Gebäudeversicherung
Aktualisiert am 19.10.11, um 16:05
 

Gebäudeversicherungs-Chef: «Ich weiss, jeder Franken tut weh»

Wieso die Gebäudeversicherung im Aargau massiv teurer wird: AGV-Chef Urs Graf nimmt Stellung
Quelle: az
Die Aargauer Haus- und Liegenschaftsbesitzer müssen ab 2012 im Schnitt 24 Prozent höhere Prämien bezahlen. Urs Graf, Vorsitzender der Geschäftsleitung, sagt, wieso das so ist.
 

Mehr Schäden, eine teurere Absicherung und tiefere Erträge auf den Anlagen: Das sind laut Urs Graf, Chef der Aargauischen Gebäudeversicherung die Ursachen für den massiven Prämienschub.

Graf möchte den Anstieg aber nicht dramatisieren. Für einen Einfamilienhaus-Besitzer mache das knapp 70 Franken aus, rechnet er vor. «Ich weiss, jeder Franken mehr tut bei Versicherungen weh», sagt er. Er wird in den nächsten Tagen wohl eine Flut gehässigter Mails bekommen.

Der AGB habe sich nicht an der Börse verspekuliert, beteuert Graf. «Wir haben eine sehr konservative Anlagestrategie». Die Finanzkrise und ihre Folgen haben dazu geführt, dass zurzeit noch eine Rendite von 2,5 Prozent erwirtschaftet wird. In guten Jahren war das locker das Doppelte.

Gebäudeversicherung wird massiv teurer
Quelle: TeleM1

Höhers Schadenspotenzial

Dazu kommt eine Studie, die der Rückversicherer Swiss Re vor einem Jahr gemacht hat. Darin wird das Schadenspotenzial für den Kanton Aargau massiv nach oben revidiert - von 100 auf 150 Millionen Franken. «Wir haben in der Schweiz das drittgrösste Schadenspotenzial», sagt Graf. Die Folge davon ist, dass sich die Aargauer stärker rückversichern müssen. Gibt der Verband dafür heute pro Jahr 10 Millionen Franken aus, werden es im Jahr 2015 bereits 18 Millionen Franken sein. Das treibt die Prämien in die Höhe.

Graf macht aber deutlich, dass die Prämienkurve über die nächste Jahre nicht weiter ansteigen soll. Ganz im Gegenteil. Der AGV will seine Reserven in den nächsten Jahren erhöhen. Gelingt das tatsächlich, wird die Gebäudeversicherung beim Rückversicherer weniger Risiken abdecken müssen. Das so eingesparte Geld könnte dann durchaus tiefere Prämien zur Folge haben. Das Modell verfolgt der Kanton Zürich seit langem mit Erfolg. Er hat heute die grössten Reserven und die tiefsten Prämien.

Damit es auch so kommt, darf es in den kommenden Jahren allerdings keine grossen Schadensfälle geben. Für 2011 gilt dies nicht. Der Versicherung rechnet mit Schäden von 160 Millionen Franken. (rsn)

 

(az)