Ganzheitlich: Homöopathie

Die Homöopathie ist eine alternativmedizinische Behandlungsmethode, in der davon ausgegangen wird, dass «Ähnliches durch Ähnliches geheilt werden» soll. Ein Patient wird ganzheitlich betrachtet und es wird versucht, seine Selbstheilungskräfte zu stärken und zu aktivieren. Das gewählte homöopathische Arzneimittel hat an Gesunden ähnliche Symptome hervorgerufen wie jene, an denen der Kranke leidet. Die Heilmittel werden potenziert. Bei diesem Zubereitungsverfahren wird die Arzneisubstanz schrittweise mit Wasser oder Alkohol verschüttelt oder mit Milchzucker verrieben und dabei häufig so extrem verdünnt, dass der Ausgangsstoff nicht mehr nachweisbar ist.

Leben und wissen: Ayurveda

Wörtlich übersetzt bedeutet Ayurveda Lebensweisheit oder Lebenswissenschaft. Der Begriff stammt aus dem indischen Sanskrit und setzt sich aus den Wörtern Ayus (Leben) und Veda (Wissen) zusammen. Ayurveda ist eine Kombination aus Erfahrungswerten und Philosophie, die sich auf die für menschliche Gesundheit und Krankheit wichtigen physischen, mentalen, emotionalen und spirituellen Aspekte konzentriert. Dadurch hat Ayurveda einen ganzheitlichen Anspruch. Zentrale Elemente des Ayurveda sind: Ayurveda-Massage und -Reinigungstechniken, die Ernährungslehre, eine spirituelle Yogapraxis und die Pflanzenheilkunde.

Traditionelle Chinesische Medizin TCM

Als traditionelle chinesische Medizin TCM wird jene Heilkunde bezeichnet, die sich in China seit mehr als 2000 Jahren entwickelt hat. Zu den therapeutischen Verfahren der chinesischen Medizin zählen vor allem deren Arzneitherapie und die Akupunktur sowie die Moxibustion, die Erwärmung von Akupunkturpunkten. Zusammen mit Massagetechniken, Bewegungsübungen und mit einer am Wirkprofil der Arzneien ausgerichteten Diätetik werden die Verfahren heute gerne als die fünf Säulen der chinesischen Therapie bezeichnet. Die TCM ist die traditionelle Medizin mit dem grössten Verbreitungsgebiet. Besonders viel wird die Akupunktur praktiziert.

Trad. Europäische Naturheilkunde TEN

Seit zweieinhalb Jahrtausenden besitzt Europa ein eigenständiges Medizinsystem, das heute unter dem Begriff Traditionelle europäische Naturheilkunde TEN zu neuem Ansehen gelangt. Vielzahl und Vielfalt sind die offensichtlichsten Merkmale dieser Naturheilkunde. Die europäische Heiltradition hat ganz verschiedene Wurzeln, die bis ins alte Griechenland zurückreichen, ebenso zu den Arabern, zu den keltischen Druiden und zu den Bibliotheken und Kräutergärten der Klöster. Die Naturheilkunde hat sich immer wieder durchgesetzt. Zur TEN gehören also Kräutertinkturen genauso wie Essigsöckchen, Schröpfen, Blutegel ansetzen oder die Bachblütentherapie.

In Biberist führen die beiden Homöopathen Susanne Studer und Felix Morgenthaler gemeinsam eine Praxis für Homöopathie. Susanne Studer war vorher Lehrerin und ist seit 15 Jahren in Biberist Homöopathin, Felix Morgenthaler ist ausgebildeter Historiker, Co-Präsident des Homöopathieverbands Schweiz und praktiziert seit 15 Jahren auch in Zürich. Beide sind seit Jahrzehnten von der Welt der Homöopathie fasziniert, der Gesundheitslehre Samuel Hahnemanns. (S. auch Kasten). «In den Neunzigerjahren des letzten Jahrhunderts erlebte die Homöopathie eine Art Renaissance», erklärt Morgenthaler, «und Anfang der Nullerjahre begannen sich die Berufsverbände und Ausbildungsstätten um die Reglementierung einer einheitlichen Ausbildung zu bemühen.»

Gut 15 Jahre hat der Prozess für die reglementierte Ausbildung gedauert; entsprechend stolz sind die Alternativmediziner jetzt, endlich die Anerkennung der Höheren Fachprüfung für Naturheilpraktiker durch das SBFI, das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation, erhalten zu haben. «Ein Schritt, der uns in der Anerkennung weiterbrachte, war sicher die Volksabstimmung von 2009, in der eine Mehrheit des Stimmvolkes wollte, dass die Berücksichtigung der Komplementärmedizin in der Bundesverfassung verankert wird», sagt Morgenthaler. «Dieses Abstimmungsresultat beweist doch auch, dass sich viele Leute mit den Methoden der Alternativmedizin befassen, diese auch anwenden und ihr positiv gegenüberstehen», ergänzt Susanne Studer. Dennoch war es ein langwieriger Prozess und Morgenthaler betont: «Schon früh haben wir mit der Ärzteschaft zusammengearbeitet, sodass heute von dieser Seite viel Wohlwollen und Interesse zu spüren ist.»

Gemäss Angaben des Dachverbandes Alternativmedizin arbeiten in der Schweiz rund 2500 Naturheilpraktiker und Naturheilpraktikerinnen. «Das neue eidgenössische Diplom garantiert ein einheitliches Niveau und eine hohe Behandlungsqualität», sagt Susanne Studer.

Im neu anerkannten Beruf des Naturheilpraktikers unterscheidet man Homöopathie, Ayurveda-Medizin, Traditionelle chinesische Medizin TCM und Traditionelle europäische Naturheilkunde TEN. Damit sei nun eine der Kernforderungen zum Verfassungsartikel 118a Komplementärmedizin, nämlich die Schaffung von nationalen Diplomen für nichtärztliche Berufe der Komplementärmedizin, erfüllt, sagen die beiden Homöopathen. Auf die Frage, warum gerade diese vier Heilmethoden in den eidgenössisch geschützten Titel einbezogen wurden, erklären Studer und Morgenthaler: «Es muss sich bei den anerkannten Alternativmethoden um eigenständige Systeme zur Gesundheitsförderung handeln. Es dürfen also nicht einfach Ergänzungs-Therapien sein. Und diese vier Alternativmethoden stehen alle für sich.» Noch in diesem Jahr sollen auch die komplementärtherapeutischen Methoden wie Shiatsu, Reflexzonenmassage etc. ebenfalls einen eidgenössischen Berufstitel erhalten.

Behandlungen mit Homöopathie und solche der drei anderen alternativmedizinischen Behandlungsmethoden werden also von der Zusatzversicherung zur obligatorischen Krankenversicherung übernommen. Für bereits praktizierende Alternativmediziner gilt eine siebenjährige Übergangsfrist, während der sie einen direkten Zugang zur Höheren Fachprüfung erlangen können.