Immer noch liegen die Arbeiten am neuen Film von Markus Flury, dem bekannten Unterwasserfilmer und Lehrer aus Selzach, auf Eis. Für seine eindrucksvollen Unterwasseraufnahmen taucht Flury bereits seit 35 Jahren in der Aare in Solothurn und geht dabei ganz in seinem Metier auf. Wieso er nicht mehr filmen kann, liegt am geltenden Tauchverbot in Schifffahrtslinien und in der Nähe von Landestationen in der Solothurner Aare.

Dieses Verbot ist in der schweizweit geltenden Binnenschifffahrtsverordnung (BSV) festgeschrieben, könnte aber schon bald der Vergangenheit angehören. Mitverantwortlich für diesen Paradigmenwechsel im Umgang mit dem Verbot war ein Vorfall im August 2013 in Solothurn.

Weshalb der Zwist 2013?

Im August 2013 wurden Taucher der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft während eines Tauchgangs bei Altreu von der Sondergruppe Schifffahrt der Kantonspolizei Solothurn angehalten und gebüsst. Der Grund, weshalb dieser Fall in Solothurn so hohe Wellen schlug, war, dass früher das Tauchen in der Aare in Solothurn kein Problem darstellte, wenn die Regeln eingehalten wurden. Aufgrund der konsequenteren Durchsetzung der Verordnung durch Pascal Studer, den damals neuen technischen Leiter der Sondergruppe Schifffahrt der Kantonspolizei Solothurn, wehte dann ab 2013 ein anderer Wind.

Während an anderen Orten in der Schweiz bereits Sonderregelungen bestanden, konnte in Solothurn, trotz Einwilligung der Bielersee Schifffahrtsgesellschaft BSG keine Sonderregelung durchgesetzt werden. Im Namen des Tauchclubs Solothurn und Individualtauchern nahm der Schweizer Unterwasser-Sport-Verband (SUSV), in der Hoffnung auf einen Kompromiss, Gespräche mit den Behörden auf. Ihren Tauchern rieten sie nach dem Vorfall davon ab, in der Aare zu tauchen, um mögliche rechtliche Konsequenzen zu vermeiden und die neu aufgenommenen Gespräche nicht durch Zwischenfälle zu beeinträchtigen.

So sind zwar Aareentrümpelungen im Stadtbereich noch möglich, wie die passionierte Taucherin Gerda Hüsler bestätigt, aber «das ist nicht das, was wir wollen. Wir wollen zu unseren Welsen!»

Keine Unterwasserfilme mehr

Auch im kulturellen Bereich sorgt das Tauchverbot für Unmut. Markus Flury bedauert es sehr, dass seine Filmerei aufgrund des stärker durchgesetzten Tauchverbots eine Zwangspause einlegen muss. «Dass das Gesetz eingehalten wird, ist ja nur recht. Schade ist es trotzdem, dass die Bemühungen um einen Konsens kaum Früchte tragen.» Aufgeben will er deswegen jedoch nicht. «Deshalb habe ich vor einem halben Jahr beim Regierungsrat ein Gesuch um eine Sonderbewilligung eingereicht. Eine Antwort habe ich seither jedoch noch nicht erhalten.»

Markus Flury hofft, bald wieder in der Aare filmen zu können.

Markus Flury hofft, bald wieder in der Aare filmen zu können.

Die Lage heute

Heute sieht die Lage rund um das schweizweite Sporttauchverbot in Schifffahrtslinien und in der Nähe von Landestationen bereits ein wenig hoffnungsvoller aus. Der SUSV bemühte sich seit dem Vorfall im August darum, beim Bundesamt für Verkehr, Energie, Umwelt und Kommunikation (Uvek) Gehör zu finden. Schon bald erhielt dieses Bemühen von ausserhalb Aufwind. Weil die EU ihre europäische Sportboot-Richtlinie 2013 anpasste und die neue Fassung von der Schweiz nicht direkt übernommen wurde, bedurfte es einer Teilrevision der Binnenschifffahrtsverordnung.

Diese Teilrevision liess auch Platz für weitere Änderungen der Verordnung. Fred Schneider, der Präsident des SUSV, bestätigt, dass der SUSV bei dem Vernehmlassungsverfahren 2014 aktiv beteiligt war und sich nun eine Präzisierung des Tauchverbots ergeben könnte. So sollen das Tauchverbot gelockert und künftig Tauchgänge in Schifffahrtslinien und in der Nähe von Landestationen ausserhalb der Schifffahrtszeiten ermöglicht werden.

Nun können der SUSV, der Tauchclub Solothurn und Markus Flury das weitere Fortschreiten der Teilrevision auf Bundesebene nur noch als Zuschauer beobachten, denn damit sind die Behörden wieder am Zug. Auch wenn noch nichts in Stein gemeisselt ist, scheint der Ausblick auf die möglichen Veränderungen bereits ein erster Hoffnungsschimmer für die Aaretaucher und -filmer in Solothurn zu sein.