Es kam wieder einmal alles anders, als sich das Bildungsdirektor Remo Ankli (FDP) vorstellte. Nicht, dass er mit dem Entscheid des Kantonsrats nicht leben konnte. Schliesslich wurde das neue Mittelschulgesetz ja einstimmig genehmigt; lediglich drei Abgeordnete enthielten sich ihrer Stimme. Nein, Ankli war viel mehr überrascht, dass nicht die Einführung der Sonderklassen für musisch und sportlich begabte Schüler für Diskussionen sorgte.

Lieber debattierte der Rat über einen eigentlich harmlosen Streichungsantrag der SVP. Ziel: Künftig soll für Freifächer ein symbolischer Beitrag – man spricht von 100 Franken – erhoben werden können. Dies allerdings nur, wenn ein Lehrer das wünscht. Der entsprechende Passus enthält eine «Kann»-Formulierung. Trotzdem unnötig, fand die SVP. «Die Besuchsdisziplin kann auch mit den bestehenden Mitteln durchgesetzt werden», fand Roberto Conti (Solothurn). Der Kantilehrer verwies dabei auf die Absenzen-Ordnungen der Schulen.

SP-Sprecherin Franziska Roth (Solothurn) pflichtete ihm bei. Sie befürchtete, dass einkommensschwache Familien eine Freifach-Gebühr kaum tragen könnten. Wortreich erklärte Regierungsrat Ankli dann, dass die Gebühr doch ganz zum Wohle der Schüler sein sollte. «Damit werden sie sich zweimal überlegen, ob sie sich für ein Freifach anmelden.» Die Ratsmehrheit sah das offenbar ähnlich, der SVP-Antrag wurde mit 61 zu 34 Stimmen abgelehnt.

Lange Zitterpartie

Eine gute Nachricht gab es auch für Nachwuchstalente: Die sportlichen und musischen Sonderklassen an der Kanti Solothurn werden definitiv angeboten. Schüler der Sonderklassen können die Matur in fünf statt wie üblich in vier Jahren ablegen. Und dank kompakten Stundenplänen bleibt mehr Zeit für Trainingsstunden.

Mehrmals wurde der seit 2006 laufende Schulversuch für die Sonderklasse Sport und Kultur verlängert. Man sei sich nicht im Klaren über die Weiterentwicklung, hiess es noch 2008 und 2011.
Damals kam es einer regelrechten Zitterpartie gleich, ob die erforderliche Mindestzahl von 12 Schülern pro Klasse auch wirklich zustande kommt. Doch die Beliebtheit ist in der Zwischenzeit gestiegen und vor allem auch politisch breit abgestützt. Für die Gemeinden hat die Änderung keine Folgen. (sva)