Kinder aus fremdsprachigen Familien schon ab 2 bis 3 Jahren sprachlich fördern: Das ist das Ziel eines Projekts, das die Spielgruppe Bodesurri und der Verein Kulturpunkt in Schönenwerd schon im zweiten Jahr umsetzen.

«Es geht um die Chancen in der Schullaufbahn», bringt Brigitte Roser, Co-Präsidentin des Vereins Kulturpunkt, den Sinn der Sache auf den Punkt.
Die Zeichen für den Schulerfolg eines Kindes stehen schlecht, wenn es ohne jegliche Deutschkenntnisse in den Kindergarten eintritt.

Und das ist in der multikulturell zusammengesetzten Schönenwerder Bevölkerung keine Seltenheit. Das Projekt sei sozusagen aus der Not geboren, erklärt Brigitte Roser: «Der Unterricht im Kindergarten ist sehr schwierig, wenn viele Kinder überhaupt nichts verstehen.»

Spielgruppe mit Assistenz

Bereits seit August 2015 wird in der Spielgruppe Bodesurri an einem Morgen pro Woche gezielt der Schwerpunkt Deutsch gefördert. Neu wird im Schuljahr 2016/17 der Ansatz «Spielgruppe mit Assistenz» ausprobiert und als grosse Bereicherung empfunden.
Das funktioniert so: Die durchmischte Kindergruppe wird am Freitagmorgen jeweils nach der Begrüssung zusammen in ein Thema eingeführt.

Danach nimmt sich eine Fachfrau Zeit, um mit den fremdsprachigen Kindern den Wortschatz zum Themenfeld zu vertiefen oder in aller Ruhe nochmals zu repetieren. In der Zwischenzeit betreut eine Spielgruppen-Assistentin die anderen Kinder im freien Spiel. Das Mitwirken der Assistentin ermöglicht es, dass sich die Fachfrau auf die Sprachförderung konzentrieren kann.

Fachwissen und Erfahrung nutzen

Im Zentrum stehen engagierte und langjährige Vorstandsmitglieder des Kulturpunkts Schönenwerd: Jolanda Obrist als Spielgruppenleiterin und Fachfrau für die frühe sprachliche Förderung zusammen mit Zeljka Agatonovic als Spielgruppenleiterin mit Migrationserfahrung.

Die Projektentwicklung erfolgte in Austausch mit Brigitte Roser, Lehrerin mit der Fachausbildung MAS in transkultureller Kommunikation und Projektmanagement, die früher an der Schule Schönenwerd arbeitete und heute in Olten unterrichtet.

Die Mehrsprachigkeit unter den Spielgruppenleiterinnen konnte bereits gezielt eingesetzt werden, auch im Kontakt mit den Eltern. Zeljka Agatonovic, die nebst Deutsch und ihrer Muttersprache Serbisch auch weitere Sprachen des Balkans spricht: «Ich habe in Schönenwerd bereits beim Projekt ‹schritt:weise› als Hausbesucherin Erfahrungen gesammelt und hoffe, dass möglichst alle fremdsprachigen Kindern von ihren Eltern in die Spielgruppe gebracht werden.»

Das Fazit von Jolanda Obrist: «Ich bin überzeugt und weiss, dass diese Kinder in diesem Jahr schon sehr viel profitiert haben. Ich stellte fest, wie diese Kinder eine grosse Freude empfunden haben, in einer kleinen Gruppe ganz langsam etwas zu lernen und selbst auch öfter zu Wort zu kommen.»

Bei den fremdsprachigen Eltern kommt das Angebot offenbar gut an. «Es gibt Mütter, die gezielt am Freitag einen Platz buchen wollen, da sie daran interessiert sind, dass ihre Kinder frühzeitig Deutsch lernen», berichtet Brigitte Roser.

Generell ist die Spielgruppe Bodesurri gut ausgelastet: Ihre Gruppen sind jeden Morgen mit 9 bis 11 Kindern voll ausgelastet. Die Sozialregion Unteres Niederamt (SRUN) versucht, für die Kinder von Flüchtlingsfamilien Plätze in der Spielgruppe zu bekommen.

Das Pilotprojekt der frühen Sprachförderung in der Spielgruppe wird von der Gemeinde Schönenwerd seit 2015 mit 5000 Franken pro Jahr unterstützt. Gemeinderätin Charlotte Shah, Ressortleiterin Soziales, hat das Projekt besucht: «Ich bin beeindruckt, wie die Kinder motiviert und mit grosser Ausdauer dranbleiben können.»

Ausbau als nächstes Ziel

Die Förderchancen sind in diesem Alter gross und sollen in Zukunft noch besser genutzt werden können. Ziel des Vereins Kulturpunkt ist es, dass in Schönenwerd zukünftig zwei- bis viermal pro Woche eine «Spielgruppe mit Assistenz» durchgeführt werden kann. Gemeinderätin Shah bemüht sich zurzeit bei einer Stiftung um einen Finanzierungsbeitrag.