«Jo i däm chline Dörfli – do si mer dehei», sang der Kinderchor der Schule HOEK inmitten des wunderbar herbstlichen Blumenschmucks auf der Bühne der Mehrzweckhalle. Was so allerliebst und herzerwärmend tönte und mit tosendem Applaus belohnt wurde, war die Uraufführung des Oekingerliedes.

«Eine Weltpremiere», machte Gemeinderätin Andrea Schenker die 45 Buben und Mädchen auf das Einmalige aufmerksam. Josef Bieri hatte den Text im Jahre 1968 verfasst, in Gedichtform, als Erinnerung an die damalige Klassenzusammenkunft, aber auch an die vergangene Jugendzeit. Die Lehrerin und Leiterin des Kinderchors, Käthi Burkard, arrangierte das Gedicht auf die Musik von Artur Beul, «Am Himmel stoht es Sternli z’Nacht».

Premiere: Die Kinder singen das Oekingerlied.

Über 250 Personen hörten sich in der Mehrzweckhalle dieses Lied an – sage und schreibe gut 30 Prozent der Oekinger Bevölkerung. Dies nach ausgiebigem Mittagessen – organisiert und gespendet von der Gemeinde – an den vom Frauenverein fantasiereich gedeckten Tischen.

Doppel-WM-Gold

Viel Applaus ernteten auch die Sängerinnen und Sänger des Chors «Raindrops» aus Kestenholz mit ihrer Dirigentin Sarah Studer. Mit Gospel und südamerikanischen Liedern untermalten sie den lebhaften Dorftreff. Ihr Aufruf im Volkslied «Hans bleib da» war unnötig.

Die Leute blieben, denn Oekingen hatte obendrein auch eine Doppel-Weltmeisterin zu feiern. «Sie ist die Person, die den Namen Oekingen in die grosse weite Welt hinausträgt. Sie springt jeden Berg hoch und gewinnt», kündete der Präsident der Bürgergemeinde, Andreas Gasche, den Ehrengast Martina Strähl an.

Die Spitzensportlerin gewann im vergangenen Juli die Langdistanz-Weltmeisterschaft im Berglauf in Zermatt, mit Streckenrekord, und holte auch in der Mannschaftswertung Gold. Die Laudatio hielt Ruedi Remund, Zuchwil, Präsident des Fanclubs.

Er lobte Martina Strähl als eine äusserst bescheidene Person, die trotz Spitzensport ihr Psychologie-Studium abgeschlossen habe. Vizegemeindepräsidentin Priska Gasche ehrte die 28-Jährige mit Blumen und Päckchen.

Martina Strähl meinte: «Ich betrachte euch alle als meine Fans. Es ist ‹wäutsschön›, so viele Leute hinter sich zu wissen.» Dass das Dorf auf seine Doppel-Weltmeisterin stolz ist, war unschwer zu erkennen. Fröhlich sangen die Anwesenden zusammen mit dem Kinderchor nochmals ihr Oekingerlied.

Zur Bücherkabine umgewandelt

Eine weitere Attraktion erwartete das kleine Dorf bereits am Samstagmorgen. Ein riesiges, grün-gelb-blau-orange verpacktes Ding erregte beim Schulhaus Aufsehen. Eine grosse Zahl Oekingerinnen und Oekinger versammelte sich zu dessen Enthüllung. Auf der zum Vorschein kommenden ausgedienten Telefonkabine prangt in farbigen Lettern «Bücher Kabine Oekingen». Der Leuchtkasten auf dem Dach – vier farbige Bücher – zieht zusätzlich die Blicke an.

Frönen normalerweise Telefonkabinen ein nicht mehr sinnvolles Dasein, so gilt das nicht für Oekingen. Die Idee zur Bücherkabine stammt von Gemeinderätin Andrea Schenker.

Die Arbeitsgruppe präsentierte mit kurzen Ausschnitten aus ihren mitgebrachten Büchern ein «literarisches Kunstwerk». «An der letztjährigen Budgetgemeindeversammlung ist die Idee auf grosses Interesse gestossen. Dank zahlreichen Sponsoren konnte sie verwirklicht werden», lobte die Initiantin.

Als Erstes fand die Oekinger Dorfchronik einen Platz in der Kabine. Der Einweihungs-Einladung entsprechend stellte die anwesende Dorfbevölkerung ihre mitgebrachten Bücher gleich selber in die Regale. Ein Reglement hält die Vorschriften fürs Ausleihen und Bringen fest.

Mit Blick in die Zukunft scherzte Vizegemeindepräsidentin Priska Gasche, sie hoffe, dass trotz Lesens dieser Büchermenge das rege, intakte Dorfleben auch fortan bestehen bleibe.