mit einem Jahresarbeitszeitmodell und weitere Frauen auf Stundenlohnbasis angestellt.

«Gewinnorientiert sind wir nicht. Wenn wir einen Gewinn machen, fliesst dieser nicht in die Vereinskassen, sondern wieder ins Bistro», so Mathys. Hinter dem Bistro stecke ein anderes Konzept als bei einem Restaurant: Man wolle hauptsächlich die Kosten decken und den Lernenden ein breites Angebot offerieren.

Wie ein «Café littéraire»

«Es sollte zur Begegnungs- und Verweilzone werden», betont Schütz. Man könne in diesem hellen Raum durchaus Aufgaben machen, sich miteinander unterhalten oder einfach entspannen. Auch gibt es eine WLAN-Verbindung, welche die Lernenden nutzen können. Im Bistro ist die Mediothek integriert. «Der Bestand wurde verkleinert, ein Teil befindet sich jetzt im Bistro, der andere wird künftig im Foyer sein», erklärt Beat Steinmann vom Hochbauamt.

Auf Lounge-ähnlichen Einrichtungen können die Lernenden «chillen» oder eben ein Buch lesen. Die Mediothek wurde in der Vergangenheit von den Lernenden kaum benutzt, «die Ausleihzahlen gingen massiv zurück», bestätigt Schütz. Mit dieser integrierten Lösung – die an die einstigen «Cafés littéraires» erinnert, welche heute wieder ein Hoch erfahren – wolle man die Bücher wieder näher zu den Menschen bringen, erklärt der Direktor.