Es ist eine grosse Ehre und Bestätigung für alle Beschäftigten unserer Unternehmung.» Bestätigung dafür, dass sich die gemeinsamen Anstrengungen für die Umsetzung von zukunftsweisenden Arbeitsmodellen lohnten. Simon Michel, Chef der Medizinaltechnikfirma Ypsomed, nahm gestern im vollbesetzten Landhaus zu Solothurn sichtlich stolz die Auszeichnung «Solothurner Unternehmerpreis» entgegen. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Burgdorf beschäftigt weltweit 1300 Angestellte, davon 267 im Werk Solothurn und 86 bei der Tochterfirma Ypsotec in Grenchen.

Mit dem diesjährigen Kriterium «Erfolgreiche Unternehmen mit zukunftsweisenden Arbeitsmodellen» wolle man aktuelle Herausforderungen und Entwicklung ansprechen, sagte Jury-Mitglied Edgar Fluri in seiner Laudatio. «Die Gesellschaft, die Wirtschaft und die Vorstellungen über und die Anforderungen an die Arbeitswelt ändern sich stark.» Als Stichworte nannte er die technologischen Entwicklungen, die das tägliche Leben in allen Bereichen verändern, die steigenden Anforderungen an die Ausbildung, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder die Rekrutierung von Fachkräften. «Zu all dem kommt der dauernde Kosten- und Preidruck.» Daran würden zwar alle Unternehmen arbeiten, so Fluri. «Aber es arbeiten nicht alle gleich intensiv daran und es sind nicht alle gleich weit.»

Wesentlich für Erfolg der Firma

Sehr weit sei eben die Ypsomed AG. Die Preisträgerin tue das nicht nur, weil der Bedarf an Personal und Fachkräften gross sei. «Sondern weil sie erkannt hat, dass der Erfolg der Firma auf dem guten Zusammenspiel aller Funktionen und Bereiche des Unternehmens beruht», begründete Fluri die Wahl. Er erwähnte das firmeninterne Förderprogramm HR Plus, um Fachkräfte und Führungskräfte nachhaltig zu entwickeln. Dazu gehöre etwa der strategische Ausbau der Berufsbildung an den Schweizer Standorten oder die Einführung der Nachholbildung für Erwachsene mit viel Berufserfahrung, aber eben ohne Berufsabschluss.

Zudem seien moderne Konzepte der Arbeitsorganisation umgesetzt. Die Spanne reiche von Teilzeitmodellen, Jobsharing, über Vertrauensarbeitszeit bis hin zur flexiblen Pensionierung mit schrittweiser Senkung des Beschäftigungsgrades. Fluris Fazit: «Die aktive, umfassende Gestaltung der Arbeitsmodelle hat zum heutigen Erfolg der Firma wesentlich beigetragen und wird weiter beitragen.»

«Medtechbranche ist essenziell»

Im Wissen um die Gewinnerin – Ypsomed produziert in Solothurn Injektionssysteme (Pens) zur Abgabe von Flüssigmedikamenten wie Insulin und die entsprechenden Pen-
nadeln – stellte Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler die Medtechbranche ins Zentrum ihrer Ansprache. Schweizweit würden in über 1700 Firmen mit über 50 000 Beschäftigten medizinische Geräte, Instrumente, Implantate und Verbrauchsmaterialien für die ganze Welt gefertigt. «Ein wichtiger Player ist der Kanton Solothurn.»

Rund 6000 oder zwölf Prozent aller Beschäftigten in diesem Sektor, seien in fast 100 Firmen im Kanton Solothurn beschäftigt. «Die Medtech-Branche ist essenziell für den Standort Solothurn», folgerte Gassler. Gleichzeitig hielt sie fest, dass alle Firmen, unabhängig der Branche, wichtig seien. «Der Kanton verfügt über einen guten Mix an kleinen, mittleren und grossen Unternehmen, an Industriefirmen und Dienstleistern, an eigentümergeführten Firmen und Grosskonzernen.» Alle seien eng miteinander verbunden. Ziel sei es deshalb, den heutigen Mix aufrecht zu erhalten.

Ehre für Verein Tagesfamilien

In engem Zusammenhang zum Kriterium des Unternehmerpreises stand der ebenfalls von der Jury ausgesprochene Anerkennungspreis. Er ging an den Verein Tagesfamilien Kanton Solothurn. «Familienergänzende Angebote waren lange Zeit Mangelware – und wenn es sie gab – oft wenig auf die zeitlichen Bedürfnisse berufstätiger Eltern abgestimmt», sagte Jury-Mitglied Lili Nabholz in ihrer Laudatio. Der Verein habe mit der Schaffung und Vermittlung von Kinderbetreuungsplätzen «eine pionierhafte Leistung im Kanton Solothurn» erbracht. Gerade solche Institutionen würden einen wesentlichen Beitrag für die Erfüllung moderner Arbeitsmodelle leisten, so Nabholz.

Zum Abschluss des Anlasses entlockte Moderatorin Sandra Boner dem Ypsomed-Chef, was er denn mit dem Preisgeld von 20 000 Franken vorhabe. «Wir geben das Geld an die Organisation der Erlebnismesse «Tun Solothurn» für Kinder und Jugendliche weiter», sagte Simon Michel. Es sei eine wichtige Aufgabe, Kinder auf spielerische Art und Weise in die Geheimnisse der Technik, der Naturwissenschaften oder der Mechanik einzuführen.