Wenn der Zeremonienmeister des Kunst-Supermarkts an Tausenden von Bildern vorbeigeht, wird er manchmal selbst ein wenig schwach. Peter Lukas Meier hält inne und mustert dieses oder jenes Exponat – und vielleicht malt er sich aus, wie passend das Stück Kunst sein Büro oder sein Zuhause zieren würde. Nicht anders dürfte es den Besuchern und potenziellen Käufern gehen, die nach der gestrigen Vernissage seit heute in der Rothus-Halle an der Schöngrünstrasse auf Einkaufstour der anderen Art gehen.

Um ihretwillen hält sich Meier mit persönlichen Einkäufen zurück – über 3000 Stück wurden vergangenen Winter am 14. Kunst-Supermarkt verkauft. Insgesamt 4000 Kleinode für die heimischen Wände stehen auch bei der diesjährigen 15. Durchführung zum Verkauf bereit, weitere 2000 warten im Lager auf Abnehmer. Und sobald die Werke eines Künstlers in grosser Zahl über den Ladentisch gegangen sind, wird dieser von Meier um Nachschub angefragt. Das kommt durchaus vor, obschon das Erfolgsmodell im Kunst-Supermarkt auf die Ausgewogenheit der Stile abzielt: «Unser Angebot lebt davon, dass die Geschmäcker verschieden sind», erklärt Meier.

Unikate und Originale

Kunst kommt denn hier auch in vielen Facetten vor: solche, die den Geist zu Gedanken anregt, solche, die aus purer Stimmung besteht, solche, die erheitert und solche, die bestürzt. Der Besucher wandelt an Marilyn Monroe, Plüschmonstern, hyperrealistischen Lederstiefeln und Postkartenstränden vorbei und trifft auf Assoziationen über Körperkultur, Migration oder Nostalgie. Figuratives und Abstraktes begegnen ihm auf seiner Shoppingtour. Von Trends will Meier denn auch nicht sprechen: «Jeder Betrachter misst einem Bild eine andere Bedeutung bei», sinniert er.

So fühlt man sich hier ein wenig an van Gogh, da an Magritte oder dort an Warhol erinnert, ohne dass der Originalitätscharakter der Werke verloren geht. Denn auch wenn die grellroten Preisschilder von 99 bis 599 Franken unvermeidlich an ein konventionelles Shoppingcenter erinnern, gibt es doch einen wesentlichen Unterschied: Im Kunst-Supermarkt trifft man nur auf Unikate und Originale.

Keine verramschten Werke

Rund ein Viertel der Künstler ist dieses Jahr neu dabei, während ein Teil der bisherigen pausiert. Derweil weist die Liste jener, die nicht zum Zug kommen, eine stattliche Länge auf: «Wir hatten 500 Bewerbungen, doch oft sind es Eingaben mit künstlerischen Zufallstreffern oder solche, die sonst nicht in unser Format passen.» Und einem wichtigsten Qualitätscredo will Meier weiter treu bleiben: «Alte Werke verramschen – das lassen wir nicht zu.» Was älter als fünf Jahre ist, hat im Kunst-Supermarkt nichts verloren.

Umso erfreuter nimmt Meier zur Kenntnis, dass sich «Stammkünstler» schon mal eine neue Handschrift zulegen oder Neues ausprobieren, obwohl sie sich über den Run auf ihre bisherigen Exponate nicht beschweren könnten. «Der Anlass lebt eben auch von der Weiterentwicklung der Künstler», so Meier. Ausserdem sei bei der Auswahl der Künstler der Verkaufserfolg nicht das einzig selig machende Kriterium. Weiterentwickeln soll sich auch der Anlass selbst: «Wir müssen auf jeden Fall kritisch bleiben und auch mal neue Wege ausprobieren», so Meier.

Das Thema Konkurrenz

Die Vielfalt der Werke erklärt sich auch durch die geografische Weitläufigkeit. Es kommt nicht von ungefähr, dass sich die Veranstaltung «Schweizer Kunst-Supermarkt» nennt. Lediglich eine Handvoll der 82 Aussteller stammt aus der Region. Der Radius reicht gar über die Schweizer Grenze hinaus: 15 Nationen sind im Reigen vertreten. Dass hingegen die regionale Vertretung eher bescheiden geraten ist, habe gute Gründe: Hiesige Künstler könnten die hier angesetzten Preise gegenüber den höheren Galeriepreisen kaum rechtfertigen. Hinzu kommt der bekannte Umstand, dass zwischen der lokalen Kunstszene und den Machern des Kunst-Supermarkts bekanntlich wenig freundschaftlichen Bande bestehen. «Doch Konkurrenz belebt den Markt», ist Meiers langjährige Devise. Und sein Marktvorteil: «Zu uns kommen Leute, die sich sonst nicht in eine Galerie wagen; weil die dortige Kunst ihnen zu fremd oder zu teuer ist.»

Knapp zwei Monate lang – bis zum 4. Januar – steht der Kunst-Supermarkt neugierigen Besuchern offen. Zahlreiche Rahmenveranstaltungen wie Künstlerateliers vervollständigen das Programm. Denn neben dem Verkauf von Kunst soll auch der Austausch über Kunst stattfinden.