In der Turnhalle des Schulhauses Brühl herrscht Hochbetrieb der besonderen Art. Fein säuberlich aneinandergereiht stehen kleine Marktstände, an denen Weststädterinnen und Weststädter zeigen, was in ihnen steckt. Ein ungeahntes Potenzial an Kreativität und verborgenen Talenten wird an diesem Samstagnachmittag sicht- und spürbar. Angeboten werden handgefertigte Strick- und Spielwaren, Accessoires, Schmuck, Natur- und Bioprodukte, Literatur und vieles andere mehr. Sogar Englisch- und Französischkurse können Wissbegierige in der Weststadt besuchen.

Ein Schreiner hat eine Hobelbank aufgestellt und macht auf seine Holzmöbel aufmerksam, die er aus wettergegerbten Brettern der Seebühne Thun angefertigt hat. Für das leibliche Wohl sorgen ausländische Quartierbewohner mit fremdländischen Spezialitäten.

Still und fleissig

Die Besucherinnen und Besucher staunen. «Ich wohne seit Jahren in der Weststadt und habe gar nicht gewusst, dass es in unserem Quartier so viele Menschen gibt, die im Stillen so schöne Sachen herstellen», sagt eine Frau im mittleren Alter. Eine andere freut sich über das gemütliche Ambiente und entdeckt bei der Sprossenwand eine Gruppe von Frauen, die sich in die Kunst des Yogas und Pilates einführen lassen und die Bodenübungen sichtlich geniessen. Daneben erklärt die Kinesiologin Marianne Schmid, dass diese Heilmethode hilft, Angstzustände zu lösen und Stress abzubauen.

Um Shazia Khan scharen sich vor allem junge Girls und lassen sich ein Tattoo aus Henna aufmalen, das zur Freude der 13-jährigen Eliane eine ganze Woche seine Wirkung entfalten wird. Etwas ganz anderes hat Robert von Burg im Sinn. Er bietet Jugendlichen jeweils am Samstag Computer-Technikkurse an, bei denen diese lernen können, wie ein Computer und das Internet funktionieren und damit verbunden, was Datenschutz bedeutet. «Alle können gamen, aber die wenigsten wissen, was ein Betriebssystem ist», weiss der Informatiker aus Erfahrung.

Strukturen geben, Sinn stiften

In einer ganz anderen Welt bewegen sich die bunt gekleideten Flüchtlingsfrauen, die Teil des Projekts «HEKS Neue Gärten» sind und selbst gemachte Kräuter, Sirup und Eingemachtes anbieten. Die Gartenfachfrau Regula Kramer: «Wir haben an der Allmendstrasse eine Gartenparzelle gepachtet und bieten den vom Sozialdienst zugewiesenen Migrantinnen, vor allem mit Kindern, eine Tagesstruktur und eine sinnvolle Beschäftigung an, bei der sie sich mit den schweizerischen Lebensgewohnheiten auseinandersetzen und ihre Deutschkenntnisse verbessern können.»

Während man gemütlich von Stand zu Stand schlendert, wird es plötzlich laut auf der Bühne. Schüler des Tanzstudios Tschui zeigen lautstark und in atemberaubendem Tempo, was sie gelernt haben. Doch damit nicht genug. Wenige Augenblicke später demonstriert der einheimische Opernsänger Carry Persson, wie Gesangsunterricht funktioniert. Es wird applaudiert und gepfiffen.

Ein gelungenes Experiment

Hinter dem erstmals durchgeführten Marktplatz Solothurn West stehen Melanie Martin, Regula Aepli, Ruth Andaschko und Liane Burren. «Wir haben uns an der letztjährigen Quartierkonferenz getroffen und bekamen Lust, ein Experiment zu machen, sozusagen als Pendant zum Weihnachtsmarkt», erzählt Melanie Martin. «Zu diesem Zweck haben wir ein Inserat aufgegeben und persönliche Kontakte geknüpft», präzisiert Regula Aepli, die für die Quartierarbeit in der Weststadt zuständig ist, im Namen aller Organisatorinnen.

«Gemeldet haben sich 25 Weststädterinnen und Weststädter, und wir haben allen zugesagt.» Das Ziel war, Kontakte zu knüpfen und zu zeigen, was die Weststadt alles zu bieten hat. Dass dies wahrlich gelungen ist, steht den vier Frauen ins Gesicht geschrieben.

An die 250 Personen haben den Anlass besucht und sich darüber gefreut, dass es für alle etwas zu erleben gab. An der Pinnwand steht jedenfalls geschrieben: «Das Ambiente war schön und die Vielfalt im Quartier spürbar.» Ob es auch im nächsten Jahr einen «Marktplatz Solothurn West» geben wird, lassen die Organisatorinnen im Moment noch offen. «Es war ein Versuch. Wir werden uns nun Gedanken über eine Fortsetzung machen.»