Die Erfindungen mehrerer Vertreter der Solothurner Familie Egg sind so bahnbrechend, dass sie im 18. und 19. Jahrhundert in London zu Reichtum und Ansehen kam. Den Eggs wurde jetzt – nebst anderen – in der Buchreihe «Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik» Band 107 ein Kapitel gewidmet. Autor Hans Degen spürt die Familiengeschichte auf, und es ist nachzulesen, dass die Eggs als Hintersässe von der Blüemlismatt ob Egerkingen stammen. Mit diesem Stand – dazu noch protestantisch – konnten sie weder Anspruch auf Allmendnutzung erheben noch Grundeigentum erwerben.

Oltner Büchsenmacherzunft

Der erste bekannte Vertreter der Familie war Jacobus Leontius Egg, geboren 1690 in Hägendorf. Er wanderte 1745 nach Pennsylvania USA aus. Einer seiner Söhne war der 1720 in Härkingen geborene Leonz Egg. Dieser heiratete die Egerkingerin Maria Burkhardt und liess sich in Oberbuchsiten nieder, wo er 1746 eingebürgert wurde. 1750 stellte er dem Landvogt das Gesuch, in die Büchsenmacherzunft von Olten aufgenommen zu werden. Er wolle seine älteren Söhnen Hans Jakob und Urs Christian das gleiche Handwerk lehren, schrieb er. 1768 heiratete er zum zweiten Mal und war schliesslich Vater von fünf Kindern. Gemäss Akten aus dem Staatsarchiv Solothurn ging der älteste Sohn Hans Jakob (1745–1815) ins Oberelsass, wo die Franzosen bei Hüningen einen Brückenkopf mit Festung und Waffenarsenal unterhielten. Er heiratete dort die Witwe eines französischen Büchsenmachers.

Auch Urs Christian Egg (1748–1831) hielt es zu Hause nicht mehr. Im Streit mit seinem Vater – vielleicht wegen dessen zweiter Ehe – zog er zu seinem Bruder ins Elsass. Doch scheint er es dort nicht allzu lange ausgehalten zu haben, denn 1770 taucht er ausgestattet mit «3 Schilling und 6 Pence» in London auf. Dort fand er eine Anstellung bei dem damals berühmten Büchsenmacher Henry Nock. 1772 machte sich Urs Egg, jetzt Durs genannt, selbstständig. Sein Name taucht ab 1776 in den Büchern der englischen Armee auf, als er ihr zwei «Ferguson Rifle Guns», eine der heute noch beachtetsten Waffen, verkaufte. Durs Egg bekam daraufhin regelmässig Aufträge der englischen Armee, und so wurde er einer der führenden Büchsenmacher auf der Insel.

In der Gunst des Königs

Durs Egg stand in der besonderen Gunst des damaligen Prince of Wales, dem späteren König Georg IV. Im Alter von 35 Jahren heiratete Egg Ann Mary Salomon, die Tochter eines deutschen Händlers. Mit ihr hatte er sieben Kinder. 1791 wurde er englischer Staatsbürger, was sicher geschäftlich sinnvoll war, geriet doch die Schweiz damals vermehrt unter französischen Einfluss, dem englischen Kriegsgegner. 1799 erhielt Durs den Titel «Gun Maker of his Majesty, the Prince of Wales and To the Duke of York». 1803 erhielt Egg Patente für neu entwickelte Waffenverschlüsse und erntete überall Anerkennung für seine doppelläufigen Schrotflinten und Duellpistolen.

Ruinöse Beteiligungen

Zu Vermögen gekommen, engagierte er sich an verschiedenen Firmen und Beteiligungen. So fand Eggs Landsmann, der Erfinder Samuel Johann Pauli in ihm einen Partner für seinen Luftschiffbau. (Auch Paulis Lebensgeschichte ist in Band 107 der Buchreihe beschrieben).

Das Projekt erlitt Schiffbruch, und die beiden zerstritten sich heftig. Eggs Firma begann, Verluste zu schreiben. Eggs letzte Lebensjahre waren gekennzeichnet von dessen zunehmender Erblindung, und sie waren voll von Streitereien. Ab 1822 war Durs Egg ganz erblindet; er lebte aber noch neun Jahre, bis 1831. Mit 83 Jahren starb er und bedachte in seinem Testament seine Ehefrau, seine Kinder und seine in Solothurn lebende Schwester, die den Solothurner Büchsenmacher Pfluger geheiratet hatte. Durs Eggs Sohn John übte die Familientradition weiter aus, war aber nicht mehr so erfolgreich wie sein Vater. 1870 wurde dieser Zweig der Büchsenmacherdynastie Egg in London beendet.

Der erfolgreiche Neffe ...

Jean Joseph Egg (1775–1837) war ein Sohn des nach Hüningen ausgewanderten Hans Jakob Egg, ein Neffe von Durs Egg also. Auch ihn zog es nach London. Ab 1801 war er bei Tatham tätig und später Mitbegründer der Firma Tatham&Egg. Er war einer der kreativsten Büchsenmacher seiner Zeit. Seine Spezialität war eine neue Art von Miniaturpistolen, deren Präzision an die Arbeit von Uhrmachern mahnt.

Die bedeutendste seiner Erfindungen war aber sein mit Explosionspulver gefülltes Kupferzündhütchen aus dem Jahr 1818.

... und sein Sohn

Jean Josephs Sohn August Leopold Egg (1816–1863) erbte die Kreativität seines Vaters, jedoch in einem anderen Gewerbe: Er wurde Kunstmaler und konnte auf das erhebliche Erbe seines Vaters zurückgreifen. August Leopold Egg zählt heute noch zu den bedeutendsten Vertretern der Historien- und Genremalerei Englands, und er war ein enger Freund von Charles Dickens. August Egg starb 1863 in Algerien, wo er wegen seiner angeschlagenen Gesundheit seine letzten Jahre verbrachte.

Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik, Band 107 «Bei Kaisern und Königen – Waffentechniker und Strategen von Weltruf». Hrsg. Verein für wirtschaftshistorische Studien.