Neulich erzählte mir ein Bekannter, er sei während seines New-York-Aufenthalts an einem Spiel der Yankees gewesen. Sein Interesse galt aber eher dem Volksfest-ähnlichen Drumherum als dem Geschehen auf dem Spielfeld, wo es ganz nebenbei um Baseball ging.

Das wäre ihm letztes Wochenende in Zuchwil an den Schweizer-Meisterschafts-Spielen von Pesäpallo, der finnischen Variante des amerikanischen Baseballs, nicht passiert.

Pesä….. was?

Pesäpallo ist die finnische Antwort auf den amerikanischen Baseball. In den frühen 20er-Jahren wurde es als Training für finnische Soldaten aus den USA adaptiert. Das Spiel erfordert Fähigkeiten wie Koordination, Schnelligkeit, Kooperation und Kommunikation.

Jedes Team hat neun Spieler auf dem Feld. Während ein Spieler mit dem Schläger den Ball zu treffen versucht, damit sein Team so viele Runden wie möglich über die Pesäs – Bases – rennen kann, versucht die andere Mannschaft, dies zu verhindern. Jeder Spieler hat drei Versuche, um den Ball mit dem Schläger zu treffen.

Im Gegensatz zum amerikanischen Vorbild steht es den Spielern aber frei, wann sie während der drei Versuche rennen. So kann ein Spieler auch nach einem gelungenen Schlag stehen bleiben, während die Teamkollegen um die Päses rennen und zusätzliche Punkte machen können.

Diese Freiheit, innerhalb der Schläge zu entscheiden, ob gerannt wird oder nicht, gibt dem offensiven Spiel mehr Raum.

In Finnland wird Pesäpallo an allen Schulen gespielt. Fast jede Stadt hat sein eigenes Team. «Wir haben es gehasst», gesteht eine finnische Freundin. «Obwohl die Superpesis, die höchste finnische Pesäpallo-Liga, sehr beliebt ist, war es während der Sportstunden in der Schule nicht mein Fall.»

Finnpesis zum Neunten

Für die Solothurner Pesäpallo-Pioniere unverständlich. Sie betreiben «ihren» Sport leidenschaftlich. Mit ihrem Club Finnpesis Solothurn konnten sie an den Finalspielen letztes Wochenende in Zuchwil den Schweizer-Meister-Titel – das neunte Mal in Folge – verteidigen. «Unser grösster Vorteil ist, dass wir als Team sehr gut eingespielt sind», weiss der Vereinspräsident Reto Brotschi.

Momentan spielen vier Mannschaften in der Schweizer Pesäpallo-Liga. Diese Teams sind geschlechtergemischt. «Eine unserer Stärken ist die Durchmischung zwischen erfahrenen und jungen, spritzigen Spielern», ergänzt Reto Brotschi, der auch als Spielertrainer auf dem Feld steht.

18 aktive Spielerinnen und Spieler zählt die Finnpesis Solothurn. Reto Brotschi gehört mit seinen 35 Jahren zum alten Eisen des Teams, wo rund die Hälfte unter 25 Jahren ist.

Finnischer Export

Die Finnpesis Solothurn gibt es seit den Neunzigern. Das Spiel wurde von finnischen Migranten in die Schweiz gebracht. Immer mehr hätten sich dafür begeistert und geboren war die Schweizerliga. «Kaum jemand kennt den Sport in der Schweiz», bemerkt Reto Brotschi. Trotzdem könne die Finnpesis Solothurn neue Spielerinnen und Spieler – vor allem aus dem Freundeskreis – dafür gewinnen. Diese hielten dem Team lange die Treue.

Um Pesäpallo spielen zu können, braucht es einen Ball, Helm, Schläger, Handschuhe und an den Meisterschaftsspielen die Teambekleidung. Neu zieren dieses Jahr fünf Sponsorenlogos die Finnpesistrikots.

Die Unbekanntheit des Sports hätte die Suche nach Sponsoren nicht erschwert, meint Reto Brotschi. «Die von uns angefragten Firmen haben spontan zugesagt, wofür wir sehr dankbar sind.» Die Finnpesis Solothurn trainieren mittwochs. Nähere Informationen gibt es auf der neu aufgeschalteten Homepage www.finnpesissolothurn.ch.

Action an der Meisterschaft

Die Pesäpallo-Saison in der Schweiz umfasst vier Turniertage. Deren Höhepunkt, das Finalspiel, am Sonntag in Zuchwil ausgetragen wurde. Die Zürcher Sinival Koiset unterlagen dem Meister 2:1.

«Seit Samstag haben wir unser Spiel kontinuierlich verbessert», kommentiert Reto Brotschi den Turnierverlauf. «Die Stimmung im Team war super, auch wenn es nicht immer rund lief.»

Der Schweizer Meister Finnpesis Solothurn, der den zweitägigen Event organisiert hat, ist in jeglicher Hinsicht zufrieden mit dem Wochenende. «Es waren tolle Spiele», gibt der neunfache Meister Reto Brotschi zu Protokoll.