Die Komödie «Der Vorname» der beiden bekannten TV- und Film-Drehbuchprofis Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière aus Paris präsentierte in seinen witzigen und unterhaltsamen Dialogen alle Höhen und Tiefen menschlicher Auseinandersetzungen. In diesen Streitereien ging es schlussendlich nicht mehr allein um den Vornamen Adolphe, sondern vielmehr um persönliche Befindlichkeiten zwischen Mann und Frau oder auch zwischen Freunden. Regie führte sehr geschickt Ulrich Stark. Denn er brachte durch die Spieler viel Bewegung in die Dialoge hinein, damit der Spannungsbogen erhalten blieb.

Wenn Hitler ins Spiel kommt ...

Ein gemütlicher Abend sollte es werden, als sich das Ehepaar Elisabeth, glänzend gespielt durch Anne Weinknecht, und ihr Mann, der Literaturprofessor Pierre, temperamentvoll interpretiert durch Christian Kaiser, bereit machten, ihre Gäste zu empfangen. Der Musiker Claude, amüsant dargestellt durch Benjamin Kernen, kam als Erster zu Besuch: elegant, verspielt und höchst differenziert.

Darauf folgte der Bruder von Elisabeth, Vincent, der auch Pierres Jugendfreund war und köstlich durch Martin Lindow gespielt wurde. Als Letzte trudelte etwas verspätet Vincents Ehefrau Anna ein, ausgezeichnet dargestellt durch Julia Hansen. Anna war schwanger und ihr ungeborenes Kind war der Anlass für die Suche nach einem Vornamen.

Bevor sie auftauchte, begann die penetrante Fragerei nach dem Vornamen des zu erwartenden Kindes. Sie nahm eine Dimension von erschreckendem Ausmass an. Die Neugierde aller rächte sich, denn unter Druck gestand der werdende Vater Vincent: Da es sich aufgrund der Bildaufnahme um einen Sohn handle, würden er und Anna das Kind Adolphe nennen.

Diese Aussage glich einer Explosion. Vor allem Pierre staunte und entrüstete sich über die unglaubliche Verhaltensweise seines Freundes, sein Kind mit einem solchen Namen zu strafen. Adolf Hitler kam ins Spiel und es nützte Vincent nichts, dass er den Namen Adolphe aus einem Roman als ein Symbol der Liebe definieren wollte.

Vorwürfe aller Art

Als die werdende Mutter Anna in den Raum trat, ging die Auseinandersetzung weiter. Der Vorname Adolphe wurde zum Fixpunkt für die beiden Kampfhähne Pierre und Vincent. Hintergründiges, Böses machte sich im Raum bemerkbar, Egoismus und Geiz wurden einander vorgeworfen, aber auch andere negativ besetzte Eigenschaften.

Die Streitereien nahmen ständig neue Formen an, bald erlebte man Anschuldigungen unter den Partnern, dann unter den Freunden und auch Claude als Single musste daran glauben. Plötzlich musste er sich rechtfertigen, dass er nicht schwul war und er musste in der Folge seine Karten auf den Tisch legen. So gestand er, dass er eine Geliebte habe. Es sei dies Françoise, die Mutter von Vincent und Elisabeth. Die Geschwister erstarrten, Hass und Abneigung machten sich breit, bei Vincent Wut bis hin zur Handgreiflichkeit.

Amüsant, aber auch erschreckend direkt erlebte man all diese Anschuldigungen und verfolgte die brillanten Dialoge, die aufzeigten, wie sehr neben den einfachen banalen Handlungen der Ernst des Lebens wohnt und wie rasch einen etwas höchstpersönlich treffen kann, wenn es eine andere Dynamik annimmt.

Grossmutter als Namensgeberin

Diese Komödie zog in der Tat alle Register. Und das Urkomische dabei war, dass man den Häppchen und dem Essen hastig nachging, viel Wein konsumierte und doch zu keinerlei Gemütlichkeit fand; denn die menschlichen Begebenheiten und Unzulänglichkeiten gaben den Ton an. Dass die Mutter Françoise zur Geliebten Claudes wurde, war eine Tatsache, die zu schaffen machte, weil sie völlig unerwartet daher kam und weil sie nicht in das Gewohnte passte, das man sich in seinem Leben bereitlegte.

Das Publikum erlebte eine Komödie voller Witz und Charme, aber auch geprägt von Ironie für jede Art von Situationskomik. Doch die Pointe zum Schluss war wirklich ein Höhepunkt. Die Runde löste sich auf, verärgert und enttäuscht. Vincent – zerstritten mit seiner Frau – suchte sich als Letzter ein Ruheplätzchen auf Pierres Sofa. Dann stand er auf und wandte sich zum Publikum: Sein Kind sei auf die Welt gekommen, und es sei nicht ein Junge, sondern ein Mädchen, ein reizendes Mädchen, wie er meinte. Es bekam den Namen seiner Grossmutter Françoise und die Geschichte, die das Leben schrieb, rundete sich versöhnlich ab.