Zur Wahl standen neben Brodbeck (49, Burgdorf) Lienhard Ochsner (60, Niederwangen bei Bern) und Daniela V. Jabornigg (49, Basel). Die beiden Männer wurden von der Justizkommission vorgeschlagen, während Jabornigg, seit 2006 ordentliche Richterin am Sozialversicherungsgericht Basel-Stadt, sich ohne Unterstützung der Kommission zur Wahl stellte. Sie hatte keine Chance. Brodbeck erhielt im ersten Wahlgang 57 Stimmen und Ochsner 29 Stimmen. Leer abgeben wurden sieben Stimmen.

Hansjürg Brodbeck (49, Burgdorf) ist seit 2011 Stellvertretender Leitender Staatsanwalt der Regionalen Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau. Zuvor war er von 1997 bis 2010 Untersuchungsrichter, die letzten drei Jahre als Geschäftsleiter. Er hat Richtererfahrung als ausserordentlicher Gerichtspräsident I von Burgdorf (1994 bis 1996) und als Ersatzmitglied des Obergerichts des Kantons Bern (seit 2005). 2009 schloss er ein Nachdiplomstudium MAS in Forensics an der Hochschule Luzern ab. Er wird das Amt von Felix Bänziger übernehmen, der Ende nächsten in Juni in Pension geht.

Akläger im Fall Holenweider

Im Kantonsrat gab es keine Wortmeldung zur Wahl. Dies obwohl der Wahlvorschlag der Justizkommission von Ochsner doch etwas erstaunte. Ochsner ist seit 2003 Staatsanwalt des Bundes, seit 2008 in der Abteilung Wirtschaftskriminalität. Er war früher Untersuchungsrichter des Kantons Bern für schwere Drogenkriminalität (1986 bis 1989), danach geschäftsleitender Sekretär der Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI, bis 2003) und Gerichtspräsident an der Strafabteilung im Gerichtskreis Bern-Laupen (1994 bis 2003).

Als Bundesstaatsanwalt war Lienhard Ochsner Ankläger im Fall Holenweger, der für die Bundesanwaltschaft in einem Fiasko endete: Das Bundesstrafgericht sprach den Privatbankier Oskar Holenweger im April 2011 nach einem achtjährigen Verfahren und dem rechtswidrigen Einsatz des Drogenhändlers Ramos vollumfänglich vom Vorwurf der Geldwäscherei frei. Die «Weltwoche» forderte Ochsners Entlassung.