Solothurn
Aktualisiert am 03.02.12, um 10:25 von Wolfgang Wagmann
 

Bei Wagenbauzünften geht die Angst vor der Obdachlosigkeit um

Fasnachtwagen am Umzug 2011
Quelle: Oliver Menge
Noch nie hatten in den letzten Jahrzehnten die Solothurner Fasnachtsoberen zu einer Medienkonferenz geladen. Gestern fand die Premiere statt, weill sich die Fasnächtler um die Zukunft sorgen. von Wolfgang Wagmann
 

Max Kaeser, Ober-Ober der Vereinigten Fasnachtsgesellschaft UNO, Claudio Weibel, Ober der Hudibras-Chutze, und Hauptgassleist-Ober Res Walker luden zur Premiere: Zu drückend sind offenbar die Zukunftssorgen vieler Wagenbauzünfte geworden. «Die schöne Tradition der Umzugswagen an der drittgrössten Fasnacht der Schweiz ist mehr und mehr gefährdet», hielt Kaeser eingangs fest. Denn ein Dutzend der 15 Wagenbauzünfte stehe in Sachen Unterkunft «auf wackeligen Beinen», wie der Ober-Ober zuletzt auch auf seiner alljährlichen vorfasnächtlichen Inspektionstour hatte erfahren müssen.

30 Anfragen ohne Treffer

Ein plastisches Beispiel für die Bemühungen um eine mittel- bis langfristige Hallenlösung lieferte Claudio Weibel, Ober der 1965 gegründeten Hudibras-Chutze, die mit ihren 50 Aktiven vorläufig für zwei Jahre Unterschlupf im Gewerbegebiet Obach gefunden haben. «Dafür sind wir sehr dankbar», denn vor zwei Jahren hatte man die lange Jahre benutzte Halle auf dem Borregaard-Areal «wegen Eigenbedarf» räumen müssen. «Seither haben wir 30 Anfragen in der ganzen Region lanciert – ohne Erfolg.» Das Problem sei überall dasselbe: Obschon riesige Industriebrachen wie im Attisholz oder zuletzt auch in Biberist vorhanden sind, wollen die Eigentümer ihre Hallen zu Marktmieten und nicht nur für sechs bis acht Wochen Wagenbauzeit hergeben.

Im Fall Borregaard wären – um die Verfügbarkeit des Areals nicht einzuschränken – auch nur kurzfristig kündbare Mietverträge möglich gewesen, «dazu kommt, dass sich viele Hallen von der Höhe her für den Wagenbau auch gar nicht eignen», so Weibel. Zudem bewirtschaften nach Max Kaesers Ansicht viele Betriebe ihre Hallen viel intensiver, die Ansprechpartner seien oft weit weg und hätten keinen Bezug zur Fasnacht, oder konzerninterne Sicherheitsbestimmungen schliessen den Zugang betriebsfremder Personen auf vielen Firmenarealen aus.

Strohhalm städtischer Werkhof

«Die Wagenbauer der ‹Wüude› müssen jeden Abend nach dem Bauen wieder raus und setzen die Einzelteile des Wagens dann kurz vor dem Umzug draussen zusammen», schilderte Max Kaeser eine besonders prekäre Situation, die auch «seinem» Hauptgassleist droht. Denn die zweitgrösste Wagenbauzunft mit 69 Umzugsteilnehmern, davon 20 Kindern, ist nur für zwei Jahre untergebracht und könnte schon bald ebenfalls vor dem Nichts stehen. Ober Res Walker hat deshalb zusammen mit seinen HGL-Kollegen und den Hudibras-Chutze Abklärungen beim Städtischen Werkhof unternommen. «Dieser platzt aus allen Nähten und könnte seine Platzprobleme beispielsweise mit einem neuen Standort in der Rossallmend lösen.»

Und dort, in einem neuen Werkhof, fänden sich auch Nischen für zwei, drei Wagenbauzünfte, «denn im Winter sind die Schneepflüge und Lastwagen draussen, was für einige Wochen den Wagenbau drinnen ermöglichen würde», verwies der HGL-Ober auf Gespräche insbesondere mit Werkhofchef Patrick Schärer, die bereits vor einiger Zeit geführt worden waren.

Inzwischen habe auch die Politik die Vorteile eines neuen Werkhofs erkannt und die CVP gar in einer Interpellation die Stadtbehörden zu einer Stellungnahme aufgefordert. Illusionen macht man sich allerdings in den Reihen der Wagenbauer kaum – die nächsten fünf Jahre würde wohl kaum etwas passieren, da «vorher andere wichtige Hochbau-Projekte der Stadt anstehen und die Kapazitäten im Stadtbauamt knapp bemessen sind», wie Max Kaeser nach entsprechenden Reaktionen aus dem Stadtbauamt weiss. Dennoch sei es wichtig, wurde auch von anderen anwesenden Zünftlern betont, dass man sich wenigstens jetzt schon um die Evaluation des künftigen Standortes für einen neuen Werkhof kümmere.

Denn eines steht für Max Kaeser fest: «Die Wagenbauzünfte gehören zu einem lebendigen Umzug, und ein lebendiger Umzug gehört zur Solothurner Fasnacht, die ihrerseits auf der nationalen Liste der lebendigen Traditionen steht. Dieses wichtige Kulturgut gilt es in allen Facetten zu erhalten.»

(az)
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