«Heska» steckt ihre Schnauze tief ins Laub. Sie legt sich kurz hin, winselt leise, wedelt mit dem Schwanz. Den Blick stets fest auf die Ecke der Steintreppe fixiert. Dann kommt ihr Spielzeug geflogen. Sie schnappt es, rennt zu ihrem Herrchen und lässt sich knuddeln. Ulrich Oppliger lobt seine Super-Spürnase: «Prima, fein gemacht, Düsi!» Die siebenjährige «Heska» – oder eben auch liebevoll «Düsi» genannt – hat gerade Drogen auf dem Areal der ehemaligen Strafanstalt Schöngrün gefunden. Echte Drogen, die aber Stunden zuvor von Polizisten versteckt wurden.

Spürhund «Heska» sucht im Park nach Drogen – die ganze Suche in Echtzeit

Bei der Bunker-Suche handelt es sich um die Suche auf einem Aussenareal. Denn Leute bunkern oft ihre Drogen irgendwo in Parks – unter Steinen und in Büschen.

Es ist Trainingszeit für die Solothurner Polizeihunde. Zwei Mal im Monat steht eine gemeinsame Einheit für die Spürnasen und ihre Herrchen und Frauchen an.

Neun Polizistinnnen und Polizisten haben sich an diesem kalten Nachmittag im Norden Solothurns zum Trainieren eingefunden. Manche haben einen, manche zwei Hunde dabei. Die Tiere warten in ihren Boxen im Auto, bis sie für eine Übung herausgeholt werden. Ab und zu ist Gebell zu hören; vor allem dann, wenn der Nachbar raus darf.  Die Diensthunde wissen genau, worum es geht. Arbeiten wollen hier alle. Darüber hinaus gleicht hier keiner dem anderen.

Als Welpe wurden sie von den Polizisten bei sich aufgenommen, denn für einen Polizeihund beginnt die Erziehung und Ausbildung, gleich nachdem er seine Mama verlässt. Wie «Ex»,  der mit seinen 11 Wochen der jüngste angehende Polizeihund im Kanton ist. Wo sich das Wollknäuel an diesem Nachmittag aufhält, schmelzen die Herzen. Er ist einfach zu knuffig.

Hündin Heska sucht ums und im Auto nach Drogen

In einem steht er seinen älteren und erfahreneren Kollegen in nichts nach. «Ex» zeigt sich bereits an seinem ersten Ausbildungstag aufmerksam, wissbegierig und voll bei der Sache. Noch hat er viel zu lernen, bis er sein Herrchen Jürg Aebi in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Solothurn als einsatzfähiger Schutzhund begleiten wird. Drei intensive Jahre dauert die Ausbildung. In dieser Zeit bleibe neben den Hunden keine Zeit mehr für etwas anderes, erklärt Ulrich Oppliger. «Der Besuch eines Fussball-Matchs liegt nicht mehr drin.»

Oppliger, der seit 1997 Polizist und seit 1999 «Hündeler» ist, hatte bisher fünf Hunde. Drei konnte er für die Polizei einsetzen, «zwei musste ich wieder verkaufen, weil sie den Anforderungen nicht genügten», erklärt der Einsatzplaner. Die Schusssicherheit sei ein Killerkriterium für einen Diensthund. Derzeit hat er zwei Vierbeiner: Die siebenjährige «Heska», mit der er seit Jahren erfolgreich auf Drogensuche ist und in diesem Jahr sogar Schweizer Meister in der Kategorie Betäubungsmittel wurde, und den 11-jährigen «Yasko».

Vier Solothurner Hundeführer stellen sich und ihre Drogen suchenden Diensthunde vor

Hundeführer geben viel von ihrer Freizeit her. Weil gerade mal zwei Halbtage im Monat bezahlt sind, um die Tiere auszubilden, fällt viel Arbeit auf die Zeit neben dem Job, denn alle Hundeführer sind irgendwo im Kanton als Polizist angestellt. Rund 600 Stunden werden während der drei Jahre Ausbildung in der Freizeit investiert. Regelmässig wird neben den offiziellen Ausbildungstagen auch gemeinsam trainiert.

Man kennt sich. Der Umgang ist herzlich und vertraut. Oft arbeiten zwei Polizisten an einem Posten zusammen; z.b. am weissen Volvo, oder an der Gepäckstrasse aus schwarzen Stiefeln.

«Aragon» durchsucht das Stöckli: Wo sind die Drogen versteckt? Und wie geht man eigentlich bei der Suche vor?

Einer hat jeweils den Hund dabei, der andere weiss, wo sich die Drogen befinden und kann bestätigen, wenn ein Hund anzeigt, Stoff gefunden zu haben. Das tut er eben, indem er innehält und mit der Nase genau an den Ort hinweist, wo sich das Betäubungsmittel befindet.

