Die Rückkehr der Solothurner Plakettenbörse ins Museum Altes Zeughaus MAZ nach dessen Gesamtrenovation war ein voller Erfolg. Diese Neugestaltung ermöglicht eine grosszügige Präsentation in einer lockeren Ambiance. «Wir pflegen alte Traditionen und die Fasnacht ist auch so eine, die in unser Konzept passt», äusserte sich Co-Museumsleiter Jürg Räz, selbst Fasnächtler als Fahrer des Umzugswagens der Narrenzunft Honolulu höchst zufrieden.

Um die 300 Personen beehrten diese 35. Börse gemäss Plakettennarr Toni Armbrust. «Diese Rückkehr ist eine ‹absolute Bombe’, wobei wir auf eine erstklassige Unterstützung durch das Museum Altes Zeughaus zählen durften und die Zusicherung vorliegt, in den nächsten Jahren wieder Gastrecht zu erhalten», freute sich der Organisator der Vereinigten Fasnachtsgesellschaft Solothurn UNO.

Nebst dem eigentlichen Zweck des Handelns mit Schweizer Fasnachtsplaketten entwickelt sich diese Börse immer mehr zu einem Treffpunkt für Fasnächtlerinnen und Fasnächtler jeglichen Alters und jeglicher Provenienz. Diese tolle Stimmung wurde zudem durch den guggenmusikalischen Beitrag der Konfettistampfer und ein ausgiebiges Apéro gefördert.

Wenig «Weltbewegendes»

Insgesamt wurden Plaketten an 14 Tischen – vier mehr als 2016 in der Vorstadt – nicht nur bestaunt, sondern auch ver- und gekauft. Einige Verkäufer monierten, «nichts Weltbewegendes» sei feil gehalten worden. «Es hatte viele Leute, aber verkaufen konnte ich nichts», stellte Peter Pulfer fest. Der Neo-Biberister schätzt allerdings mehr, «dass man Leute trifft, die man lange nicht gesehen hat». Der Langenthaler Rolf Uhlmann kam früher schon sporadisch an die Solothurner Börse. «Gut, gibt es diese Börse und läuft nicht alles nur übers Internet», sagte der Spezialist für Luzerner und Langenthaler Plaketten. «Verkauft habe ich nicht wirklich viel, aber die Standmiete habe ich heraus geschlagen», ergänzte der Oberaargauer. Vielmehr Freude machte ihm, neue Leute kennen zu lernen und neue Kontakte zu schaffen.

Und es gab sie doch - die Raritäten

Diese mehrheitlichen Wahrnehmungen konnte Armbrust jedoch relativieren. «Eine blau-orange Blechplakette von 1938, wobei es noch eine zweite in den Farben gelb-blau gibt, ein Silber-Knopf aus dem gleichen Jahr sowie eine 1966er Silber wechselten den Besitzer», wusste der UNO-Plakettenspezialist. Dem Vernehmen wechselten für diese Raritäten um die 1200, 800 und 500 Franken die jeweiligen Portemonnaies. Auch eine komplette Sammlung von Grossplaketten von 1970 bis heute ging weg. Weil der Verkaufende sie los werden wollte, sehr günstig für 150 Franken.

Nicht nur Plaketten, sondern auch «HGL-Bildli», der alljährliche kunstvolle Gönner des Hauptgassleistes, sowie eine komplette Narrenleiter – immer noch in den Originalpackungen – der Narrenzunft Honolulu fanden neue Besitzer. «Mein verstorbener Mann hat diese gekauft, aber unsere Nachkommen haben kein Interesse daran», erklärte die Witwe.

Wie eine Plakette entsteht

Viel Interesse löste das Video der Plakettenherstellerin Gravura aus dem luzernischen Rothenburg aus. Diese Bilder zeigen eindrücklich, wie viel Handarbeit hinter der Herstellung der Fasnachtsplaketten steckt. Nicht nur die Gestaltung, sondern auch dieser handwerkliche Ablauf macht sie zu einem echten Kunstwerk – das sind sich die Plakettentragenden gar nicht bewusst.