Die Energielandschaft im Grossraum Solothurn könnte in Bewegung geraten. Der Oltner Stromkonzern Alpiq hat nämlich am Freitag angekündigt, den Verkauf seiner Beteiligung an der AEK Energie AG in Solothurn zu prüfen. Und es handelt sich mit 38,7 Prozent um einen substanziellen Anteil.

Offenbar ist völlig offen, wer die AEK-Beteiligung übernehmen könnte. «Der Bieterprozess steht grundsätzlich allen Interessenten offen», erklärt dazu Alpiq-Medienchef Richard Rogers auf Nachfrage.

Auch der Zeitplan sei nicht festgelegt. Ob der Verkauf noch im laufenden Jahr abgewickelt werden soll, lässt Rogers offen. «Der Prüfprozess wird jetzt aufgegleist und durchgeführt.»

Wer könnte also am Aktienpaket mit einem aktuellen Börsenwert von rund 58 Millionen Franken Interesse haben? Zum Beispiel die regionale AEK-Konkurrentin, die Regio Energie Solothurn.

Eine Übernahme der Beteiligung wäre «eine Option», sagt Direktor Felix Strässle. Es gebe aber keine Pläne dazu, weil bis anhin seitens Alpiq gegenüber der Regio Energie Solothurn das Thema tabu war. «Wir haben erst jetzt von den Verkaufsabsichten der Alpiq gehört. Das ist auch für uns ganz neu», sagt Strässle.

Aber Option deshalb, weil wahrscheinlich ein Synergiepotenzial im regionalen Strommarkt vorhanden wäre. Regio Energie ist der alleinige Stromversorger der Stadt Solothurn, die AEK deckt viele Gemeinden im Grossraum Solothurn ab. Jedenfalls sei man, so Strässle weiter, von der Alpiq in dieser Sache noch nicht kontaktiert worden.

«Reine Spekulationen»

Eine Einschätzung der Möglichkeiten einer Beteiligung von Regio Energie an der AEK oder gar eines späteren Zusammenschlusses der beiden Versorger gibt es bei der AEK nicht.

«Das sind reine Spekulationen, an denen wir uns nicht beteiligen», sagt AEK-Sprecherin Pia Daumüller. Sie betont, dass Alpiq den Verkauf erst prüfe und es sei nicht sicher, ob der Verkauf auch getätigt werde. Einen Wunschkandidaten für die Beteiligung habe man nicht.

Wird die BKW AG, welche mit 39,5 Prozent an der AEK beteiligt ist, den Alpiq-Anteil übernehmen? «Das müssen Sie die BKW fragen», meint Daumüller.

Anruf in Bern. «Angesichts der Tatsache, dass die BKW selber an der AEK eine Beteiligung hält, ist es naheliegend, ein Angebot genau zu prüfen», antwortet Sabrina Schellenberg, stellvertretende Mediensprecherin bei der BKW AG in Bern.

Mehr lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt kurz nach der Bekanntgabe der Verkaufsabsicht nicht sagen. Hegen die Berner allenfalls die Absicht, ihr eigens AEK-Paket ebenfalls zu veräussern? Man überprüfe regelmässig die Beteiligungen. «Die BKW plant zurzeit keinen Verkauf», so Schellenberg.

Abbau der Verschuldung

Dass Alpiq den Verkauf der AEK-Beteiligung prüft, ist keine Überraschung. Seit längerer Zeit trennt sich der Energiekonzern von Beteiligungen, um die Nettoverschuldung zu reduzieren (wir berichteten mehrfach).

Aufgrund des fundamentalen Wandels in den Strommärkten werde die Alpiq-Gruppe umgebaut, erläutert Sprecher Rogers. Der Fokus liege nebst der Liquiditätsbewirtschaftung eben auf einem Abbau der Nettoverschuldung.

Dies sei mit den aus den Verkäufen freiwerdenden Mittel möglich. Die mögliche Trennung von der AEK stehe in keinem Zusammenhang mit deren Geschäftsgang.

Nicht überraschend

Das sieht auch Pia Daumüller von der AEK so. Dass Alpiq aufgrund ihrer schwierigen finanziellen Situation weitere Verkäufe prüfe, sei nachvollziehbar. «AEK ist erfolgreich am Markt unterwegs, trotz markant zunehmendem Wettbewerb im Strombereich.»

Man sei breit aufgestellt, die Geschäftsfelder ausserhalb des Strombereichs «entwickeln sich sehr erfreulich und tragen massgeblich zum Geschäftserfolg bei». Das gelte auch für den Markt für erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Falls es zum Verkauf der Beteiligung kommen sollte, sei «das operative Tagesgeschäft der AEK davon nicht betroffen».

Auch Avag Olten steht vor dem Verkauf

Neben der Beteiligung an der AEK Energie AG Solothurn prüft der Energiekonzern Alpiq auch den Verkauf der Alpiq Versorgungs AG (Avag) in Olten. Diese versorgt rund 30 000 Endkunden mit Strom in der Region Olten, die AEK rund 40 000 Endkunden im Raum Solothurn.

Die Avag ist ein Tochterunternehmen der Alpiq. Sie besitzt die Mehrheit, einen geringen Anteil halten die 14 Konzessionsgemeinden. Betrieben und geführt wird die Avag operativ über die Aare Energie AG (A.en). An diesem Kooperationsunternehmen sind die Avag und die Städtischen Betriebe Olten je hälftig beteiligt.

Ob sich beim Verkauf der Avag-Anteile bei der A.en etwas verändern werde, könne aus heutiger Sicht nicht beurteilt werden, erklärt A.en-Sprecher Beat Erne.

Die Avag erzielte 2014 einen Umsatz von 99,7 Millionen Franken. Die AEK Energie AG in Solothurn ihrerseits erwirtschaftete mit 233 Mitarbeitenden einen Gesamtumsatz von 143,3 Millionen Franken. (FS)