So wie «Aragon» im Stöckli. Er schnüffelt der Fussleiste entlang, springt auf ein «Und hopp!» von Eliane Schneider mit Karacho auf den Tisch, nimmt die Tischplatte ins Visier, reckt sich schliesslich zur Decke und bekommt das Marihuana auf dem Fenstersims in die Nase. Er setzt sich hin, hechelt. Frauchen Eliane Schneider sagt «Anzeige», die Kollegin bestätigt. «Aragon» bekommt seinen «Muff» – eine Rolle aus Baumwoll-Frotteetüchern – und rennt damit Schwanz wedelnd durch die staubigen Räume. Aufgeregt kaut er auf den Tüchern herum. «Das macht er, um sich abzureagieren», erklärt die erfahrene Hundeführerin. Im Training sei er manchmal ein «kleiner Irrer, ein Elefant im Porzellanladen.» Im Einsatz stelle dies aber kein Problem dar, «denn da kann er hoch konzentriert arbeiten», so Eliane Schneider. Wegen seiner schwarzen Haare an den vier braunen Pfoten ist «Aragon» unter den Solothurner Polizisten auch als «Hund mit den schönsten Füssen» bekannt.

Damit der Rüde etwas finden kann, muss im Trainingsmodus auch etwas versteckt werden. Mit einem Koffer sind die Polizistinnen Susanne Lack und Sarah Kyburz, die aus dem Aargau zum Training angereist ist, kurz nach 13.30 Uhr die Treppe hochgestiegen und haben Plastiksäckchen und Plastik-Rohlinge mit etwas Marihuana, Amphetamin, Kokain und Heroin versteckt – hinter der Fussleiste, im Fensterrahmen, auf einem Regalbrett, in einer kleinen Öffnung der Heizung, im Schrank und eben auf dem Fenstersims. «Wir verwenden nur Echtstoffe», erklärt Ulrich Oppliger währenddessen. Die zur Verfügung gestellten Drogen stammen aus Sicherstellungen. Jeder Hundeführer erhält gegen Unterschrift eine genaue Menge fürs Training. «Die Hunde kommen nie direkt mit Drogen in Kontakt», so Oppliger. Und wenn würden sie sofort ein Kohlengel und spezielle Tropfen erhalten. Ansonsten komme es rasch zum Kollaps.

Im ganzen Kanton Solothurn gibt es gerade einmal acht Spürhunde. Dass diese nicht Tag ein Tag aus im Einsatz stehen können, stellt aber kein Problem dar. «In der Regel sind die Einsätze mit Spürhunden planbar», erklärt Oppliger. Dann kann der Einsatzplaner abklären, welcher Hundeführer Zeit hat. Bei spontanen Einsätzen besteht eine Alarmgruppe, die abtelefoniert wird.

Ab 2017 kommt für die Hunde übrigens ein neuer «Stoff» aufs Ausbildungsparkett: Geld. «Es ist vorgesehen, dass jeder Drogenhund noch auf Geldnoten konditioniert wird», so Ulrich Oppliger. Da wird dann mit geschnetzelten Banknoten gearbeitet.

Spürhunde im Kanton Solothurn – und wie man ihnen das Drogensuchen beibringt

Für die Kantonspolizei Solothurn sind momentan fünf Drogenhunde im Einsatz, bei der Stadtpolizei Grenchen einer und in der Justizvollzugsanstalt Solothurn zwei. Jeder dieser Hunde – alles deutsche und belgische Schäferhunde –  hat zu Beginn die dreijährige Ausbildung zum Schutzhund absolviert. Danach wird entschieden, ob der Hund auch Drogen suchen soll. Wenn ja, wird er auf ein Spielzeug konditioniert. Dieses soll sauber und frei von synthetischen Gerüchen sein. Der Hundeführer versteckt das Spielzeug und legt irgendwann Drogen dazu. Der Hund lernt, auf der Suche seine Nase einzusetzen, und verbindet die Betäubungsmittel mit seinem Spielzeug. Mit der Zeit wird nur noch so getan, als ob man das Spielzeug versteckt und legt nur noch bspw. Marihuana hin. Der Hund sucht trotzdem. Für ihn ist das Ganze ein reines Versteckspiel.

An der sogenannten Anzeigewand – eine Wand aus Holz mit Löchern auf verschiedenen Höhen – wird der Hund dann auf den Geruch und die Anzeige konditioniert. Ein Polizist versteckt in einem der Löcher Drogen. Wenn der Hund das Versteck gefunden hat, sollte er das Ziel anvisieren und sich hinsetzen. Macht er dies richtig, so wird ein Ball durch die Öffnung gestossen. «Das ist wie der Lotto-Automat», schmunzelt Ulrich Oppliger.

Den Hunden wird beigebracht, möglichst nah ans Geruchsfeld – also den Bereich, in dem der Hund den Geruch der Drogen wahrnimmt – heranzugehen. «Wenn der Hund gelernt hat einen Stoff zu suchen, kann er die anderen auch sehr rasch», so Ulrich Oppliger. Meist innert drei Wochen hat der Hund gelernt, die verschiedenen Betäubungsmittel zu riechen und anzeigen. Das Training danach ist nur noch Auffrischung. (ldu)