Hauptsache, es fährt möglichst bald wieder eine Bahn auf den Berg – egal welche: So der allgemeine Tenor in der Region Solothurn, nachdem dass Bundesamt für Verkehr (BAV) nach einem fast zweieinhalbjährigen Verfahren das Gondelbahn-Projekt der Seilbahn Weissenstein AG (Swag) Ende Januar bewilligt hatte. Noch bis Ende Monat läuft die Beschwerdefrist.
In einem offenen Brief appelliert der Solothurner Tourismusdirektor Jürgen Hofer an die Vernunft des Schweizer Heimatschutzes und der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz. Das Bundesamt für Verkehr habe mit der Konzessionserteilung für die neue Seilbahn einen Entscheid im Sinne der touristischen Entwicklung unserer Region gefällt. «Respektieren Sie diesen Entscheid und verzögern Sie die Umsetzung dieses touristischen Schlüsselprojektes nicht durch Einsprachen.» Das lange Tauziehen habe den Leistungsträgern in der Freizeitregion Grenchenberg – Weissenstein – Balmberg wirtschaftlichen Schaden zugefügt. «Die aktuelle Situation ist unhaltbar und harrt dringend einer Lösung.» Im touristischen Masterplan sei der Weissenstein als Ausflugsort für die ganze Familie positioniert. Dafür sei eine Seilbahn notwendig, welche auch die Bedürfnisse von Kindern, von älteren und von behinderten Menschen berücksichtige. «Mit dem Akzeptieren des Konzessionsentscheides ermöglichen Sie die Erschliessung dieser Region mit einer zeitgemässen Seilbahn und erweisen sich als verantwortungsbewusste Partner.»(szr)
Mit einem offenen Brief wendet sich nun Jürgen Hofer, Direktor von Region Solothurn Tourismus, an die Gegner – flehend, zum Wohle der Region auf einen Weiterzug ans Bundesverwaltungsgericht abzusehen (siehe Kontext).
Und was machen der Schweizer Heimatschutz (SHS) und die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL)? Letzte hält sich auf Nachfrage dieser Zeitung zu ihren weiteren Schritten noch bedeckt.«Wir klären seriös und objektiv ab», betont SL-Geschäftsführer Raimund Rodewald. Noch laufe die juristische Auslegeordnung zur 180-seitigen Bewilligung.
Flury in delikater Lage
Im Fokus steht bei der Stiftung die Frage, ob die Gondelbahn die national geschützte Landschaft zu stark beeinträchtige. Eher zweitrangig ist die Frage des Erhalts der historischen Sesselbahn, obwohl die Stiftung diese als Kulturgut in der Landschaft nicht ausser Betracht lässt. Laut Rodewald unterbereitet die Geschäftsführung den Entscheid dem Stiftungspräsidium. Dem Stiftungsrat bleibt in der Regel nach Ablauf der Beschwerdefrist nur noch der Entscheid, eine Beschwerde zurückzuziehen. Delikat: Stiftungspräsident ist der Solothurner Stadtpräsident Kurt Fluri. Dieser ist Befürworter einer Gondelbahn Rodewald klar ein Gegner dieser. Darauf angesprochen meint der Geschäftsführer: «Mit persönlichen Meinungen gewinnt man keine Prozesse.» Das wisse sowohl er wie Kurt Fluri. Entscheidend seien letztlich die Interessen der nationalen Stiftung und die juristischen Chancen.
Schritte prüfen
Aufseiten des Schweizer Heimatschutzes ist Geschäftsleiter Adrian Schmid Ansprechperson. Dieser weilt aber in den Ferien und war gestern nicht erreichbar. Philipp Gressly, Präsident des Solothurner Heimatschutzes, sagt aber ebenfalls, dass die weiteren Schritte «sorgfältig geprüft werden». Auf Gerüchte angesprochen, wonach sich die Solothurner Sektion und der Dachverband nicht einig sein sollen, sagt Gressly: «Davon habe ich noch nie etwas gehört.» Es liege aber in der Natur der Sache, dass es von jeher auch unter den Mitgliedern verschiedene Meinungen zum Thema gebe. Beim Heimatschutz steht klar der Erhalt der Sesselbahn als Denkmal von nationaler Bedeutung im Fokus.
Nationale und regionale Interessen
Angeblich treffen sich noch vor Ablauf der Beschwerdefrist die Swag und Gegner. Offiziell bestätigen will dies aber niemand. Beschwerde oder nicht? Darüber kann also nur spekuliert werden. Für einen Verzicht der Stiftung Landschaftsschutz spricht, dass das Gondelbahn-Projekt bezüglich Eingriff in die Landschaft aufgrund des Widerstandes optimiert werden könnte. Dies bestätigt auch das Bundesamt für Umwelt.
Gegen einen Verzicht des SHS wiederum spricht, dass der Erhalt der Sesselbahn und der Neubau der Gondelbahn schlicht nicht unter einen Hut zu bringen sind. 2010 hat der SHS ausserdem den nationalen Verkauf des Schoggitalers auch der Rettung der Sesselbahn Weissenstein gewidmet. Damit hat er sich zu sehr verpflichtet, als dass er nach dem erstinstanzlichen Entscheid zur Baubewilligung einfach den Berg räumen könnte – auch wenn die Solothurner dafür dankbar wären.