Frühere freisinnige Erziehungsdirektoren wie etwa die verstorbenen ehemaligen Solothurner Regierungsräte Alfred Wyser (1967 bis 1979) und Fritz Schneider (1981 bis 1995) würden sich freuen: Die Solothurner FDP sieht sich wieder als Bildungspartei. Das postulierten an einem speziellen Bildungsparteitag in der Fachhochschule Olten gleich mehrere Protagonisten der Partei, darunter der kantonale Parteipräsident Christian Scheuermeyer (Deitingen), dessen Vorgänger und Fachhochschul-Direktor Ruedi Nützi (Wolfwil) sowie Bildungsdirektor Remo Ankli (Beinwil).

Dass ein gutes Bildungssystem Grundlage für eine gesunde Gesellschaft und eine erfolgreiche Wirtschaft bildet, betonten ebenfalls Monique Rudolf von Rohr, Präsidentin der FDP Stadt Olten, Daniel Probst (Olten), Direktor der Solothurner Handelskammer, Stefan Nünlist (Olten), Kommunikationschef Swisscom, Andreas Walter (Bellach), Chef Volksschulamt sowie Karin Büttler (Laupersdorf), Präsidentin der parteiinternen Arbeitsgruppe Bildung und Kultur.

Rohstoff Bildung fördern

«Gelebte Demokratie braucht mündige Staatsbürger, Garantie dafür ist eine gute Ausbildung», erklärte Monique Rudolf von Rohr einleitend. Und Christian Scheuermeyer stellte mit Nachdruck fest: «In Sachen Bildung müssen wir Weltspitze sein, denn sie ist unser einziger Rohstoff.» Bildung sei für unser Land existenziell.

Sie müsse Schwache fördern und Starke fordern. Karin Büttler machte auf drei wegweisende Schwerpunkte aufmerksam: Auf das duale Berufsbildungssystem, familienergänzende Tagesstrukturen und den Lehrplan 21. Daniel Probst und Stefan Nünlist wiesen im Zusammenhang mit den technologiegetriebenen Veränderungen in der Arbeitswelt auf die grossen Herausforderungen für Bildung und Forschung hin.

Es brauche immer qualifizierteres Personal. Aus-, Weiter- und Nachholbildung seien von zentraler Bedeutung. Und Andreas Walter betonte die Wichtigkeit einer starken Volksschule mit «Leitkulturcharakter», wie sie in der Schweiz existiere.

Diverse Forderungen

Die 65 bildungsinteressierten Freisinnigen, die zum Sonderparteitag erschienen, erarbeiteten in vier Arbeitsgruppen während rund eineinhalb Stunden Forderungen. Zum Beispiel: Alle von der Schule Betroffenen sollen zu Beteiligten gemacht werden, speziell auch die Eltern. Mit angemessenen Rechten und Pflichten.

Schulleitungen seien zu stärken, Bildungsbürokratie abzubauen, der Gesamtarbeitsvertrag zu überarbeiten und das Evaluationssystem zu überprüfen. Ausserdem müsse seiner Bedeutung wegen der Lehrberuf hinsichtlich Attraktivität und Ansehen gestärkt werden, damit er für geeignete, fähige junge Leute, vor allem auch Männer, wieder anziehend wirke.

Zudem solle im Zuge der Individualisierung die Sozialkompetenz wieder vermehrt gefördert werden. Kommunikations- und Dialogfähigkeit werde zusehends wichtiger. Hierfür seien heute auch «digitale Grundkompetenzen» nötig. Schulen gehörten ans Internet, denn in der Digitalisierung liege ebenfalls im Bildungswesen ein enormes Potenzial an Effektivität und Effizienz.

Die Eltern seien zu befähigen, dass sie hinsichtlich Internet, Handy usw. sachgerecht erzieherisch einwirken könnten. Für die Wirtschaft sollten steuerliche Anreize zur Förderung von Aus- und Weiterbildung geschaffen werden. Und weil in der sich ständig verändernden Arbeitswelt Umschulungen bei Berufstätigen im fortgeschrittenen Alter immer mehr ein Thema werde, solle neben dem Alterssparen auch das Bildungssparen ins Auge gefasst werden.

Überzeugungsarbeit leisten

In seinem Fazit zur Bildungstagung riet Fachhochschuldirektor Ruedi Nützi der FDP: «Wenn die Partei klug ist, nutzt sie die gescheiten Ergebnisse der Tagung.» Erziehungsdirektor Remo Ankli doppelte nach und meinte zu den erarbeiteten Forderungen: «Jetzt gilt es, für diese Anliegen Überzeugungsarbeit zu leisten und Mehrheiten zu schaffen.»